Fotos vom Bremer Fernsehpreis 2015 [Quelle: Radio Bremen, Bahlo]
Bremer Fernsehpreis 2015

Alle Preisträger bei der Verleihung des Bremer Fernsehpreises 2015 im Eventstudio von Radio Bremen.

Die ausgezeichneten Beiträge zum Anschauen

Leistungen und Innovationen im Regionalfernsehen

Preisverleihung bei Radio Bremen: Am 20. November 2015 kürte die Jury des Bremer Fernsehpreises fünf Beiträge und sprach zwei Ehrende Anerkennungen aus. Wer hat die Auszeichnungen bekommen? Hier gibt es die Beiträge noch einmal zum Anschauen.

Fotos vom Bremer Fernsehpreis 2015 [Quelle: Radio Bremen, Bahlo]
Die Jury 2015: Hans Helmich, Birgitta Weber, Ilka Eßmüller, Frank Plasberg und Andreas Jölli (von links). [Quelle: Radio Bremen, Bahlo] [Quelle: Radio Bremen, Bahlo]

Auch in diesem Jahr hatte es die Jury des Bremer Fernsehpreises nicht leicht: Vor allem in der Kategorie "Worauf wir besonders stolz sind" reichten besonders viele Redaktionen aus ganz Deutschland Beiträge ein. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Jury-Vorsitzenden, dem bekannten Fernsehmoderator Frank Plasberg ("hart aber fair").

Hier gibt es die ausgezeichneten Einreichungen noch einmal zum Anschauen:

Kategorie "Die beste Sendung":

Fernsehpreis für den Sachsenspiegel (MDR)

Der MDR hat den Bremer Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Sendung" im deutschsprachigen Regionalfernsehen bekommen. Die Redaktion bekam die Auszeichnung am Freitagabend von der Jury für die Sendung über Pegida und den Begriff "Lügenpresse" (Sendung vom 13. Januar 2015) verliehen.

Das sagt die Jury:

Lügenpresse – wohl kaum ein Wort hat Journalisten so in ihrem Selbstverständnis in Frage gestellt wie dieser Begriff. Gerade Reporterinnen und Reporter, die regelmäßig von Pegida und Co. berichten, bekommen ihn wütend entgegengeschleudert. Da fällt es schwer, kühlen Kopf zu bewahren. Genau das ist in hervorragender Weise der Redaktion des Sachsenspiegel gelungen. Ein Pfund dabei: der Moderator Tino Böttcher.

Unaufgeregt, klar und sympathisch gelingt es ihm, der Sendung Struktur und Halt zu geben. Ein weiteres Pfund: die Autorinnen und Autoren: sie widerstehen der Versuchung, larmoyant oder betroffen über die Anfeindungen und Hassmails zu berichten: Mutig ist das.

Das dritte Pfund: die Planung. Der Schwerpunkt über Lügenpresse ist klar strukturiert. Die Idee, Frauen mit Kopftuch in Dresden ein Gesicht und Stimme zu geben, ist stark, auch die anderen Beiträge bestechen durch klare Erzählstruktur und Ideenreichtum. Der Sachsenspiegel ist eine starke Teamleistung.

Ehrende Anerkennung für buten un binnen (Radio Bremen)

Für das Bremer Regionalmagazin buten un binnen gab es eine ehrende Anerkennung in der Kategorie "Beste Sendung". Die Jury um Frank Plasberg ehrt damit eine souveräne Produktion mit "außergewöhnlichen Erzählideen", die am 11. Mai 2015 unter hohem Stress entstanden ist: Sechs Stunden vor der Sendung trat Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) zurück.

Das sagt die Jury:

Wenn der Bürgermeister rund sechs Stunden vor einer Sendung zurücktritt, dann schnellt das Adrenalin der Journalisten in die Höhe. Eine Redaktion muss sich organisieren: Was muss der Zuschauer heute Abend wissen? buten un binnen hat den Wettlauf mit der Zeit glänzend bestanden und präsentiert eine Sendung, die keine Fragen offen lässt.

Das liegt an einem Moderator, der einen ereignisreichen Tag unaufgeregt Revue passieren lässt, aber auch an einem landespolitischen Korrespondenten, der ganz nah an den Entscheidungsträgern zu sein scheint. Dass die Autoren nicht nur Beiträge von der Stange produzieren, sondern außergewöhnliche Erzählideen entwickeln, ist besonders beeindruckend. buten un binnen stellt seine außergewöhnliche Regionalkompetenz unter Beweis, denn ohne die, wäre ein so souveräner Auftritt kaum möglich.          

Kategorie "Bester Moderator"

Fernsehpreis für Sascha Hingst (rbb)

In den Augen der Juroren ist Sascha Hingst (rbb) der beste Moderator. Er konnte die Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen, weil er zurzeit mit seiner Familie im Urlaub ist. Sascha Hingst wurde jedoch während der Veranstaltung live via Skype ins Event-Studio geschaltet.

Das sagt die Jury:

Abends 19.30 Uhr – das ist eine Zeit, in der man nicht jeden gerne in sein Wohnzimmer lässt. Den Moderator, den wir gleich auszeichnen, jedoch schon. Bereits der erste Eindruck ist rundum positiv. Sympathisch und souverän wird der Zuschauer an die Hand genommen, mit einer klaren Sprache und guten Leadsätzen erklärt er ihm die kleine und die große Welt.

Dabei gelingt es dem Moderator, auch beim Interview zum Iran hartnäckig, aber verbindlich zu bleiben. Und Absurditäten der Hauptstadt präsentiert er mit einem Schalk in den Augen. Deshalb lässt auch die Jury Sascha Hingst gerne in die Wohnzimmer und zeichnet ihn mit dem Moderatorenpreis aus.

Ehrende Anerkennung für Reporterin Astrid Houben (WDR)

Bekanntlich würdigt die Jury des Bremer Fernsehpreises auch mal Leistungen außerhalb der Kategorien wie die Arbeit der WDR-Reporterin Astrid Houben. Im März 2015 berichtete sie mehrfach live nach Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen aus Haltern, wo viele Bürger um ihre Angehörigen trauerten.

Das sagt die Jury:

Darf eine Journalistin Gefühle zeigen?  WDR-Reporterin Astrid Houben, die beim Germanwings-Unglück im März 2015 aus Haltern berichtet – jenem Ort, in dem viele Bürger um ihre Angehörigen trauern, verbindet bei ihren zahlreichen Auftritten das eigene Angefasstsein mit Haltung. Houben versucht, sich in die Menschen zu versetzen, sie erzählt deren Geschichten und versucht so, das Unfassbare fassbar zu machen.

Dabei findet sie über mehrere Tage immer die richtigen Worte und lässt den Zuschauer erahnen, was die Stadt durchmacht. Die Reporterin steht für Regionalfernsehen im besten Sinne. Sie lässt die Zuschauer im Land nicht allein mit der Tragödie. Nordrhein-Westfalen trauert mit – auch Dank der Empathie von Astrid Houben.

Kategorie "Bester Beitrag"

Fernsehpreis für "Bürokratenposse" (MDR)

Mit der "Bürokratenposse" gewann eine Reportage der "MDR um 4"-Redaktion den Titel als bester Einzelbeitrag. In der Kategorie werden Filme ausgezeichnet, die an einem Tag entstanden sind – für Reporter beim Regionalfernsehen nicht selten Alltag. In dem ausgezeichneten Beitrag von Stefan Ganß geht es um ein fehlendes Prüfzeichen auf einem reflektierenden Klebeband – ein Skandal aus Sicht der sächsischen Bürokraten, weshalb das neue Einsatzfahrzeug nicht vom Hof der Wache fahren darf.

Das sagt die Jury:

Im Grunde genommen müsste sich der MDR den Preis für den besten Beitrag mit den Beamten des sächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr teilen. Die liefern die Vorlage für einen kleinen Film über ein offenbar großes bürokratisches Problem: Bei der Feuerwehr im vogtländischen Auerbach  fehlt das Prüfzeichen auf dem reflektierenden Klebeband! Ein Skandal in den Augen sächsischer Bürokraten!

Autor Stefan Ganß erzählt auf liebevoll-ironische Weise von einem Problem, das keines ist, an dem sich aber die armen Auerbacher Feuerwehrmänner abarbeiten müssen. Dabei nutzen er und sein Kameramann alle Mittel, die  Fernsehmachern zur Verfügung stehen. Dazu gehört auch der perfekte Einsatz von Musik, der die Bürokratenmentalität hörbar macht.          

Kategorie "Worauf wir besonders stolz sind"

Schon die Vorjury tat sich bei der Auswahl schwer, weil so viele gute Beiträge in der Kategorie eingereicht wurden. Sie nominierte acht Einreichungen, sodass auch die Jury des Bremer Fernsehpreises die Qual der Wahl hatte. Am Ende konnte sie sich nicht entscheiden und kürte zwei herausragende Beiträge mit dem Bremer Fernsehpreis. "Ich kann nur empfehlen, sich alle nominierten Beiträge einmal anzuschauen", sagte Jury-Vorsitzender Frank Plasberg.

Preisträger "Skandal bei der Bundespolizei" (NDR)

Der eine Preis in der Kategorie ging an "Hallo Niedersachsen" (NDR Hannover). Das Regionalmagazin konnte mit seiner großartigen Rechercheleistung über sadistische Praktiken bei der Bundespolizei in Hannover gegenüber Flüchtlingen überzeugen.

Das sagt die Jury:

Sie flüchteten vor Gewalt und Willkür nach Deutschland - und wurden hier mit Gewalt und Willkür empfangen. Sadistische Praktiken bei der Bundespolizei in Hannover gegenüber Flüchtlingen - akribisch belegt durch Fotos und Aussagen von Informanten. Aufgedeckt hat diesen Skandal nicht etwa Monitor oder Panorama , sondern ein Team von "Hallo Niedersachsen" und "NDR Info". Ihm gelang es, die Mauer des Schweigens bei der Polizei zu durchbrechen. Die monatelange Recherche von Angelika Henkel und Stefan Schölermann macht bundesweit Schlagzeilen. Sie zeigt: auch in Landesfunkhäusern ist investigatives Arbeiten möglich.

Preisträger "Demografie hautnah – Expedition Zukunft" (MDR)

Der demografische Wandel ist immer wieder Thema, aber selten kommt dabei eine so gelungene Reportage wie die der Redaktion des Magazins "Sachsen-Anhalt heute" heraus.

Das sagt die Jury:

Sachsen-Anhalt hat ein demografisches Problem. Das klingt erstmal nicht so sexy für einen Journalisten. Das klingt nach Zahlen, Daten, Statements. Reporter Stefan Bernschein und die Redaktion von „Sachsen-Anhalt heute“ lassen die Zuschauer miterleben, was die Abwanderung von Menschen aus ihrer Heimat konkret bedeutet – vor allem für die, die bleiben. Bernschein fährt durchs Land, quartiert sich bei den Menschen ein, stellt Fragen, zeigt ihren Alltag. Die Redaktion benennt die Probleme eines Landes, ohne dessen Stärken zu verschweigen. Mehr noch: Sie zeigt, welche Lösungen es geben könnte, macht den Menschen Mut. Begeistert war die Jury auch von der optischen Umsetzung: Besonders die Kameraarbeit und der Einsatz von Grafik machen die Serie zu einem emotionalen und informativen Erlebnis.

Mehr zur Verleihung am 20. November in Bremen: