Ereignisse im Ostkurvensaal
Eine Gruppe von über 20 Schlägern der rechtsextremen Werder-Fanszene überfiel im Januar 2007 eine Party im Ostkurvensaal. Dort feierte eine als links geltende Ultra-Gruppe ihr einjähriges Bestehen. Trotz Prellungen und Knochenbrüchen wollte zunächst keiner Anzeige erstatten oder als Zeuge aussagen.
Linker Fan-Block mit "Racaille Verte" und "Infamous" im Weser-Stadion.
Der Vorfall erregt damals Aufsehen: Im Januar 2007 feierte eine Gruppe Werder-Fans ihr einjähriges Bestehen. Sie nennen sich "Racaille Verte", was so viel heißt wie "grüner Abschaum" und zählen sich zum linken Flügel der Fan-Szene. Sie dulden beispielsweise keine Nazi-Klamotten.
An diesem Abend sollen sie einem Gast aus der rechten Hooligan-Szene den Einlass verwehrt haben, weil er eine Jacke der Marke "Thor Steinar" getragen haben soll. Diese ostdeutsche Modemarke gilt als Erkennungszeichen der Neonazi-Szene. Ihre Produkte labeln sie mit einem verzerrten SS-Schriftzug.
Der abgewiesene Gast vor dem Ostkurvensaal des Weser-Stadions rief per Handy Verstärkung. Laut Zeugen kamen daraufhin immer mehr Vertreter der rechtsextremen Szene, darunter auch bekannte Gesichter der Hooligan-Gruppen "Standarte Bremen" und "Nordsturm Brema".
Sie provozierten und bespuckten die Anwesenden und warfen mit Stühlen und Mülleimern. Der Ostkurvensaal wurde von rund 20 Schlägern regelrecht gestürmt. Sie sollen gezielt auf namentlich bekannte Gäste eingeschlagen haben. Zwei Personen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden und weitere zwölf mussten ärztlich versorgt werden.
Aus Angst vor weiteren Übergriffen aus dem rechten Block fanden sich zunächst keine Zeugen für den Überfall. Viele der Opfer hätten sogar ihrem Arzt lieber von einem Treppensturz berichtet als von der Schlägerei. Erst nach langen Diskussionen und Appellen an die Zivilcourage erklärten sich fast alle bereit, vor Gericht auszusagen. Denn die rechten Schläger sollten nicht ungestraft davonkommen.
Am Ende erstattete das Fan-Projekt die Anzeige wegen schwerem Hausfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung. Mehr als vier Jahre brauchte die Bremer Staatsanwaltschaft, um jetzt sieben Männern den Prozess zu machen: Andree Klaus S., Hannes O., Ingo Ludwig B., Gerhardus Dirk B., André S., Mirco H. und Nicolas H.. Am 22. September 2011 begann die Verhandlung vor einem erweiterten Schöffengericht. 46 Zeugen sollen aussagen.
Ostkurvensaal
Der Ostkurvensaal ist eine Art Multifunktionsraum. Er dient als Treffpunkt für die Fans, als Veranstaltungsraum und nicht zuletzt als Lernzentrum der Robert-Bosch-Stiftung. Die Stiftung biete Projekte der Jugend- und Bildungsarbeit an.
Werder Bremen hat mehr als 20 Stadionverbote ausgesprochen, zuletzt an acht rechte Hooligans aus der Gruppierung Nordsturm Brema. Für das Engagement der Fans im November 2008, die deutlich gemacht haben, dass sie keine Neonazis in ihrem Fanblock dulden, bedankte sich Trainer Thomas Schaaf mit einem Statement im Stadion.
Überfall auf Ostkurvensaal
Für den Überfall auf eine linke Fan-Gruppe bekommen die Angeklagten nur geringe Strafen. Geht die Bremer Justiz zu nachlässig mit der rechten Hooligan-Szene um? Mehr...
Berichte zum Hooligan-Prozess
"Politisch motivierter Angriff"
"Justizskandal", "beschämend", "schockierend". Einige der Reaktionen auf den Auftakt im Bremer Prozess um den Überfall auf eine Fan-Party im Ostkurvensaal des Weser-Stadions. Ronny Blaschke spricht von einem "politisch motivierten Angriff". Der Journalist und Experte für Rechtsradikalismus im Sport kritisiert auch die Richter. Mehr...
Zu viel Milde bei Hooligans?
Drohgebärden im Gerichtssaal, Einschüchterung von Zeugen und möglicherweise nur geringe Strafen für die Angeklagten am ersten Prozesstag haben für Aufregung gesorgt. Geht die Bremer Justiz zu nachlässig mit der rechten Hooligan-Szene um? Hier eine Zusammenfassung des Gästebuchs. Mehr...
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