Werder Bremen
Oft können randalierende Fußballfans nur mit großem Polizeiaufgebot kontrolliert werden.
Bei einem "normalen" Fußballspiel in der ersten Bundesliga sichern etwa 150 bis 300 Polizeibeamte die Veranstaltung ab, in der zweiten und dritten Liga sind 50 bis 100 Beamte pro Begegnung im Einsatz. Bei "Risikospielen" werden doppelt bis dreimal so viele Polizisten eingesetzt, um Ausschreitungen und Krawalle zu verhindern. Laut der Gewerkschaft der Polizei (Gdp) werden beim Nordderby zwischen dem SV Werder Bremen und dem HSV knapp 600 Einsatzkräfte vor Ort sein, um einen friedlichen Ablauf vor und nach dem Spiel zu gewährleisten. Dazu kommen noch die Beamten der Bundespolizei, die Zugstrecken und Bahnhöfe sichern, weil es dort immer wieder zu Vandalismus und Gewalt kommt.
Die Kräfte der Bremer Polizei reichen dafür nicht aus, weshalb für die Begegnung Hundertschaften der umliegenden Bundesländer und zusätzlich die Reiterstaffeln aus Hannover und Hamburg angefordert werden. Auf das Land Bremen kommen allein für diesen Großeinsatz mindestens Kosten in Höhe von etwa 70.000 Euro zu, weil die Beamten aus Schleswig-Holstein, Hamburg oder Niedersachsen nur "geliehen" sind. Das gehe zulasten des Budgets der Bremer Polizei, wie Harry Kuck vom Bremer Gdp-Vorstand sagt. "Die Polizei will diese Einsätze schon machen, aber an anderer Stelle könnten wir das Geld natürlich besser gebrauchen", stellt der Experte für Fußball-Einsätze klar. Vier der 17 Begegnungen im Weser-Stadion werden als "Risikospiele" eingestuft. Dies sind die Partien Bremens gegen Hamburg, Hannover, Frankfurt und Köln.
Deutschlandweit schätzt die Dpolg, dass die Kosten für die Polizeieinsätze bei mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr liegen. In der vergangenen Saison verzeichnete die Polizeiinspektion Bremen rund 40.000 Einsatzstunden im Rahmen von Spielen in der ersten Liga. Auf Seiten der Bundespolizei kommen in Bremen noch rund 15.000 Stunden dazu. Allein die Sicherung der Zugstrecke und Bahnhöfe in diesem Bereich kostete den Steuerzahler in der vergangenen Saison mehr als eine halbe Million Euro. In Hamburg leisteten Beamte der Bundespolizei 29.000 Stunden ab. Der Hamburger Hauptbahnhof ist ein Knotenpunkt im Norden, den viele Fans auf dem Weg zum oder vom Spiel nutzen. Bundespolizisten begleiten die Sonderzüge für die Fußballfans - wenn nötig, reisen hundert Beamte mit, um vor allem Zerstörungen im Zug zu vermeiden.
Außerdem verlassen immer wieder Gruppen vorzeitig den Zug, um fernab der Masse andere Wege zum Stadion zu nehmen. "Das ist ein wöchentliches Katz-und-Maus-Spiel", meint Holger Jureczko, Sprecher der Bundespolizei in Bremen, "dafür brauchen wir jede Woche Fachleute, die Prognosen über die Reisewege der Fans abgeben." Bei den gewaltbereiten Fans handele es sich aber nur um eine Minderheit, die den Schutz der Masse ausnutzt.
Besonders in der dritten Liga steige die Gewaltbereitschaft unter den Fans, weshalb die Zahl der Polizeieinsätze weiter zunimmt. Die Personalkapazitäten stoßen an ihre Grenzen, mahnt die DPolG. Deshalb fordert ihr Gewerkschaftschef Rainer Wendt, dass die Vereine sich an den Kosten beteiligen. Außerdem warnte er vor einem Sicherheitsrisiko, wenn an den Wochenenden 2.000 Beamte die Spiele der ersten Bundesliga sichern: "Es darf während dieser Zeit keine außergewöhnlichen Sicherheitsstörungen geben, da wir keine Reserven haben." Auch die GdP sieht die personellen Engpässe, aber lehnt eine Kostenübernahme der Vereine grundsätzlich ab. "Die GdP bleibt bei ihrem Nein", betont der stellvertretende Bundesvorsitzende Frank Richter. Er bezweifle sehr stark, dass die eingenommenen Mittel dann tatsächlich der Polizei zur Verfügung gestellt werden. Zudem merkt er an, wirke sich eine Gebühr keineswegs positiv auf die zunehmende Gewaltbereitschaft aus.
Auf Seiten der Vereine wird die Forderung abgelehnt und damit begründet, dass sie auch Steuern zahlen. Aus dem Geschäftsreport der Deutschen-Fußball-Liga (DFL) geht hervor, dass die Klubs in der abgelaufenen Saison 603 Millionen Euro Steuern gezahlt haben, die Lohnsteuer macht mit 375 Millionen Euro den größten Anteil aus. In den vergangenen drei Spielzeiten haben die 36 Lizenzfußballclubs beziehungsweise ihre Angestellten etwa 1,11 Milliarden Euro an Lohnsteuer an den Staat überwiesen. Der SV Werder Bremen zahlte in der vergangenen Saison beispielsweise rund 4,5 Millionen Euro an Gewerbe- und Körperschaftssteuer.
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