Frauenhandel und Zwangsprostitution in Bremen
In den vergangenen drei Jahren liefen Ermittlungen in mehr als 100 Fällen von sexueller Ausbeutung in Bremen. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Oft sind der Justiz die Hände gebunden, da die Frauen nur selten Anzeige erstatten. Radio-Bremen-Reporterin Janine Horsch berichtet über die Situation der Opfer und wie ihnen geholfen werden kann.
Zwangsprostitution: Warum die Opfer zu oft schweigen, [2:29]
Radiobeitrag von Janine Horsch.
Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will mit härteren Gesetzen gegen Zwangsprostitution vorgehen.
Seit zehn Jahren gibt es das Prostitutionsgesetz. Drei Paragraphen, die sagen: Prostitution ist legal, muss aber aus eigenem Willen heraus praktiziert werden. Die Realität ist eine andere: In Bremen sind es vor allem bulgarische Frauen, die immer wieder Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel werden. Vergewaltigungen, Schläge und psychische Gewalt sind ihr Alltag. Das größte Problem: Die Frauen nehmen ihre Situation oft nicht als Notlage wahr, sagt Julia von Lengerke von der Beratungsstelle Nitribitt. Viele kommen aus armen Verhältnissen und sind Gewalt von Kindheit an gewohnt.
Für die Frauen sind die Menschenhändler die einzige Bezugsperson. Sie kommen aus demselben Land und sprechen dieselbe Sprache. Das macht es der Justiz besonders schwer, denn nur selten stellt sich eine Frau gegen ihren Peiniger. Häufig drohen die Täter damit, den Familien zuhause etwas anzutun. Dazu werde ihnen suggeriert, man stecke mit der Polizei unter einer Decke, so dass die Opfer aus Angst vor weiteren Repressalien keine Anzeige erstatten, berichtet Staatsanwältin Petra Meyer.
Video: Was hilft im Kampf gegen Zwangsprostitution
Einstellungen, Infos und Kommentare
Einige Frauen suchen Hilfe bei ihrer Familie in der Heimat. Diese wendet sich dann an die Polizei. Über Interpol gelangt die Anfrage dann nach Bremen. Kommt es aber zu einer Festnahme, schweigen sie in der Regel. "Den Frauen fehlen Anreize zu einer Aussage", sagt Katharina Kähler von der Bremer Beratungsstelle "BBMeZ" (Beratungsstelle für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsprostitution). Bis zu ihrer Aussage vor Gericht werden sie zwar finanziell unterstützt, aber sobald sie diese Aufgabe erfüllt haben, sieht das derzeitige System keine Hilfen mehr vor, sagt die Sozialarbeiterin und schlägt vor: Aussagebereite Opfer müssten zum Beispiel die Möglichkeit erhalten, legal in Deutschland zu arbeiten oder ihre Kinder nachzuholen.
Auch die Bremer Staatsanwältin Petra Meyer sieht zu wenig Perspektiven für die Frauen. "Wir müssen sie aufklären, damit sie wissen, welche Rechte sie haben“, sagt die Juristin.
Tiefwasserhafen der Superlative
Deutschlands einziger Seehafen mit Tiefgang ist ein gigantisches Projekt. Ab August 2012 sollen die größten Containerschiffe der Welt Wilhelmshaven anlaufen. Es ist ein Vorhaben der Superlative: Erst Deutschlands größter Sandkasten, dann Norddeutschlands größte Baustelle. Der Jade-Weser-Port ist ein ehrgeiziges Projekt der Länder Niedersachsen und Bremen. Mehr...
Untersuchungsausschuss Krankenhauskeime
Der Tod von drei frühgeborenen Babys in der Kinderklinik Bremen-Mitte beschäftigt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bremer Landtags. Wir berichten hier über jede Sitzung. Mehr...
Windenergie-Dossier
Seit dem Reaktorunglück in Fukushima ist die Energiewende ein Dauerbrenner in Medien und Politik. Welche Potentiale die Windenergie bietet und wo es Schwierigkeiten gibt, erfahren Sie in unserem Dossier. Mehr...
Drogenpolitik auf dem Prüfstand
Vor fünf Jahren wurde Kevins Leiche im Kühlschrank seines Stiefvaters gefunden. Der Zweijährige starb unter den Augen der Behörden. Seitdem steht die Bremer Drogenpolitik auf dem Prüfstand. Mehr...
Stille Einlagen ummünzen?
Bremen soll seine stille Einlage an der Bremer Landesbank aufgeben und statt dessen Anteile an der Bank bekommen. Denn die Landesbank-Mutter, die NordLB, braucht mehr Eigenkapital. Niedersachsen macht Druck, doch die Bremer sind noch nicht überzeugt. Mehr...
Jetzt läuft
Wenn der Job nicht zum Leben reicht
Hunderttausende Arbeitnehmer können in Deutschland mittlerweile von ihren 40-Stunden-Jobs nicht mehr leben und täglich werden es mehr – in immer mehr Berufen. Menschen, die einen Zweitjob ausüben müssen und dann insgesamt 60 oder 70 Stunden in der Woche arbeiten. Ein Radio Bremen-Team hat drei von ihnen in ihrem Überlebenskampf begleitet. Mehr...
12. Juni, 17:45 Uhr | EinsPlus
Info: Die Rundschau
Sendezeit:
Mo. - Fr., 7, 8, 12, 16, 17 Uhr
Info: Nordwestradio Journal
![Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen] Globus mit Mikrofon davor [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/nordwestradio_journal/journal104_v-mediateaser.jpg)
Sendezeit:
Mo., - Fr.,
6:05 - 9 Uhr
12:08 - 13 Uhr
17:08 - 18:30 Uhr
Sa.,
8:05 - 9 Uhr
12:05 - 13 Uhr
Politik-Podcasts
Politik-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen: Hier werden Ihnen jeweils die neuesten Podcast-Dateien zum direkten Download angeboten. Mehr...