Kommentar
Die Europäische Raumfahrt-Agentur Esa erhält von ihren Mitgliedsländern zehn Milliarden Euro, um ihre wichtigsten Projekte weiter zu verfolgen. Damit werden Arbeitsplätze unter anderem in Bremen gesichert. Ein dauerhafte Sicherung des Raumfahrtstandortes Bremen oder nur eine kurzfristige Verlängerung? Dazu ein Kommentar von unserem Politik- und Wirtschaftsredakteur Folkert Lenz.
Eine Ariane-5-Rakete beim Start
"Ist es ein Sieg für Bremen? Oder nur eine vorläufige Verlängerung der Spielzeit? Das muss man sich angesichts der Raumfahrt-Entscheidungen in Neapel fragen. Gut zehn Milliarden Euro wird die Raumfahrtagentur ESA in den kommenden Jahren für Forschung im All ausgeben. Doch wie viel von dem Geldregen kommt an der Weser an? Nicht so viel wie erhofft. Aber doch immerhin so viel, dass die Weltraum-Branche in der Hansestadt nicht in ihrem Fortbestand bedroht ist.
Dabei geht es um mehrere hundert Jobs in Bremen. Zum Beispiel bei Astrium, wo seit Jahren die Oberstufe für die erfolgreiche Ariane-Rakete hergestellt wird. Vor dem Treffen der Raumfahrtminister war unklar, ob das auch künftig so weitergehen kann. Denn die Franzosen wollten eine neue Version der Europa-Rakete haben: eine "Ariane 6", die dann zum großen Teil in Frankreich gebaut würde.
Deutschland dagegen wollte lieber eine Weiterentwicklung der bisherigen "Ariane 5": die "Ariane 5-ME". Die aber sollte hauptsächlich von deutschen Ingenieuren entwickelt und gefertigt werden. Das Tauziehen zwischen den beiden größten Zahlern der Esa endete jetzt in einem Unentschieden: Es gibt sowohl eine Fortentwicklung wie auch eine Neuentwicklung der Ariane. Eine Entscheidung, die technisch wenig Sinn macht, aber die Industriepolitiker beider Länder befriedigt. So können die Raketentechniker in Bremen auch über das Jahr 2018 hinaus aufatmen.
Auch die Astrium-Ingenieure, die derzeit gerade am letzten von fünf Modellen der Raumfähre ATV basteln, müssen sich wohl vorerst nicht nach neuen Jobs umsehen. Das Know-How, das sie bei der Entwicklung des ATV in Bremen gewonnen haben, will Europa nun nutzen, um die Amerikaner beim Bau ihrer bemannten Raumkapsel "Orion" zu unterstützen. Darüber hinaus profitiert das Raumfahrtunternehmen OHB bei einem Mars-Projekt von den ESA-Fördergeldern. Auch gut für Bremen!
Da tritt es fast in den Hintergrund, dass es mit einer Mondmission unter Bremer Federführung wohl erst mal nichts wird. Denn auch hier ging es um eine halbe Milliarde Euro, von der ein erklecklicher Teil an der Weser hätte landen können. Immerhin: Angesichts exorbitanter Kosten für die Forschung im All grenzt es schon fast an ein Wunder, dass sich die 20 europäischen Raumfahrt-Staaten in der Finanzkrise auf eine langfristige Perspektive geeinigt haben. Das Geschacher um Geld und Jobs ist gut ausgegangen: Für Deutschland, aber auch für Bremen!
Denn dass die Stadt nach den Sternen greift und auf diesen Wirtschaftszweig setzt, ist und bleibt ein Vabanque-Spiel. Die Landespolitik hat die Luft- und Raumfahrt zu einem Schwerpunktthema für das Bundesland erklärt. Bislang erfolgreich, denn die Hansestadt hat sich – bescheiden und ganz leise – zu einem der größten, wenn nicht dem Raumfahrt-Standort in Deutschland gemausert.
Fast 2.000 Arbeitsplätze in Bremen hängen aber indirekt am Tropf des Staates. Einen richtigen Wettbewerb nach Marktregeln gibt es in der Raumfahrtbranche nicht, denn die ist in höchstem Maße abhängig von öffentlichem Geld. Bliebe das einmal aus, wäre es desaströs für Bremen!
Der Kommentar zum Anhören:
Noch mal gut gegangen – die ESA-Raumfahrt-Entscheidungen, [2:45]
Zehn Milliarden Euro für Raumfahrtstandorte
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