UEFA EURO 2012™
Mit einem klaren 4:0-Erfolg gegen Italien hat sich Spanien den Titel bei der Fußball-Europameisterschaft gesichert. Radio Bremen-Sportreporter Stephan Schiffner war dabei. In unserer EM-Kolumne "Einwurf" schildert er seine Erlebnisse vom Finale in der ukrainischen Hauptstadt. Diesmal: Mit den "Campeones" in Kiew.
Als ich den frischgekürten spanischen Europameister Iker Casillas vor das Mikrofon bekomme, naht das Ende eines langen und sehr spannenden letzten Arbeitstages bei der Europameisterschaft. Doch der Reihe nach.
Das Ausscheiden der Deutschen Elf gegen Italien hat auch sein Gutes - für mich zumindest. Dadurch schickt die ARD-Redaktion anstelle der Reporter, die für die Deutsche Mannschaft zuständig sind, mich zum Finale nach Kiew, um dort Interviews nach dem Spiel zu machen. Nach fast vier Wochen in Polen nun also ein Tag in der Ukraine.
Er beginnt nach meiner Landung damit, dass mein Fahrer Nikolai ausschließlich Russisch und Ukrainisch spricht. "What's your name?" - Keine Chance. Es dauert Minuten, bis ich ihm klarmachen kann, dass ich nur wissen will, wie er heißt. Aber macht nichts, er kennt mein Hotel und bringt mich da ganz souverän hin. Worüber er auf der Fahrt des öfteren flucht, bleibt leider sein Geheimnis. Es geht auf der einzigen echten Autobahn der Ukraine sehr flott voran. Die Autobahn verbindet den Flughafen Kiew mit der Stadt, es sind rund 30 Kilometer, es geht vorbei an unendlich vielen Plattenbauten, das habe ich in diesem Ausmaß noch nicht gesehen.
Kiew ist kontrastreicher als Warschau oder andere Städte in Polen. Wenige scheinen viel, und viele scheinen wenig zu haben. Was mich nicht sonderlich überrascht. In der Innenstadt sehe ich zahlreiche Paläste und Kirchen mit goldenen Kuppeln, restaurierte Häuser, Kneipen, Cafés und dicke Autos. Und natürlich zahlreiche Fußballfans. Viel mehr Spanier als Italiener, aber auch Polen, Deutsche und Ukrainer, die offensichtlich jeweils ihr Team im Finale erwartet hatten. Interessant. Alles friedlich.
Die Spanier schießen Fotos, auf denen sie mit einheimischen Schönheiten posieren. Davon gibt es hier sehr viele. Gegen 19.00 Uhr Ortszeit geht es dann mit dem Kamerateam Richtung Stadion. Dort angekommen ärgern wir uns mit den Sicherheitsleuten herum. Irgendein Dokument fehlt. Wer mit der Kamera ins Stadion will, braucht nicht nur einen Parkschein und die Akkreditierung der Uefa, die wir Reporter immer um den Hals hängen haben. Nötig sind auch Extra-Aufkleber für die Kamera, ein Ticket, das die Teilnahme an der Pressekonferenz gestattet, ein weiteres, um in die Interview-Zone zu kommen, und dann noch ein ganz normales Tribünenticket für den Reporter.
Nach einer Weile haben wir alles beisammen und alles wird gut. Sonnenschein, 25 Grad, ein schickes Stadion und prima Stimmung - nur spannend ist es nicht. Wir staunen. Italien, eine Mannschaft, die vor wenigen Tagen Deutschland aus dem Turnier werfen konnte, wird vorgeführt. Ich fühle mich bestätigt. Spanien ist nach wie vor im Fußball-Kosmos ein eigener Planet. Frühzeitig feiern die Fans ihre Lieblinge mit "Campeones"-Rufen.
Die Helden des Abends werden an der großen Leinwand des Stadions geehrt.
Erstmals kann der amtierende Europameister seinen Titel verteidigen - und wie. 4:0 gegen Italien. Das feiern die Spieler entsprechend, daher dauert es ewig, bis sie in der Interview-Zone erscheinen. Manche grölen, manche singen, manche sagen gar nichts. Und Torwart Iker Casillas, ein freundlicher und geduldiger Mensch, sagt gegen 1.45 Uhr Ortszeit, drei Titel hintereinander zu holen, das sei doch "eine Sensation und ein historischer Tag". Die Spanier schreiben EM-Geschichte - es hat Spaß gemacht, dabei zu sein.
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![Fußballerbeine und Ball, darüber ein Play-Zeichen [Quelle: Montage Radio Bremen/DAPD] Fußballerbeine und Ball, darüber ein Play-Zeichen [Quelle: Montage Radio Bremen/DAPD]](/sport/fussball/euro2012/em-radio100_v-mediateaser.jpg)
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