Was unsere angehenden Redakteure erleben
Das Volo-Blog
Fisch in Istanbul - Auslandserfahrungen im Volo
Lina Kokaly weit fort vom Deich - in der großen, weiten Welt - und nur das Handy zum Fotografieren dabei
Lina Kokaly
am 7. März 2013, 19:29 Uhr:
Istanbul ist groß. Und es leben wirklich viele Menschen hier: 13,7 Millionen sollen sich in der Stadt am Bosporus tummeln, wahrscheinlich sind es aber noch viel mehr. Die Infrastruktur schwächelt unter all den Großstädtern. Für einen Monat darf ich bei den Kollegen der Deutschen Presse-Agentur Eindrücke aus dem Korrespondentenleben gewinnen.
Istanbul ist die schönste Stadt Europas (und ganz sicher nicht Paris. Im Blog ist Meinungsfreude bekanntlich erlaubt.) In der Zeitung "Die Welt" erschien soeben ein Artikel darüber, wie überschätzt Istanbul doch sei. Ich habe durchaus Sinn für Polemik, dennoch muss die Kollegin wirklich mit erhobenem Nässchen durch die Straßen gelaufen sein. Sie stört sich etwa am Fischgeruch beim Besuch des Fischmarkts.
Das dpa-Büro liegt im fünften Stock, Fahrstuhlfahren soll ich auf keinen Fall, dpa steht nicht an der Tür. Das Wasser ist erst stundenlang und dann tagelang abgestellt. Die Agentur-Kollegen arbeiten viel. Von hier aus wird ein Riesenberichtsgebiet abgedeckt – viele arabische Länder sind dabei. Ich muss mir erst einmal eingestehen, dass mein Arabisch nicht ausreicht, um die Stringer-Texte zu übersetzten. Also, Wort für Wort nachschlagen, das dauert. Ich schreibe Meldungen und recherchiere auf arabischen und englischen Nachrichtenwebsites.
Der Assistent ist genauso alt wie ich und kommt aus Syrien – er ist einer der vielen Flüchtlinge in der Stadt. Zu seinem Geburtstag gibt es rosa Torte, dann müssen Nachrichten geschrieben werden. Alleine heute, an seinem Geburtstag, berichten wir über zwei Anschläge in seiner Heimatstadt. Seine ganze Familie lebt noch dort.
Später darf ich hinaus in die Straßen, arabische Touristen suchen, um herauszufinden, was die Araber nach Istanbul treibt. Das Ergebnis ist erstaunlich. Türkische Soap-Operas brechen im arabischen Fernsehen Zuschauerrekorde. Die kitschigen Settings im Harem des Topkapi-Palasts wollen in geführten Touren besucht werden. Stoff genug für eine Repoprtage. Für eine andere Reportage über die Tangoszene der Stadt interviewe ich eine junge Schönheit, die unaufgeregt Schauspielerin als ihren Beruf angibt. Ich habe lange in Berlin gewohnt und bin es daher gewöhnt, dass Leute nur drei Berufe haben: Sie sind Schauspieler, Autor oder Webdesigner. Als ich ihren Namen google, bin ich dann doch über die hohe Trefferquote erstaunt: "Die ist hier so bekannt wie in Deutschland Til Schweiger", lacht mein Mitbewohner.
Beim Auf- und Ablaufen durch Istanbuls Szenestadtteil Beyoglu macht sich schmerzlich ein Fehler bemerkbar, den ich beim Kofferpacken machte: Hohe Absätze gehen in dieser Stadt gar nicht. Es ist hügelig hier. Keine der modebwussten, wunderschönen Türkinnen trägt Highheels. Ich komme mir sehr deutsch vor, nein, ich komme mir sehr norddeutsch vor. Und lege mir warme, flache Schuhe zu.
Am Wochenende schien die Sonne, jetzt sieht es schon seit Tagen so aus, als könnte es jeden Moment losregnen. Als ich zwischen dem dringend nötigen Sicherheitspersonal, das regelt, wieviele Mitfahrer in die Züge dürfen, aus der Metro klettere, passieren zwei völlig erstaunliche Dinge. Ersteinmal fängt es innerhalb von Zehntelsekunden an, furchtbar zu regnen. Jeder Türke ist bestens präpariert und sofort mit bunten Schirmchen und praktischen Capes ausgestattet. Dann das zweite Schauspiel: Nur noch wenige hundert Meter vor meiner WG, verdunkelt ein Stromausfall die gesamte Einkaufsstraße. Dönerfleisch wird nun im Kerzenlicht angeboten. Der Muezzin ruft vom Minarett, dass Allah allmächtig ist – auf jeden Fall verließ ihn nicht der Strom.
Als ich nach Hause komme, liegt vor meiner Haustür ein anderthalb Meter langer Haifisch auf dem Bürgersteig. Der Fischhändler von nebenan fragt mich auf Türkisch, ob ich nicht ein Stück von dem Tier kaufen möchte. Jeder, der vorbeikommt, darf einmal die nasse Haut anfassen.
Crashkurs ohne Verletzte
Marcel Heberlein am 22. November 2012, 20:00 Uhr:
"Du musst das Licht ein bisschen bouncen. Wenn du kleine Sachen drehen willst, brauchst du natürlich noch ein Dedo-Light. Und CTBs und CTOs musst du mithaben. Klar, oder?" Klar.
Tatsächlich habe ich mittlerweile eine vage Vorstellung davon, was diese Sätze bedeuten - unserem Fernseh-Crashkurs in Potsdam sei Dank. Jeder von uns hat dort vier Filme gedrechselt, eine NiF, eine O-Ton Collage und zwei vollwertige Beiträge. Vier Wochen lang haben wir uns mit Einstellungsgrößen, Helligkeit und Schärfe herumgeschlagen, haben mit zitterenden Fingern im Regen gestanden oder bis zu den Knöcheln in Schweineblut.
Mal hab ich den Weissabgleich verhunzt, mal das Bild zu Tode gezoomt. Minutenlang habe ich mit 1000 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Und mich gewundert, dass es auf dem Display, trotz der vielen Lampen im Raum, so gespenstisch dunkel blieb. Aber trotz Stöhnen und Schweißausbrüchen: Alles halb so schlimm. Die meisten Fehler helfen, es nachher besser zu machen.
Sieben Monate danach ...
Ernten heute die Früchte des Volontariats: die ehemaligen Volos mit ihrem Volo-Vater.
Kan Nozawa
am 3. November 2012, 22:29 Uhr:
Lehrer sagen Schülern ja gern, dass sie erst später merken werden, was die Schule alles gebracht hat.
So ähnlich ist das mit dem Volontariat bei Radio Bremen. Deshalb darf ich als Ex-Volo bestimmt noch einmal hier ins Blog schreiben ;-)
Ja, Radio Bremen ist klein. Aber: Das ist seine Stärke. Keiner ist auf der Ersatzbank.
Nirgendwo sonst können so unterschiedliche Redaktionen per Zuruf arbeiten. Dafür muss man immer "Teamplayer" und manchmal "Kämpfer" sein. Die Mannschaften kennen und überzeugen können.
Ein halbes Jahr nach unserem Volo sind wir alle sechs noch bei Radio Bremen - und haben das Privileg: Wir kennen die Mannschaften. Alle Spieler und Trainer.
Ein Beispiel: In Bremerhaven stürzt ein Haus ein durch eine Gasexplosion. Die Situation ist verwirrend - für Polizei, Feuerwehr und Journalisten.
Die Nachrichtenredaktion wird zuerst informiert. Die Onlineredaktion braucht Bilder. Was will Bremen Eins? Wen rufe ich beim Nordwestradio und bei Bremen Vier an? Wer informiert den NDR? Und auch wenn Feiertag ist: ans Fernsehen denken!
Die Fragen kommen fast automatisch. Wenn wir die Antworten nicht wissen, wissen wir zumindest, wer sie kennt.
So entsteht redaktionsübergreifendes Denken. Neudeutsch: "Crossmedialität".
Ahoi!
Schnappschuss vom Schreibtisch
Christina Fee Moebus
am 10. Oktober 2012, 15:08 Uhr:
Diesen tollen Ausblick aus dem Regionalbüro in Bremerhaven möchte ich Euch nicht vorenthalten!
Im Zentrum der Macht
Die Radio Bremen-Stars nehmen sich Zeit für ihre Fans. Hier Volon-Tina mit Intendant Jan Metzger.
Christina Fee Moebus
am 13. September 2012, 14:09 Uhr:
So schnell kann's gehen: kaum ein halbes Jahr bei Radio Bremen, schon bin ich die Karriereleiter GANZ nach oben gestiegen. Meine derzeitige Volo-Station: Die Intendanz. Hier in der obersten Etage des Hauses Diepenau darf ich nun also ein wenig Höhenluft schnuppern. Mein Arbeitsplatz liegt direkt im Zentrum der Macht – neben dem Büro von Intendant Jan Metzger.
Im Büro, das ich kurzfristig in Beschlag genommen habe, lastet aber ein schweres Erbe auf meinen Schultern: Brigitta Nickelsen hat mir erzählt, sie habe hier vor langer Zeit ihre Karriere im Haus begonnen. Heute leitet sie die Direktion Unternehmensentwicklung und Betrieb, ist daher für Verwaltung und Programmstrategie zuständig.
Alle Zeichen stehen also auf Karriere...mal sehen, ob ich da mithalten kann. An meinem Arbeitsplatz stapeln sich die Zettelberge normalerweise nur so, es herrscht das Chaos. Bisher habe ich meine eigene Schreibtisch-Anarchie immer euphemistisch als kreatives Schaffen dargestellt. In der Intendanz, wo es viel um Organisation und gute Buchhaltung geht, fürchte ich, damit nicht weit zu kommen.
Zum Glück kann ich dann doch aufatmen: auch in der Intendanz ist journalistische Kreativität gefragt. Ich schreibe hausinterne Meldungen oder Pressemitteilungen, bereite ARD-Sitzungen vor und helfe bei der Medienanalyse mit. En passant lerne ich dabei sehr viel über Akteure, Strukturen und Prozesse der öffentlichen Anstalten, insbesondere natürlich von Radio Bremen. Welche Aufgaben zum Beispiel der Rundfunkrat hat. Oder welche Entwicklungsziele sich Radio Bremen für 2012 und 2013 setzt. Und: was sich hinter der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs verbirgt. Klingt spröde – ist es aber nicht.
Das Staunen nimmt kein Ende
Lina Kokaly
am 23. Juli 2012, 11:40 Uhr:
So sieht er also aus, der Nachrichtensprecher, den ich morgens vor der Schule immer gehört habe.
Jetzt darf ich ihm zuarbeiten.
Wir, die neuen Volontäre, waren alle schon zu hören, so richtig im Radio. Mit unserer Arbeit. Dabei begann unsere Ausbildung hier bei Radio Bremen erst vor zwei Monaten.
Das ging dann jetzt doch schnell - obwohl unser Volontariat hier mit Seminaren begann. Wochenlang: Zuhören und Ausprobieren. Großartig, da die ideale Spielwiese. Aber danach musste es ja auch mal richtig losgehen. "Hier sind wir, wir wollen bei euch mitmachen!" - im Nordwestradio, in Bremerhaven und im Funkhaus Europa. Wir sind auf die vielen unterschiedlichen Redaktionen zerstreut.
Was mich - die jetzt seit knapp drei Wochen ihre erste Station in der Nachrichtenredaktion hat - bisher am meisten überrascht: Es ist gar nicht so viel schlimmer morgens um vier aufzustehen als morgens um sieben. Die Frühschicht hat ihren Schrecken verloren.
Die Neuen sind da!
Noch wissen die neuen Volos nicht genau, wo es lang geht.
Kan Nozawa
am 2. April 2012, 20:38 Uhr:
Zwölf junge Journalisten sind heute ganz aufgeregt gewesen. Sechs von ihnen waren die neuen Volontäre. Und die anderen sechs wir Ehemaligen, die gespannt waren auf unsere Nachfolger. Sie wurden von uns als erstes begrüßt. Ehrensache.
Drei Jungs, drei Mädels mit ganz speziellen Lebensläufen. Gecastet nach Wissen, Leistung und Kreativität. Übrig geblieben aus 130 Bewerbungen.
Sie wussten beim Wissenstest, welche Ereignisse in Deutschland auf den 9. November fallen. Oder den Namen der Forschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts.
Sie waren schlagfertig vor der Auswahlkommission, wenn sie gefragt wurden, wer idealer Moderator für "Wetten, dass ...?" ist. Oder wie man am besten ein Interview mit dem Papst absagt.
Justus Wilhelm, Marcel Heberlein und Dino Bernabeo - die Jungs kennen Radio Bremen schon durch Praktikum oder freie Mitarbeit. Lina Kokaly hat die Jury mit ihrem Wissen über den Islam überzeugt. Christina Fee Moebus kommt aus Bayern und hat einen Beitrag über Frauen bei der Bundeswehr gemacht. Und Christina Schwering war früher Polizistin.
Sie werden von ihnen hören.
... ach ja, uns "Ex-Volos" werden Sie auch weiter hören und sehen. Wenn Sie schön die erfolgreichsten Sender im Land Bremen einschalten oder die ARD-Programme. Auf Wiederhören-sehen!
Last but not least: Sachsen-Anhalt Heute
SAH ist das buten un binnen in Sachsen-Anhalt
Christian Kurz
am 13. März 2012, 15:05 Uhr:
Oha! Wie konnte das passieren? Da schaut man einen Moment nicht hin und -schwups- ist das Volo schon wieder vorbei.
Die vorvorletzte Woche ist angebrochen und so langsam mischt sich doch ein bisserl Wehmut ins Tagesgeschäft. Wer kommt denn nun mit zum monatlichen Gruppenfrühstück? Wer fährt mit uns nach Zislow? Und wer ist denn jetzt für die Dienstreiseanträge zuständig?
Doch bevor so richtig Schluss ist hab ich mir noch ein kleines Schmankerl bis zum Schluss aufgehoben. In diesen Tage arbeite ich beim MDR für das Regionalmagazin Sachsen-Anhalt Heute, quasi das buten un binnen für Sachsen-Anahlt. Es ist meine zweite externe Station und auch meine letzte. Auch hier in Magdeburg sind VJs sehr gern gesehen. Und weil das so ist, mach ich jetzt mal eben Schluss.
Schüssi
p.s. Das war mein letzter Eintrag. Hiermit übergebe ich an die nächste Vologeneration.
****Eilmeldung*****
Tinia Würfel am 6. März 2012, 13:55 Uhr:
Hier eine wichtige Eilmeldung: Die sechs Radio-Bremen-Volontäre befinden sich in ihren letzten Volo-Stationen.
Unglaublich, aber wahr! Wir befinden uns auf unseren letzten Metern des Volontariats und damit immer wieder in so einem unfassbaren "Wie, schon anderthalb Jahre rum?"-Zustand. Aber drei Wochen haben wir ja noch bis zu unserem letzten Volo-Tag, deshalb ist hier jetzt noch kein Platz für Nostalgie und Wehmut.
Deswegen nun Fakten, Fakten, Fakten: Zur Zeit bin ich in der Nachrichtenredaktion. Schreibe fleißig Aufsager und Meldungen für die vier Nachrichtenformate bei Radio Bremen. Und das in der Früh-, Tag- oder Spätschicht. Außerdem schaue ich den Präsentatoren über die Schulter, wenn sie ihre Sendungen vorbereiten und on air sind. Und bin immer wieder erstaunt und fasziniert, wie gelassen sie bei diesem Zeitdruck sind. Wow!
Abendsonne beim Morgenmagazin
Abendsonne vor dem Fenster und die Moma-Planung auf dem Schreibtisch
Tinia Würfel
am 23. November 2011, 12:02 Uhr:
Vier Wochen Köln. Genauer: vier Wochen WDR. Und noch genauer: vier Wochen ARD-Morgenmagazin. Ich hatte Lust auf eine externe Station in meinem Voloplan und vor allem hatte ich Lust auf eine weitere Fernsehstation.
Und schwups, saß ich in der Redaktion vom ARD-Moma.
Planen, senden, planen, senden. Das ist so ganz grob das, was ich in den vier Wochen erlebt habe. Und im Detail heißt das: Recherchieren, telefonieren mit In- und Ausland, sichten, schneiden, früh aufstehen und auch die Abendsonne aus dem 6.Stock beobachten.
5.30 Uhr geht das Moma auf Sendung. Früh aufstehen hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt! Ich war zum Beispiel bei einer Außenschalte dabei. Live, versteht sich. An einem anderen frühen Morgen habe ich die Sendung im Studio und der Regie miterlebt. Inklusive Promifaktor: Tim Bendzko hat an dem Morgen auf der kleinsten Fernsehbühne der Welt gesungen.
Aber nicht nur das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Ob morgens, mittags oder abends - ich habe gelernt, wie man eine tagesaktuelle Sendung für das Erste plant. Im Notfall aber nachts noch einmal alles umschmeißen muss, um am kommenden Morgen wirklich die Ersten zu sein, die berichten.
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