28. November 2012, 22:05 Uhr
Werder Bremen
Nichts da mit dem vierten Heimsieg in Folge. Werder Bremen gerät Zuhause gegen unheimlich effektive Leverkusener ordentlich unter die Räder und verliert mit 1:4 (0:1). Und das, obwohl Werder vor rund 37.000 Zuschauern viel mehr Chancen hatte als der Gegner. Leverkusen hingegen brauchte vier Torschüsse für vier Tore.
Was für eine Bauchlandung. Für Eljero Elia und Werder war Zuhause gegen effektive Leverkusener nichts zu holen.
Thomas Schaaf musste seine erste Elf notgedrungen gleich an zwei Positionen umstellen. Für den erkälteten Außenstürmer Marko Arnautovic rückte Youngster Niclas Füllkrug in die Startelf. Für den gesperrten Lukas Schmitz verteidigte Aleksandar Ignjovski auf der linken Seite. Der wieder genesene Kapitän Clemens Fritz nahm zunächst auf der Bank Platz. Nach sechs Wochen Verletzungspause kam ein Einsatz von Beginn an noch zu früh.
Bemerkenswert: Die Fans blieben die ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden still - aus Protest gegen das neue Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL), das am 12. Dezember von den 36 Profiklubs verabschiedet werden soll. Die fehlende Stimmung auf den Rängen passte in der ersten Viertelstunde zum Spielverlauf, denn bis auf eine Chance durch den Leverkusener André Schürrle (8. Spielminute) passierte nichts.
Umfrage zum Stimmungsboykott der Fans, [0:24]
Nach zwölf Minuten und zwölf Sekunden gaben dann auch wieder die Fans auf den Tribünen Gas und wie davon angestachelt zog auch Werder das Tempo an. Eljero Elia setzte sich mit einem Übersteiger auf der linken Seite durch und passte auf den frei stehenden Niclas Füllkrug. Doch der 19 Jahre alte Stürmer vergab aus knapp fünf Metern (14.). Das hätte die Führung für Werder sein müssen.
Video: Prödl, Hunt und Thomas Schaaf im Interview
Einstellungen, Infos und Kommentare
Anschließend neutralisierten sich beide Mannschaften weitestgehend im Mitteldfeld für gut 20 Minuten. Beide Teams attackierten früh, was zu schnellen Ballverlusten führte. Bis zur 31. Spielminute. Leverkusens Mittelfeld-Abräumer Lars Bender hatte plötzlich Platz für eine Flanke von rechts. Stefan Kießling legte geschickt mit der Brust auf Daniel Carvajal, der mit seinem Schuss an Werder-Torwart Sebastian Mielitz scheiterte. Doch der Abpraller landete direkt vor den Füßen von Gonzalo Castro, der nur noch einschieben musste: Die 1:0-Führung für Bayer Leverkusen (31.). "Das Spiel war ein bisschen so wie die Stimmung in den ersten zwölf Minuten von uns in der ersten Halbzeit", sagte Aaron Hunt. "Das war ein sehr guter Gegner heute, muss man auch klar sagen."
Reporter Olaf Rathje im Interview mit Thomas Schaaf, [1:18]
Doch der Rückstand machte Werder erst richtig wach. Die Grün-Weißen rannten weiter an und erarbeiteten sich ein Chancenplus, einzig die Ausbeute stimmte nicht. Aaron Hunt (37.) verfehlte das Tor mit einem technisch anspruchsvollen Volley-Schuss aus gut 18 Metern nur knapp, Petersens Schuss fehlte nach einer Flanke von Elia der nötige Wumms (41.) und Zlatko Junuzovics Fernschuss aus über 20 Metern war für Bayer-Keeper Leno einfach zu parieren. "Wir wollten mehr erreichen, aber wir sind nicht so richtig ins Spiel reingekommen", sagte Trainer Thomas Schaaf nach dem Spiel. "Wir hatten nicht die Sicherheit, nicht die Überzeugung in den Aktionen."
Werder war auch zu Beginn der zweiten Hälfte die bissigere und aktivere Mannschaft. Nach einem Ballgewinn durch Theodor Gebre Selassie hatte Aaron Hunt plötzlich den Ball auf seinem starken linken Fuß, doch Hunt schoß Bayer-Keeper Leno in die Hände (50.). Und Bayer Leverkusen war wieder mal das, was eine Spitzenmannschaft auszeichnet: effektiv. Weil die Bremer Lars Bender im Mittelfeld zu viel Platz ließen, konnte der ungestört durch die Mitte auf den flinken Gonzalo Castro passen und der schob eiskalt an Mielitz vorbei zur 2:0-Führung (52.). "Leverkusen war vor dem Tor einfach eiskalt. Sie haben die Tore gemacht und das war das Manko bei uns", sagte Kapitän Clemens Fritz.
Das Spiel wurde nun richtig unterhaltsam. Auch, weil Werder trotz des Rückstandes nicht nachließ. Nur zwei Minuten später hatte Werder die passende Antwort parat, weil Aaron Hunt dieses Mal in aller Seelenruhe flanken durfte. Der Ball war lange in der Luft und fand den Kopf von Nils Petersen: Der Anschlusstreffer (54.) und bereits das fünfte Saisontor der Bayern-Leihgabe.
Trainer Thomas Schaaf setzte kurz nach dem Treffer ein Zeichen. Schaaf wechselte noch einen Stürmer ein: Joseph Akpala kam für Zlatko Junuzovic, der sich kurz zuvor seine fünfte gelbe Karte abgeholt hatte und beim Spiel am Sonntag in Sinsheim gegen Hoffenheim fehlen wird. Zudem kam Kapitän Clemens Fritz zu seinem ersten Einsatz nach seiner sechswöchigen Verletzungspause.
Interview mit Kapitän Clemens Fritz, [1:13]
Was dann folgte, war bezeichnend für die Partie. Werder rannte an und Leverkusen schlug zu, weil Werder nicht konsequent genug verteidigte und Sebastian Prödl nicht vernünftig klärte. Der frühere Bremer Simon Rolfes machte mit einem Volleyschuss die 3:1-Führung klar (74.). Nur fünf Minuten später sorgte Jens Hegeler nach einem maßgerechten Pass von André Schürrle durch die Mitte für die vorzeitige Entscheidung. 4:1 (79.). Da war's dann auch vorbei mit der Moral der Bremer. "Die Defensive war heute schlecht", ärgerte sich Werder-Spieler Kevin de Bruyne. "Drei Mal das gleiche Tor zu kassieren, das darf einfach nicht passieren."
Bayer Leverkusen ist mit dem Sieg in Bremen auf den zweiten Tabellenplatz vorgeprescht. Werder rutschte ab auf Platz 12.
Die Fans wehren sich
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