Der Bremer Fernsehpreis 2017. [Quelle: Radio Bremen]
Preisverleihung

Die Gewinner des Bremer Fernsehpreises 2017

Welche Einreichungen haben die Jury in diesem Jahr überzeugt? Hier finden Sie alle Gewinner des Bremer Fernsehpreises 2017.

Bester Beitrag: "Dildokreuz an St. Stephani (buten un binnen, Radio Bremen)

So begründet die Jury ihre Entscheidung: Ein Dildo am Kirchturm, klingt, als ließe sich das leicht umsetzen. Doch wie schnell kann eine solche Geschichte ins Schlüpfrige abgleiten. Genau das passiert jedoch nicht. Autorin Anke Plautz gelingt die sprachliche Gratwanderung mit Bravour. Mit viel Wortwitz und Sinn für Menschen und Situationen entwickelt sie ein humorvolles feuilletonistisches Kleinod. Auch dank des gekonnten Musik- und Stimmeinsatzes entsteht so ein rundum gut komponierter Beitrag, den die Jury für absolut preiswürdig hält.

Dildokreuz an der St. Stephanikirche in Bremen [Quelle: Radio Bremen]
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Bester Beitrag: "Dildokreuz an St. Stephani" (buten un binnen / Radio Bremen)

Beste Sendung: Hallo Niedersachsen (NDR Hannover)

Das sagt die Jury: Wenn weite Teile eines Bundeslandes unter Wasser stehen, kann man als Journalist in der Zentrale leicht den Überblick verlieren: Wo herrscht Katastrophenstimmung, wo entspannt sich die Lage? Die Redaktion von "Hallo Niedersachsen" behält den Überblick, nimmt die Zuschauer an die Hand und unternimmt mit ihnen eine 30 Minuten lange Reise durch die Regionen: souverän, nie alarmistisch! Und immer gut informiert, was mit dem Einsatz eindrucksvoller Infografiken unter Beweis gestellt wird. Besonderes Lob verdienen die Reporter, die nie sich selbst, sondern das Geschehen und die vielen verzweifelten Menschen in den Vordergrund stellen.

Szene aus dem Studio des Regionalmagazins Hallo Niedersachsen [Quelle: Radio Bremen]
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Beste Sendung: "Hallo Niedersachsen – Hochwasser-Sendung" (NDR)

Beste Moderation: Anne Willmes (WDR Essen)

Ob ein Moderator gestählt ist, zeigt sich in brenzligen Situationen. Zum Beispiel wenn ein Volksfest fast ins Wasser fällt. Anne Willmes behält nicht nur die Nerven, wenn der Sendeablauf über den Haufen geschmissen wird, sondern bleibt so charmant, wie ihre Zuschauer sie kennen. Denn meist steht sie im trockenen Lokalzeitung-Studio in Essen. Was sie da veranstaltet, ist große Kunst: Wie sie dem Zuschauer klarmacht, dass drei kauzige Vogelkundler, die einem Feldsperling nachstellen, die mitreißendste Sache der Welt sind! Mit ihrer klaren ungekünstelten Sprache macht sie den Zuschauer neugierig auf alles, was in seiner Nachbarschaft passiert. Eine Moderatorin so auf Augenhöhe mit ihren Zuschauern – das sieht man selten.

Lokalzeit-Moderatorin Anne Willmes steht im Stadion Rote Erde in Dortmund auf dem Gelände der Ruhr Games [Quelle: Radio Bremen]
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Beste Moderatorin: "Anne Willmes" (WDR)

Beste Recherche: Gewinner 1: Anis Amri (Abendschau, RBB)

So lautet die Begründung der Jury: Sie haben sich dem Wettlauf um die neueste Information rund um Anis Amri gestellt. Seit dem Attentat auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, schaute nicht nur ganz Deutschland auf die Hauptstadt und ihre merkwürdigen Ermittler. Und immer, wenn man dachte, stümperhafter kann es kaum noch sein, legten die RBB-Autoren Norbert Sigmund, Joachim Goll und Thorsten Mandalka noch einmal nach. Neue Fakten über Schlamperei werden nachvollziehbar aufbereitet. Reporterglück? Nein! Investigativen Journalismus in dieser Dichte gibt es nur, wenn Redakteure Experten sind, sich im ganzen Sender zusammenschließen und einen guten Draht zu Informanten haben. Die Abendschau-Redaktion ist offenbar gut organisiert - zur Nachahmung empfohlen!

Akten mit der Aufschrift Personagramm zur Person Anis Amri [Quelle: Radio Bremen]
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Beste Recherche, Auszeichnung Eins: "Anis Amri" (RBB)

Beste Recherche Gewinner 2: Medikamentenversuche (NDR Kiel)

Alles fing mit einer E-Mail an. Als dann ein Informant auspackte, erkannten die Autoren Julia Schumacher, Eike Lüthje und Christian Schepsmeier das Potential dieser Geschichte: Mit viel Energie und journalistischer Hartnäckigkeit durchwühlten sie Archive, sprachen mit Experten und spürten Opfer auf. So entstanden mehrere packende Beiträge im Schleswig-Holstein Magazin über Medikamentenversuche an Heimkindern und an Psychiatriepatienten. Die exzellente Recherche, die eindringlichen Gespräche mit Opfern, die einfühlsame Texthaltung – all das macht die Reihe preiswürdig. Dazu gehört auch die ausgezeichnete bildliche Umsetzung. Die Kameraführung und Art der Fotografie von Kamerafrau Berit Ladewig ist kreativ und sensibel zugleich und komplementiert die hervorragende Teamleistung. 

medizinisches Besteck [Quelle: Radio Bremen]
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Beste Recherche, Auszeichnung Zwei: "Medikamentenversuche an Heimkindern " (NDR Kiel)

Gelungenste Zuschauerbeteiligung: Herzenssache (zibb, RBB Potsdam)

Wenn einer hartgesottene Jury beim Ansehen von Beiträgen vor Rührung die Tränen in die Augen steigen, dann müssen diese Beiträge etwas Besonderes sein. Und ja, etwas Besonderes ist dem Herzenssache-Team aus der Redaktion zibb gelungen. Auf ihren Aufruf, Menschen Danke zu sagen, gab es Hunderte von Zuschriften. Eindrücklich wird die Reihe jedoch vor allem wegen der Art, wie die Geschichten komponiert sind und wegen der Reporterin Janna Falkenstein. Unprätentiös, einfühlsam, zurückgenommen, dabei aber sehr sympathisch, öffnet sie die Menschen. Eine Reihe, die offenbar nicht nur die Jury ins Herz getroffen hat.

"Herzenssache"-Autorin Janna Falkenstein überreicht einen Luftballon an ein Kind [Quelle: Radio Bremen]
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Beste Zuschauerbeteiligung: "Herzenssache" (RBB)

Sonderpreis: Kommentarformat "Ansichtssache" (Abendschau, RBB Berlin)

Kommentare - im Fernsehen immer eine Herausforderung. Denn bildlich anregend sind sie in der Regel nicht. Und deshalb tauchen sie in vielen Regionalprogrammen auch kaum noch auf. Florian Eckardt und Ralf Ayen treten den Beweis an, dass das nicht so bleiben muss. Durch den kreativen Einsatz von Grafik, der den Text stützt, ist „Ansichtssache“ visuell attraktiv und unterhaltsam. Darüber hinaus haben die Autoren den Mut, ihre Ansicht stringent an den Zuschauer zu bringen. Weg mit dem langatmigen Abwägen von Argumenten! Die Zuschauer können ja in den sozialen Medien schreiben, was sie stört, was ihnen fehlt, was sie selber denken. Endlich haben Redakteure wieder die Möglichkeit, Diskussionen anzuzetteln.

ein Kommentar zumHochhausbau in Berlin [Quelle: Radio Bremen]
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Sonderpreis „Ansichtssache“ (RBB)

Worauf wir besonders stolz sind Gewinner1: Ausgesetzt (Aktuelle Stunde, WDR Düsseldorf)

Ausgesetzt! Schon der Titel suggeriert: Politiker sind peinlich, wenn sie aus ihrer Welt der Gesetzesvorlagen und parteipolitischen Kleinkriegen mal in die reale Welt geraten. Mit "Ausgesetzt" geht bei der "Aktuellen Stunde" eine Fremdschäm-Serie auf Sendung, die es in sich hat: Was passiert mit Politikern, wenn sie in Milieus geraten, mit denen sie nichts verbindet? Spannend auch die Frage: Wie weit biedern sie sich dem noch nicht überzeugten Bürger an? Beim Zuschauen geraten eigene Anschauungen ins Wanken, wenn Spitzenpolitiker in der rauen Wirklichkeit versagen. Aber es macht sie irgendwie auch menschlicher dank der Autorinnen Beate Becker und Astrid Houben.

die ehemalige NRW-Landesministerin Sylvia Löhrmann von den Grünen im Gespräch mit einer Jägerin [Quelle: Radio Bremen]
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Worauf wir besonders stolz sind, Auszeichnung Eins: "#ausgesetzt" (WDR)

Worauf wir besonders stolz sind Gewinner 2: Wo bin ich? Naturkundemuseum (MDR Sachsen-Anhalt heute, MDR Magdeburg)

Wo bin ich – der Name der Serie gilt für die Folge Naturkundemuseum im doppelten Wortsinn. Denn was das Team um Autor Heiko Cinibulk und Presenter Alex Huth da aus dem Hut zaubern, hat mit einem Museum nur am Rande etwas zu tun: In einer Art Zeitreise findet sich der Zuschauer völlig überrascht im Gruselkabinett, auf dem Schlachtfeld oder am Königshofe wieder und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Verstaubte Vitrinen? Das war einmal – das Museum lebt! Dass der Zuschauer das mit viel Spaß überlebt, liegt auch an Alex Huth, der die kreativen Theatereinlagen charmant, mit augenzwinkernden Moderationen verbindet. Da wird das Raten fast zur Nebensache. 

Moderator Alexander Huth in einem Naturkundemuseum [Quelle: Radio Bremen]
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Worauf wir besonders stolz sind, Auszeichnung Zwei: "Wo bin ich? - Naturkundemuseum" (MDR)