Was unsere angehenden Redakteure erleben
Das Volo-Blog
Das Wandern ist des Volos Lust
Tinia Würfel am 4. Juli 2011, 15:41 Uhr:
Oh ja, Wandertage macht man auch noch als volljährige/r Volo. Und davon auch so einige in den 18 Monaten Ausbildung. Ob Kanzleramt und Kuppel-Lauf in Berlin oder ein Streifzug durch das Land Bremen - mit unseren Betreuern haben wir das Funkhaus das eine oder andere Mal verlassen und sind jetzt, zur Halbzeit, schon gut rumgekommen.
Ein Wandertag ist kein Wandertag, wenn er nicht einen pädagogischen Mehrwert hat - also nicht nur Halli-Galli und kollektiver Kampf um die letzte Bank im Bus, nein, nein, nein - auf unseren Ausflügen gibt's auch immer ordentlich journalistisches Input.
Im Mai haben wir uns gemeinsam mit den Volontären des Weserkuriers, mit dem Radio Bremen seit Beginn unseres Volontariats kooperiert, in den Zug Richtung Hannover gesetzt, um den niedersächsischen Landtag zu erkunden und das eine oder andere Hintergrundgespräch mit Abgeordneten, dem Landtagspräsidenten und dem Ministerpräsidenten McAllister zu führen.
Ganz schön eifrig waren wir, der Haufen Jung-Journalist/Innen: Vor allem mit McAllister haben wir lange diskutiert. Es ging um unterhaltsames wie Müsli-Riegel als Grundnahrungsmittel, aber auch um ernsthaftes wie seine Pläne, die Tierzucht in Niedersachsen strenger zu reglementieren.
Und wir werden weiter wandern in den kommenden Monaten: Auf unserer Wanderroute werden wir bei der Tagesschau in Hamburg hinter die Kulissen schauen (über die Erinnerungsfotos vor der Kulisse müssen wir noch mal reden!), "Bonjour Bruxelles" sagen und naja, den Bremer Freimarkt, wie im vergangenen Jahr durchqueren - mit pädagogischem Mehrwert versteht sich!
Der untypische Tag im ARD-Hauptstadtstudio
Mittag(skonferenz)
Kan Nozawa
am 2. Juli 2011, 20:36 Uhr:
9.15 Uhr
Frühkonferenz. Redaktionsleiterin Bettina Freitag hat Rhabarber- und Pflaumenkuchen mitgebracht. Meine Volokollegen steuern Muffins und Gummibärchen bei. Auf der politischen Tagesordnung: der Verfassungsschutzbericht. Die Sender haben keine besonderen Wünsche. Das scheint ein entspannter Tag zu werden.
10.15 Uhr
Ich gieße die zweite Kanne mit Darjeeling auf und lasse ihn drei Minuten ziehen.
12.05 Uhr
Mittagskonferenz. Es gibt Sushi. Wir suchen eine Schere für die Sojasoßenverpackungen. "Nächstes Mal bringe ich ne Flasche Soße mit", sagt die Redaktionsassistentin.
14.20 Uhr
Ich gieße die vierte Teekanne mit Earl Grey auf und lasse ihn fünf Minuten ziehen.
19.40 Uhr
Sommerfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue. Ich fange an mit gedünstetem Lachs in Majoransoße, gefolgt von einer deutschen Tapasplatte und zwei Miniwürstchen im Brot.
20.10 Uhr
Als Süßspeise nehme ich zuerst Kaiserschmarrn mit Honig, dann Erdbeerstrudel mit Vanielleschmand aus Tirol.
20.25 Uhr
Zur Abrundung gibt es Käsedessert, sechs Schokopralinen, gekelterte Apfelschorle, Eis.
22.15 Uhr
Ich habe inzwischen mit Frank-Walter Steinmeier, Cherno Jobatey, Friedrich Küppersbusch, Krista Sager, Wolfgang Thierse, Franz Müntefering, Ingolf Lück und Jürgen Trittin gesprochen.
23.40 Uhr
Fischplatte in Honigsenfsoße.
01.10 Uhr
Bundespräsident Wulff kommt mir entgegen: "Gibt's denn noch was zu Essen?" - "Tut mir leid, alles weg." Ich nehme noch einen Schluck Tee.
Sommerfest des Bundespräsidenten
Kommentar # 1,
Krissi, 4. Juli 2011, 16:13 Uhr:
Wie ist denn der Ingolf Lück so?
Ein bisschen Schweiz in Nürnberg
Niko Schleicher am 30. Juni 2011, 20:40 Uhr:
Dieser Radiokurs ist was Besonderes. Nicht, weil es ihn nur ein Mal im Jahr für zwei Wochen gibt, er intensiv heißt, sich auch so anfühlt und dazu vom Bayerischen Rundfunk veranstaltet wird (die in jedem Jahr Plätze für Volos von Radio Bremen haben). Nein, es ist dieser Mix aus jungen Journalisten, der sich in der gemütlichen Bratwurst-Stadt Nürnberg (ach ja: Nürnberg is(s)t nicht nur Bratwurst) trifft, und von dem erwartet wird, dass er doch bitte ganz selbstverständlich fünf Tage lang jeweils eine vierstündige Sendung produziert - das alles heißt dann Stadtradio Nürnberg.
Es wird kein Druck gemacht von den lieben Trainern, nein, es wird, wie es wohl für dieses Völkchen typisch ist (Franken sind Franken, keine Bayern, wobei da ja noch zwischen oben, unten und in der Mitte unterschieden wird, aber das würde zu weit führen, somit klar als Untervölkchen des Bayernvolkes zu verstehen), einfach gesagt: Des passt scho! Ja, so sind sie hier. Nicht bloß die Trainer - ganz Nürnberg. Es läuft gemütlich ab, so als hätte sich die gesamte Stadt dazu verpflichtet, autogenes Training nicht nur perfekt zu beherrschen, sondern täglich auszuüben - auch auf der Straße.
Dagegen wirken sogar die beiden Schweizer in unserer 32-Mann-und-Frau-Truppe fast schon hektisch, aber eben auch nur fast. Die zwei kommen aber so gut an, dass ihnen eine eigene Rubrik gewidmet wird: Fränkische Schweiz - eine Wortspielerei. Sie erklären Begriffe aus dem Schweizer Deutsch und übersetzen diese ins Fränkische. Für einen Norddeutschen wie mich ist das wie dieser berühmte Bahnhof. Und doch habe ich schon was von ihnen gelernt. Anders als wir Deutschen, sorgen die Schweizer sich nicht etwa um die Invasion der Anglizismen in ihren Wortschatz - nein, sie sorgen sich vielmehr um die Germanismen - kein Scherz. Der redigierende Redakteur sagt nicht etwa: Anglizismus, musst du streichen, sondern: Hier, Germanismus, raus damit. Ein Beispiel? Gerne (und es macht die Schweizer nur noch putziger): Die Jugendlichen grillen im Park - das geht so in der Schweiz nicht. Grillieren muss es heißen. Parken ist parkieren. Atmen ist schnufen. Naja, und Schokolade - das kennen ja sogar wir in Bremen. Schoggi!
Eine Bratwurst habe ich übrigens noch nicht gegessen. Das steht aber noch fest im Plan, genau wie eine Stunde moderieren, ein paar Beiträge, und vielleicht winkt mir noch eine kleine Sprechrolle beim Hörspiel. Viel zu tun, mir gefällt's.
P.s: Ein Bild gibt's, wenn ich zurück bin.
Der typische Tag im ARD-Hauptstadtstudio
NDR-Kollegin Katharina vor dem Schnittrechner
Kan Nozawa
am 30. Juni 2011, 19:55 Uhr:
9.15 Uhr
Frühkonferenz. Auf der Tagesordnung im Bundestag: die Atomausstiegs-Debatte. Die Sender haben keine besonderen Wünsche. Das scheint ein entspannter Tag zu werden. Eine gute Gelegenheit, um heute mal das Aufnahmegerät zu testen.
10.03 Uhr
Auf der Pressetribüne des Bundestages: Ich stöpsel das Gerät an den Steckanschluss an. Zur Probe nehme ich Renate Künast auf. Sie steht unten am Rednerpult: "Ich bin heute stolz, auch ein bisschen gerührt, was eine Bewegung, die diskriminiert, auch kriminalisiert wurde, alles geschafft hat."
10.14 Uhr
Handyanruf. Der Saarländische Rundfunk will doch etwas haben. Eine Reportage, wie die Bundestagsabgeordneten aus dem Saarland die Debatte empfunden haben.
10.19 Uhr
Wer von den Parlamentsleuten kommt überhaupt aus dem Saarland? Mit dem Smartphone schaue ich auf der Internetseite des Bundestages nach: Peter Altmaier von der CDU. Der verlässt gerade den Plenarsaal. Ich renne nach unten.
10.26 Uhr
Wo ist Altmaier? Ich tippe auf die Bundestagscafeteria. Ja, tatsächlich. Er hat gerade Würstchen mit Kartoffelsalat bestellt. Ich warte.
10.48 Uhr
"Haben Sie kurz Zeit für drei Töne?" Peter Altmaier wischt sich mit der Serviette die Senfreste vom Mund. "Ja, Moment, ich kau eben zu Ende."
10.57 Uhr
Altmaier allein reicht nicht für drei Minuten. Ich laufe zurück ins Hauptstadtstudio. Anruf beim Bundestagsbüro von Markus Tressel, einziger grüner Abgeordneter aus dem Saarland. Ich verabrede mich mit ihm für 12.15 Uhr: "Am besten unten im Plenarbereich linker Flügel, wo die Kameras stehen".
11.03 Uhr
SMS von der Redaktion: "Lieber Kan, die Reportage müsste bis 16.15 Uhr fertig sein."
12.15 Uhr
Die Abstimmung zum Atomausstieg läuft. Markus Tressel hat jetzt keine Zeit für Journalistenfragen.
12.45 Uhr
Die Abstimmung läuft immer noch. Das dauert aber ...
13.02 Uhr
Der Atomausstieg ist unter Dach und Fach. 513 Ja-Stimmen, 79 Nein. Das Foto von Markus Tressel schaue ich mir auf dem Smartphone noch einmal genau an. Denn jetzt läuft eine Schar von Abgeordneten an mir vorbei. "Stop, Herr Tressel, sind Sie's?"
13.10 Uhr
Zurück in der Redaktion. Ich lade die Töne ins Schnittsystem. Außerdem hole ich mir aus dem Archiv die Statements von Röttgen und Künast von der Debatte am Morgen.
14.03 Uhr
Ich stelle fest: Ich brauche noch einen Abgeordneten aus dem Saarland. Anruf im Büro von Ottmar Schreiner (SPD): "Tut mir leid, ich hab ihn nicht mehr gekriegt", sagt der Büroleiter. Anruf im Büro von Oliver Luksic (FDP): "Rufen Sie ihn mal mobil an ab 15.15 Uhr."
15.13 Uhr
"Warten Sie mal kurz", sagt Oliver Luksic am Handy, "ich geh aus dem Saal." Tatsächlich hole ich gerade einen Bundestagsabgeordneten aus der laufenden Debatte heraus.
15.21 Uhr
Ich stehe vor dem Bundestag, habe aber den Bundestagsausweis vergessen und komme nicht rein. Also zurück ins ARD Hauptstadtstudio, Ausweis holen. Dann wieder zur Sicherheitsschleuse des Bundestags, vorbei an den Besuchertruppen. Es wird extrem knapp, wenn der Beitrag um 16.15 Uhr fertig sein soll.
15.34 Uhr
"Danke, das reicht auch schon", sage ich. Oliver Luksic hat gerade einmal drei Sätze auf meine Frage "Wie haben Sie die Debatte empfunden?" geantwortet. "Ach, und inhaltlich darf ich nichts mehr sagen?"
15.47 Uhr
Ich renne wieder ins Studio. Die Redaktionsassistentin fragt beim Saarländischen Rundfunk nach. Die Sendezeit wird verschoben auf 16.35 Uhr.
16.12 Uhr
Ich spreche den Text ein. Das Schnittprogramm stürzt ab. Alles noch einmal neu.
16.27 Uhr
Wir spielen den Beitrag rüber nach Saarbrücken. "Hat doch gut geklappt", sagt die Redaktionsleiterin, "sogar noch sieben Minuten früher."
ARD Hauptstadtstudio
Politiker auf der Gastbühne
Kan Nozawa
am 29. Juni 2011, 21:14 Uhr:
"Wir haben in zwei Punkten Effizienzsteigerungen erwirkt." - So ein Satz kann nur von einem Politiker stammen. In diesem Fall von Innenminister Friedrich auf der Bundespressekonferenz. Er sitzt neben Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und verkündet, "dass wir uns bei den Antiterrorgesetzen verständigt haben." Und mit "Effizienzsteigerungen" meint er, dass zwei Gesetze verschärft wurden.
Um 9.53 Uhr kam die Faxeinladung zu diesem Pressetermin, der schon eine halbe Stunde später stattfand. Es ist ein großes Plus, dass das ARD Hauptstadtstudio nur fünf Minuten von der Bundespressekonferenz entfernt ist. So gehören ARD-Korrespondentin Kerstin Lohse und ich zu den wenigen Journalisten, die persönlich aufschlagen.
Zur Bundespressekonferenz lädt nicht etwa die Regierung ein, sondern ein Verein. Diesem Verein gehören 900 Parlamentskorrespondenten an, die über Mitgliedsbeiträge solche Pressekonferenzen finanzieren. Herr über die Veranstaltungen sind also die Journalisten selbst, und Politiker sind ihre Gäste.
Die klassische Arbeitsteilung ist es, dass Politiker Dinge verklausulieren und Journalisten diese nicht glauben. Als Innenminister Friedrich die Einigung einen "ganz normalen Vorgang" nennt, schüttelen die Journalisten den Kopf. "Wer's glaubt wird selig", ruft einer neben mir. Schließlich hatte sich die Regierungskoalition monatelang gestritten.
Auf dem Weg zurück ins Hauptstadtstudio ist uns klar: Mit der Pressekonferenz - eiligst einberufen vor der Sommerpause - wollte die Koalition ein Zeichen setzen. Ein Zeichen der Handlungsfähigkeit.
11.40 HR info, 11.50 SR, 12.10 Inforadio vom RBB, 12.20 Nordwestradio. Die Sender wollen nun Live-Gespräche und Kommentare mit ARD-Korrespondentin Lohse im 10-Minuten-Takt. Und das Hauptstadtstudio ist deren Dienstleister.
Ich kann ihr zumindest die "Nachrichtenminute" abnehmen. Der Aufsager wird gleich an alle ARD-Sender geschickt - große Wirkung mit wenig Aufwand.
Bundespressekonferenz
Super VJ-Training in Potsdam
Sarah Kumpf am 24. Juni 2011, 15:42 Uhr:
Der erste Ausbildungsblock an der EMS in Potsdam ist das VJ-Training. Vier Wochen hatten wir, um unsere VJ-Talente zu entdecken bzw. weiterzuentwickeln. Der Kurs ist so konzipiert, dass auch absolut blutige Fernsehanfängerinnen und –anfänger am Ende alleine ihren eigenen Film drehen, schneiden, texten und vertonen können. In unserer Volo-Gruppe waren die Wissensstände sehr unterschiedlich. Spaß gemacht hat's trotzdem allen und herausgekommen sind 19 Filme, auf die wir (großteils) mächtig stolz sind.
Los ging's in der ersten Woche mit Gruppenarbeit. Jeweils zu zweit suchten wir uns ein Thema und setzten es als O-Ton-Film um. Eigenen Text gab's also noch nicht, die Bilder mussten für sich sprechen. Eine gute Übung für die Hörfunker unter uns, die sich erstmal mit den Möglichkeiten des Bewegtbilds anfreunden mussten. Die Themen der ersten Runde waren ein Torten- und Marzipankünstler, ein Sushi-Virtuose und eine exklusive Schuhdesignerin.
Mit den Erfahrungen des ersten Drehs ging's in der zweiten Woche weiter mit dem ersten vertonten Beitrag. Unsere Themen der zweiten Runde: "Wie duftet Berlin?", ein Tag in einer Hunde-Tagesstätte und eine junge Berliner Modedesignerin.
Der erste Dreh allein war dann eine NiF (Nachricht im Film). Bepackt mit Kamera und Stativ wurschtelten wir uns zum ersten Mal allein durch einen Dreh – mit Erfolg. Als kleine Übung für unseren ersten richtigen eigenen Film, absolut die richtige Vorbereitung. Der Schrecken war genommen, die Ausrüstung allerdings blieb schwer. In den vierten und letzten Dreh steckten wir dann noch einmal richtig Herzblut. Im Fokus dieses Mal: ein Friseursalon mit Bar, eine Dildo-Künstlerin, ein Geräuschemacher, ein Gitarrenbauer, eine Fahrradwerkstatt und ein Tag im Waschsalon.
Fazit: Vier volle, tolle Wochen mit hervorragenden Trainerinnen und einer Menge Spaß. Allein dafür lohnt sich das Volo bei Radio Bremen fast schon. Bei buten un binnen konnten einige von uns ihr neues Wissen schon anwenden. Hier gibt's allerdings manchmal noch ein paar Probleme damit, den VJ-Film ins System zu bringen. Aber daran arbeiten wir.
Der Sender im Sender
Die schönste Kuh Deutschlands (rechts).
Kan Nozawa
am 23. Juni 2011, 21:48 Uhr:
Bremen Vier sei die Chance, "quick and dirty" Radio zu machen, sagte Wortchefin Eva Linke mir einmal. Dass es "quick" zugeht, das merkt man sofort, wenn man um 10 Uhr auf der Bremen-Vier-Fläche in der vierten Etage ist. Der Mensch, der ein Stockwerk tiefer beim Nordwestradio "Redakteur vom Dienst" genannt wird, heißt bei Bremen Vier "Layouter". Und die "Layouterin" des Tages, Imke Gloyer, trommelt ihren Bienenschwarm in die "Lounge" zusammen. Dort sitzen die Redakteure der Sendungen, der Musik, der News und von Online auf Hockern und Polstersitzen.
Wie wär's mit ner Umfrage: Was essen die Hörer zum Mittag?", schlage ich vor. Ehec ist eines der Topthemen der Woche. Der Vorschlag ist gekauft für die Morgenshow – so schnell geht das. Außerdem beginnt am nächsten Tag die Matjes-Saison. Bremen-Vier-Reporter Martin Neuhaus organisiert Heringe für Moderator Jens-Uwe Krause. Und er bringt noch Gutscheine für frische Matjes mit. Zum Verlosen am nächsten Morgen?
"Lass uns nochmal in uns gehen", heißt es am nächsten Tag um kurz nach 7 Uhr. Während die Morgenshow schon seit zwei Stunden läuft, wägen wir immer noch das Für-und-Wider ab: Kann man eine Höreraktion starten und dazu aufrufen, Gurken/Salatblätter/Sprossen aus dem heimischen Kühlschrank gegen einen Matjesgutschein zu tauschen? Sozusagen "Tausche Ehec gegen Matjes"? Schon eine originelle Idee – aber wir entscheiden uns dagegen. Bei den ernsten Ehec-Krankheitsfällen wäre das nicht angemessen – so "dirty" geht es bei einer öffentlich-rechtlichen Popwelle eben doch nicht zu.
Es ist ein bisschen "Sender im Sender", so hat Programmchef Helge Haas uns Bremen Vier zu Beginn des Volos beschrieben. Nach einer Woche bei Bremen Vier weiß ich, was er meint. Zum Beispiel die Reportagen: Da dreht Bremen Vier gern sein "eigenes Ding".
Es ist der Tag der Entscheidung bei "Germany's Next Top-Model" und gleichzeitig kürt der Bauernverband in Oldenburg die schönste Kuh Deutschlands. Ich fahre mit Reporter Freddy Radeke und dem "Live-Mobil" in die Weser-Ems-Halle. Das Live-Mobil ist ein Auto mit allerlei Technik auf dem Beifahrerplatz. Per Satellit ist sogar eine Live-Schalte möglich – für die vorproduzierte Reportage reicht aber das Notebook mit UMTS-Karte. Nach dem Schaulaufen von Germany's Top-Kühen schneidet Freddy seine Töne im Wagen zusammen: "Sie muss gute Beine haben, sie muss gut ausbalanciert sein, sie muss ein gut gelagertes Becken haben und prall gefüllte Euter", sagt zum Beispiel der Chef des Landwirtschaftsverbands. Kuh Krista gewinnt den Titel.
In einer Stunde steht schon der nächste Termin an. Wir sind gut in der Zeit. Wenn – ja, wenn das Auto anspringen würde. Die Batterie ist leer. Hilfe gibt's von einem Zeitungskollegen: "Ich hab schon abgesetzt und kann schnell Kabel holen." Soll heißen: Er hat seinen fertigen Zeitungsartikel an die Redaktion geschickt und kann uns jetzt netterweise helfen. Reporterkollegen untereinander sind spontan und hilfsbereit. Schließlich ist der Alltag wie eine Wundertüte und stressig genug. So tickt auch Bremen Vier: "quick and dirty".
45 Minuten authentisch bleiben
Kan Nozawa am 23. Juni 2011, 21:37 Uhr:
An Prüfungen erinnert man sich wohl ein Leben lang zurück: Vor den schriftlichen Abi-Klausuren habe ich Wochen gelernt, aber am Tag zuvor nur zehn Minuten geschlafen. Bei der mündlichen Prüfung fürs Uni-Examen hatte ich eine Rachenentzündung und konnte kaum sprechen. Wenn ich an das Bewerbungsgespräch bei Radio Bremen zurück denke, dann sind mir vor allem Lachsalven in Erinnerung.
Ich füllte den Bogen mit den Wissensfragen im Konferenzraum mit Weserblick aus. Vom Raum nebenan drangen regelmäßig die besagten Lachsalven durch. Dort saß gerade ein anderer Bewerber (oder eine Bewerberin? Ich habe ihn/sie leider nicht gesehen) vor einem Dutzend Radio-Bremen-Führungskräften. 45 Minuten lang. "Das geht ja lustig zu bei der Auswahlkommission", denke ich mir.
So lustig ist es geblieben. Wenn man es genau nimmt, hat unser erster Ausbildungstag am Abend zuvor begonnen. Die ehemaligen Volontäre (unsere Vorgänger) haben uns zu ihrer Abschlussfeier eingeladen, und dort haben wir sechs neuen Volos uns auch das erste Mal kennen gelernt. Ja, eine bunte Familie, das ist Radio Bremen. So wie wir Volos: unterschiedliche Typen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen. Drei Mädels, drei Jungs. Darunter ein VJ-Profi, eine Online-Frau, ein HSV-Fan.
Natürlich waren wir alle neugierig, warum ausgerechnet wir ausgewählt wurden. "Im Endeffekt war es Klarheit", sagte unser Volobeauftragter, "wenn ich den oder die nehme, dann weiß ich, ich bekomme das oder das."
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