Werftenstandort Bremerhaven
Wie geht es weiter nach 185 Jahre Schiffbau in Bremerhaven? Diese Frage diskutierten Fachleute im Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven. Die Museumsleitung hatte gemeinsam mit der Nordsee-Zeitung eingeladen und es kamen rund 220 Zuhörer in den damit voll besetzten Vortragssaal. Vorne standen Branchenkenner und Werftenvertreter. Unter ihnen auch Dieter Petram, der gerade dabei ist, seine Lloyd-Werft umzustrukturieren.
Video: Dieter Petrams Pläne
Einstellungen, Infos und Kommentare
Im Podium saßen die wichtigsten Akteure der Schiffbauunternehmen in Bremerhaven, so auch der ehemalige Chef der Lloyd-Werft und bis vor kurzem Vorsitzender des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik, Werner Lüken. Anders als vor fünf Jahren stecke der Schiffneubau weltweit in einer Krise, erklärt er. Damals hätten die Reeder fröhlich neue Schiffe bestellt - am Markt vorbei. "Jeder wollte ein möglichst großes Stück vom Kuchen der hohen Frachtraten abbekommen", so Lüken weiter. Dadurch sind sie nun im Keller, die Reeder in der Krise. Doch irgendwann müssten die Schiffe zur Wartung, Pflege und Reparatur ins Dock.
Der ehemalige Chef der Lloyd-Werft, Werner Lüken, kritisiert seinen Nachfolger.
Nach Ansicht von Werner Lüken haben Schiffsreparatur und Schiffsumbau eine Zukunft in Bremerhaven und eine größere Nachhaltigkeit als die Produktion von Windkraftanlagen an Land. "In etwa zehn Jahren ist die Nordsee voll mit Windrädern", sagt er. Deshalb sei ein neues Dock für größere Schiffe in Bremerhaven sinnvoller als ein Offshore-Schwerlast-Hafen.
"Gerade im Bereich der Kreuzfahrtschiffe gibt es immer wieder Umbaubedarf", bestätigt Dirk Harms von der Bremerhavener Dock GmbH, kurz Bredo. Er zeigt ein Foto mit der "MS Deutschland" und dem Luxuskreuzfahrer "Sea Dream I". Beide waren für knapp zwei Wochen in der Werft für Erneuerungen und Renovierungsarbeiten. Seit 2009 gibt es auf der Bredo-Werft wieder Investitionen. Zunächst in eine neue Werkshalle, dann in ein Bürogebäude.
Der Mehrheitsgesellschafter und neue Chef der Lloyd-Werft, Dieter Petram, will auch investieren. Doch zunächst wirbt er um Vertrauen. Schließlich steht er in der Kritik, weil er auf seiner Werft andere Arbeitsbedingungen durchsetzten will. Er erzählt seine Erfolgsgeschichte mit den Motorenwerken Bremerhaven und wie er seinerzeit der Bredo-Werft unter die Arme gegriffen hat. Dann legt sich der neue Besitzer mit seinem Vorgänger an, indem er behauptet, dass in den letzten 20 Jahren eigentlich nichts mehr in die Lloyd-Werft investiert wurde. Dem Publikum entgeht das Duell der beiden nicht, denn Lüken muss auffällig deutlich husten und sich räuspern. Diese Störung löst Gelächter aus.
Dieter Petram spricht von Fakten, die man hinnehmen müsse: ein schwacher Markt und eine schlechte Auftragslage. "Wenn die Reeder kein Geld haben, kommen sie zwar in die Reparatur, aber lassen nur das Nötigste machen. Genauso wie es jeder von uns mit dem eigenen Auto machen würde": Bremsen und Motor überholen ist Pflicht, aber Schönheitsreparaturen kämen nicht in Frage. "Und so haben wir das statistisch bei uns auf allen Werften. Dass wir zwar die gleiche Anzahl von Schiffen haben, in der Stückzahl, und auch die gleichen Dockbelegungstage. Aber wir haben nur noch die Hälfte Umsatz", führt Petram weiter aus.
Deshalb müssten die Arbeitnehmer zurückstecken und statt wie bisher 35 bei gleichem Lohn 40 Stunden die Woche arbeiten. Zudem sollten die Beschäftigten weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen, dafür aber an Gewinnen beteiligt werden. "Machen wir keine Gewinne, war es umso notwendiger, dass wir verzichtet haben oder mehr gearbeitet haben. Und machen wir Gewinne, können wir die Gewinne gerne ausschütten." Petram habe damit kein Problem, denn er könne sein "Brot sowieso kaufen, mit oder ohne Lloyd-Werft." Er sieht eine Zukunft als Umbau- und Reparaturwerft und hofft, auch mal eine neue Mega-Yacht zu bauen. Ginge es nach ihm, könne es schon in den nächsten Wochen eine Einigung mit dem Betriebsrat geben.
Kritiker sagen, es gehe Petram nur darum, Profit aus der Lloyd-Werft zu schlagen. Ein Betriebsratsvertreter sagt, man sei mit der 40 Stunden Woche einverstanden. Auch spricht er von einer möglichen Einigung in zwei bis drei Wochen. Viele Zuhörer der Diskussionsveranstaltung sind optimistisch. Sowohl in Sachen Werftstandort Bremerhaven als auch im Konfliktfall Lloyd-Werft. Viele hoffen, dass die Werft nicht zerschlagen werde und Dieter Petram auf die Belegschaft zugehen werde.
Zukunft des Schiffbaus in Bremerhaven, [3:02]
Hörfunkbeitrag von Mario Neumann
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