Mit dem Zug zum Nordderby
Fanmärsche verboten: Bei "Risiko-Spielen" werden die gegnerischen Fans vom Bahnhof mit dem Bus zum Stadion gebracht.
Die "heiße Phase" für Bundespolizei und Bahnsicherheit beginnt vor dem Nordderby schon Stunden vor dem Anpfiff. Die meisten Fußballfans machen sich zwischen 10 und 12.30 Uhr nach Bremen auf. Von den 4.000 erwarteten Hamburger Anhängern nutzen mehr als die Hälfte die Regionalzüge der Eisenbahngesellschaft Metronom. Ab dem Hamburger Hauptbahnhof begleiten die Bundespolizisten vor allem die Sonderzüge für die Fans. Aber auch im direkten Bremer Umland gibt es Fans, die mit dem Zug zum Spiel fahren. "Wir müssen möglichst vorab herausfinden, wer wo lang fährt und wer wo auf wen trifft", beschreibt Holger Jureczko, Sprecher der Bremer Bundespolizei-Inspektion, die Problematik, mit der er und seine Kollegen sich zum Bundesliga-Spiel in Bremen befassen.
Fachleute der Bundespolizei beschäftigen sich schon lange Zeit vor der Partie mit solchen "Fan-Strömen". Ein Aufeinandertreffen soll bei verfeindeten Fangruppen möglichst vermieden werden. Oft legen es die Klub-Anhänger aber gerade darauf an. Nicht selten verlässt eine Gruppe überraschend den Zug, um auf anderen Wegen nach Bremen zu gelangen und auf gegnerische Fans zu treffen. "Diese taktischen Spielchen sind nicht auszuschließen", sagt Jureczko. Ansonsten haben die Fußball-Einsätze aber einen großen Vorteil: Sie sind, im Gegensatz zu Demonstrationen, weitestgehend planbar. Den Beamten ist bekannt, bei welchen Spielen es zu Krawallen kommen kann.
Das Nordderby beschert dem Metronom mehr als 2.000 Fahrgäste. Zu den Stoßzeiten vor und nach dem Spiel kann es schon mal eng werden in den Abteilen. Trotz der Sonderzüge nutzen viele Fußball-Anhänger die normalen Bahnen. Etwa 1.000 Menschen können jeweils in einem der 33 Züge reisen. "Grundsätzlich freuen wir uns über die vielen zusätzlichen Fahrgäste, denn längst nicht alle randalieren", sagt Metronom-Sprecher Hagen Grützmacher. Das bestätigt die Bundespolizei: Beim Nordderby wird mit etwa hundert gewaltbereiten Fans in den Zügen gerechnet.
"Aber wenn vor allem viele junge Männer im Abteil feiern, wird schnell mal die Einrichtung in Mitleidenschaft gezogen", weiß Grützmacher. Das ist auch abhängig vom Ausgang des Spiels. "Wenn die Fans gefrustet sind, dann wird wirklich alles kaputt gemacht, was kaputt gemacht werden kann", so der Pressesprecher. Vor dem Spiel verlaufe die Fahrt oft noch gesittet, weil die Fans pünktlich ankommen wollen. Die Niederlage des geliebten Vereins sei dann oft Grund genug, auf dem Heimweg Sitzpolster aufzuschlitzen oder Wände einzutreten. Dann ist die Polizei gefragt. Die Beamten schreiten ein. Hin und wieder kommt es dann nach einer Festnahme zu einem "Solidarisierungseffekt", wie der Bundespolizeisprecher es nennt: Der Rest der Gruppe weigert sich, den Bahnhof in Richtung Heimat zu verlassen und versucht so, den Festgenommenen "frei zu pressen". Dann kann sich der Einsatz für die Beamten sehr in die Länge ziehen.
Ein Risiko-Spiel ist für die Bahn-Betreiber fast wie jedes andere. Nur die Polizei zeigt deutlich mehr Präsenz an Bahnsteigen und in den Zügen. "Ein Riesen-Unterschied ist das nicht. Die Leute prügeln sich eher nicht im Zug", meint Metronom-Sprecher Grützmacher. Gewalt sei nicht das Problem in den Zügen, sondern Zerstörung, Lautstärke und Alkoholkonsum. Letzterer ist seit 2009 in den Metronom-Zügen untersagt - und das Alkoholverbot zeigt Wirkung: Ein Jahr nach der Einführung sanken die Reparaturkosten aufgrund von Vandalismusschäden laut Metronom um ein Drittel. Die Zahl der Straftaten ging um mehr als die Hälfte zurück. Wo vorher noch drei leere Flaschen auf dem Boden des Abteils lagen, ist es heute nur noch eine. Der Müll habe sich um Zweidrittel reduziert, so der Sprecher der Eisenbahngesellschaft aus Uelzen.
Das Verbot setzen die Zugbegleiter durch. In der Regel fahren ein bis zwei Sicherheitsleute mit, am Tag des Nordderbys sind 30 Sicherheitsleute zusätzlich im Einsatz. Sind die Störenfriede zahlenmäßig überlegen und leisten den Anweisen nicht Folge, wird die Bundespolizei zur Unterstützung geholt.
Am Bremer Hauptbahnhof ist bei "Risiko-Spielen" der weitere Weg für die Fußball-Touristen schon vorbereitet: Bei den besonders riskanten Partien im Weser-Stadtion sind die Fanmärsche durch die Stadt verboten. Damit auch beim Hauptbahnhof verfeindete Gruppen nicht aufeinandertreffen, wendet die Polizei die "Gitter-Lösung" an. Absperrungen verhindern ein unkontrolliertes Laufen der Fans aus dem Bahnhof. Vor der Tür stehen dann schon Busse, die die Fans zum Stadion transportieren. Diese Vorkehrung hat sich in Bremen bewährt und wird bei "Risiko-Spielen" schon seit vier Jahren angewendet. "Wir wollen so auch gewährleisten, dass normale Bahnreisende möglichst ungehindert ihre Züge erreichen können", begründet Jureczko die polizeiliche Taktik.
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