Reportage aus Bremerhaven
Am 26. Januar 2013 war Weltzolltag. Ausgerufen worden ist er von der Weltzollorganisation, die deutlich machen will, welche Aufgaben der Zoll weltweit hat. Beim Hauptzollamt Bremen arbeiten insgesamt rund 800 Zöllnerinnen und Zöllner, 350 davon in Bremerhaven. Gemessen an den Warenabfertigungen und den Steuereinnahmen von zuletzt 900 Millionen Euro im Jahr ist das Zollamt Bremerhaven das wichtigste in Bremen.
Abgleichen von Frachtlisten und tatsächlich transportierten Waren gehört zum Alltag.
Radio-Bremen-Reporter Dirk Bliedtner hat Zollbeamte in Bremerhaven begleitet: Ein Container im Hafen wird entladen. Mitarbeiter der Zollbehörde hieven ein Paket nach dem anderen auf ein Rollband. Die Kartons schliddern direkt in einen Wagen. Es ist ein Spezialfahrzeug des Zolls, das mit Röntgentechnik ausgerüstet ist. Im Wagen werden die Pakete durchleuchtet – wie man das von Koffern am Flughafen kennt, sagt Zoll-Sprecher Frank Presch. Der Wagen ist sozusagen die Mobileinheit der großen Containerprüfanlage im Hafen von Bremerhaven. "Wir haben das bei den Containern, die wir als Ganzes kontrollieren, als Ganzes röntgen. Wir haben das aber auch in klein, das heißt, hier sind es Textilcontainer mit verschiedenen Textilien, wo die einzelne Packstücke durchleuchtet werden", so Presch.
Im Wagen werten Zollinspektoren die Röntgenbilder auf Monitoren aus: "Hier haben wir jetzt sehr viel dunkle Ware, also eine hohe Dichte, Metall in diesem Fall, es ist ja unter anderem Modeschmuck angemeldet." Wie zum Beispiel Ketten und Ohrringe aus China. Stichprobenartig greifen die Zöllner die eng zugeschnürten Kartons heraus. In einer Lagerhalle werden die Pakete geöffnet. Wie der Inhaber die Ware anschließend wieder verpacken lässt, ist seine Sache. Die Kosten dafür muss er übernehmen. Denn der Zoll hat das Recht, die Waren zu prüfen. "Das ist soweit angemeldet. Polyester, das passt auch, für Männer oder Knaben. Wir haben hier eine Packliste aus China, was da drin sein muss. Und das wird halt abgeglichen. Wenn es Zweifel gibt, muss man das einschicken."
Zollbeamte dürfen alles öffnen und sich davon überzeugen, dass der deklarierte Inhalt auch wirklich im Container oder im Paket ist.
Ins Labor muss dieses Mal nichts. Keine Auffälligkeiten bei den Jacken und Hosen. Die Lieferpapiere sind in Ordnung. Während er ein weiteres Paket öffnet, erzählt einer der Zöllner, wie ein Team bei so einer Kontrolle einmal auf illegale Müllentsorgung im großen Stil gestoßen ist.
Während sich das Außenteam weiter durch die Ware arbeitet, wird in der Zentrale für Risikoanalyse des Zolls im Bremerhavener Hafen der nächste Einsatz vorbereitet. Sonja Ficke ist die Leiterin der Abteilung: "Ja, wir bekommen für alle Sendungen oder Container, die hier in Bremerhaven ankommen, eine sogenannte Gestellungsmitteilung. Das heißt, uns wird mitgeteilt, dass eine bestimmte Ware hier angekommen ist, so dass wir dann in der Lage sind, die einzelnen Sendungen zu prüfen und zu entscheiden, ob wir eine Kontrolle durchführen." Das ist abhängig von der Risikoanalyse. Die erstellen die Zöllner, indem sie verschiedene Datenbanken abgleichen. Mitunter stoßen sie dabei auch auf Drogengeschäfte. Die Täter werden immer kreativer – verstecken die Ware beispielsweise in Wänden von Kühlcontainern. "In einem Jahr ist es der Zigarettenschmuggel, dann sind es bis zu 20 Millionen Zigaretten, die wir vor zwei Jahren hier sichergestellt haben. In diesem Jahr beziehungsweise im letzten Jahr 2012 haben wir in der Tat verstärkt Drogenaufgriffe, insbesondere Kokain."
Aber nicht immer geht es um die Suche nach Schmuggelgut wie Drogen oder Zigaretten. Zum Tagesgeschäft der Zöllner gehört auch, Lebensmittel in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern zu prüfen, Steuern für Produkte zu erheben und gefälschte Waren aufzuspüren. "Bestimmte Markenfirmen stellen einen Antrag bei der Zollverwaltung, dass ihre Waren bei der Einfuhr überprüft werden. Und in den Fällen, wo wir feststellen, die Ware kommt aus einem Land, aus dem der Markenhersteller keine Ware bezieht, dass wir dann entsprechende Kontrollen machen." Auch wenn die Grenzen sich in Europa geöffnet haben – die Aufgaben des Zolls haben sich nicht verringert, sagt Presch: "Der internationale Warenverkehr steigt ja stetig. Wir haben hier mittlerweile ein Volumen von bis zu sechs Millionen Containereinheiten, die hier umgeschlagen werden." Bei der Masse wird die Risikoanalyse immer wichtiger. Damit die Stichproben auch zum Erfolg führen.
Weltzolltag am 26. Januar 2013, [2:53]
Viele neue Zöllner für Bremerhaven, [3:14]
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