Landgericht verwirft Berufung
Das Landgericht Bremen hat die Berufung im sogenannten Ostkurvensaal-Prozess verworfen. Der Grund: die zwei Angeklagten wollen nicht vor Gericht aussagen. Sie waren kurz vor Prozessbeginn noch im Gerichtgebäude, erschienen dann aber nicht zur Hauptverhandlung.
Video: Berufung im Ostkurvensaal-Prozess verworfen
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Die zahlreichen Medienvertreter im Landgericht hätten ihre Mandanten abgeschreckt, sagten die Anwälte als Begründung. So hätten die Angeklagten durch die Berichterstattung über das erste Verfahren vor dem Amtsgericht bereits persönliche und berufliche Nachteile gehabt. Das solle sich nicht wiederholen, so die Anwälte weiter.
Das Berufungsverfahren hatten die Verurteilten selbst angestrengt. Deshalb kann das Gericht die Angeklagten nicht zwangsweise vorladen oder verhaften lassen, so der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bremen wurde deswegen das Verfahren eingestellt. Die Prozesskosten müssen die Angeklagten tragen. Wie hoch diese sind, steht noch nicht fest, so ein Gerichtssprecher. Das Urteil des Amtsgerichtes bleibt bestehen und ist endgültig. Die zwei Angeklagten gehörten zu einer Gruppe von Hooligans, die im Januar 2007 eine Feier von Werderfans im Weser-Stadion überfallen hatten. Insgesamt waren sieben Angreifer deswegen vor einem Jahr zu Geldstrafen verurteilt.
Es war die Feier zum ersten Geburtstag der politisch links orientierten Werder-Bremen-Fangruppe "Racaille Verte". Hooligans, die dem rechten Spektrum zugerechnet werden, stürmten den Saal und verprügelten zahlreiche Jugendliche, von denen zwei dabei schwer verletzt wurden. Vor einem Jahr kam es dann zur Anklage gegen sieben der Schläger. Amtsgericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger einigten sich auf einen so genannten Deal: Die Angeklagten gestanden den Überfall und wurden deswegen nur mit Geldstrafen belegt. Zeugen wurden nicht gehört. Zwei der damals Verurteilten hatten ihr Geständnis nach dem Urteil zurückgezogen und waren in Berufung gegangen. Das Verfahren wäre nun ganz neu aufgerollt worden, so ein Gerichtssprecher.
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