Rückblick 2011: Erster Prozess
Der erste Prozess gegen Hooligans vor dem Amtsgericht Bremen wurde vorzeitig beendet. Einem entsprechenden Vorschlag des Gerichts hatten die sieben Angeklagten und die Staatsanwaltschaft im September 2011 zugestimmt. Die Angeklagten wurden zu Geldstrafen verurteilt, weil sie glaubhafte Geständnisse abgelegt hatten.
Über vier Jahre hatte es gedauert, den ersten Prozess vorzubereiten. Die Verteidigung hatte wegen der vielen Zeugen ein langes Verfahren erwartet. Dann ging aber alles sehr schnell. Bereits am zweiten Verhandlungstag wurde das Verfahren abgeschlossen. Fünf der angeklagten Hooligans haben schweren Hausfriedensbruch gestanden, zwei davon mit schwerer Körperverletzung. Die Geldstrafen liegen zwischen 300 und 700 Euro.
"Es ging nicht darum, die Angeklagten wegen ihrer vermeintlichen Gesinnung zu verurteilen", sagte der Vorsitzende Richter Hans Ahlers, "sondern es ging darum den Angeklagten Hausfriedensbruch und Körperverletzung nachzuweisen". Dabei wies der Richter auf die Schwierigkeit der Beweislage hin. Der Überfall sei mittlerweile über vier Jahre her, zudem sei es dunkel gewesen und Alkohol habe eine Rolle gespielt, so Ahlers.
Die Atmosphäre im Gerichtssaal war am zweiten Verhandlungstag weniger befremdlich, als zum Prozessauftakt. In der ersten Woche saßen rund 20 Sympathisanten der Angeklagten im Publikum, einige davon mit Kapuzen und Sonnenbrillen vermummt. Es gab Bedrohungen und Einschüchterungsversuche im Gerichtssaal. So machten beispielsweise einige der Vermummten Fotos von anderen Besuchern des Prozesses.
Der Fraktionschef der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft, Matthias Güldner, hat die Prozessführung scharf kritisiert. Er sprach von einem "handfesten Justizskandal". Es sei ein Spießrutenlaufen für die Opfer des Überfalls, so Güldner. Sie seien Zielscheibe der völlig ungehindert auftretenden Rechten. Heftige Kritik gab es auch von der Linkspartei. Die Sprecherin der Linken, Kristina Vogt, bezeichnete den Prozess eine Verhöhnung der Opfer.
Auf diese Kritik hat das Amtsgericht am zweiten Verhandlungstag reagiert. Handys wurden im Vorfeld sofort einkassiert, auch Vermummungen gab es dieses Mal, zumindest im Gerichtssaal, nicht.
Dagegen wurde in der Bremer Innenstadt demonstriert. 800 Menschen gingen gegen rechte Gewalt auf die Straße. Die Teilnehmer kritisierten die Justiz, die den Überfall 2007 als Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Fangruppen eingeordnet hatte. Für die Demonstranten aber war es eine eindeutig politisch motivierte Tat von stadtbekannten Nazi-Hooligans, die sich den Fußball als Plattform suchten.
Bilder von der Demonstration gegen rechte Gewalt
Durch den Protestzug, der friedlich ablief, sollte die Solidarität zu den Opfern des Überfalls gezeigt werden. Begonnen hatte die Demonstration am Eingang zum Ostkurvensaal, sie führte dann durch das Steintorviertel und endete vor dem Bremer Amtsgericht.
Dossier: Alle Informationen zum Hooligan-Prozess
Vorgeschichte: Überfall im Ostkurvensaal
Überfall auf Ostkurvensaal
Für den Überfall auf eine linke Fan-Gruppe bekommen die Angeklagten nur geringe Strafen. Geht die Bremer Justiz zu nachlässig mit der rechten Hooligan-Szene um? Mehr...
Berichte zum Hooligan-Prozess
"Politisch motivierter Angriff"
"Justizskandal", "beschämend", "schockierend". Einige der Reaktionen auf den Auftakt im Bremer Prozess um den Überfall auf eine Fan-Party im Ostkurvensaal des Weser-Stadions. Ronny Blaschke spricht von einem "politisch motivierten Angriff". Der Journalist und Experte für Rechtsradikalismus im Sport kritisiert auch die Richter. Mehr...
Zu viel Milde bei Hooligans?
Drohgebärden im Gerichtssaal, Einschüchterung von Zeugen und möglicherweise nur geringe Strafen für die Angeklagten am ersten Prozesstag haben für Aufregung gesorgt. Geht die Bremer Justiz zu nachlässig mit der rechten Hooligan-Szene um? Hier eine Zusammenfassung des Gästebuchs. Mehr...
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