Bremer Fernsehpreis 2010 - das Werkstattgespräch
Das Problem ist sattsam bekannt: Die öffentlich-rechtlichen Sender haben vor allem ältere Zuschauer, junge Leute wenden sich anderen Programmen oder anderen Verbreitungswegen wie YouTube zu. Der Altersdurchschnitt bei den dritten Programmen liegt bei rund 60 Jahren. Was heißt das für die Zukunft? Müssen Regionalfernsehmacher um die Jugend buhlen? Werden die Jungen, wenn sie älter werden, sich automatisch für öffentlich-rechtliches Programm interessieren? Sind die Privaten nur so erfolgreich, weil sie auf regionale Themen verzichten? Diese und ähnliche Fragen wurden während des Werkstattgesprächs erörtert, das traditionell der Verleihung des Bremer Fernsehpreises vorausgeht.
Beim Werkstattgespräch diskutierten Vertreter von privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern darüber, wie man jüngere Zuschauer gewinnen und an sich binden kann.
Im Audiotorium saßen vor allem Vertreter der öffentlich-rechlichen Sendeanstalten, auf dem Podium war die Reihe gemischt: So war Carina Teutenberg war bei Radio Bremen zu Gast, sie ist Vice President Factual Information & Magazine bei der ProSiebenSat.1 Media AG. Zuvor war sie Redaktionsleiterin von Galileo - eines der erfolgreichsten Magazine von Pro Sieben bei jungen Leuten. Der Altersdurchschnitt der Pro Sieben-Zuschauer liegt bei 35 Jahren. Neben ihr saß Holm Keller, Vizepräsident der Leuphana-Universität, der früher selber für ARD und ZDF arbeitet. Seine Universität arbeitet an einem Forschungsprojekt, dass sich um Fernsehen im Internet dreht - von Bürgern für Bürger. Die Uni erforscht, wer wie und wo Videoinhalte sieht. Auf dem Podium saß außerdem Holger Weinert, Hessenschau-Moderator beim Hessischen Rundfunk. Er bezeichnete sich selbst als "Methusalem" des Regionalfernsehens. Vom NDR entsandt war Marco Otto, Leiter der Abteilung Planung, Entwicklung und Innovation.
Der NDR, berichtete Marco Otto, setze auf das "Eroberungsmilieu" der 50- bis 59-Jährigen. "Schon diese Altersgruppe geht uns langsam verloren." Aus Sicht des Norddeutschen Rundfunks mache es wenig Sinn, 19-Jährige zu umgarnen und "Insellösungen" im Programm zu schaffen. Alle Versuche in diese Richtung seien in allen ARD- und ZDF-Sendestrecken grandios gescheitert. Denn zum einen "erwarten Unter-30-Jährige bei uns leider nicht mehr, ihr Programm zu finden". Und zum anderen, bildeten die 40- bis 59-Jährigen in der Altersstruktur der Bundesrepublik die größte Gruppe. Mit "Passepartout"-Formaten, so Marco Otto, habe der NDR gute Erfahrungen gemacht - darunter versteht man Sendungen, die sowohl von 14- als auch von 74-Jährigen angenommen werden.
Eher optimistisch in die Zukunft blickte Moderator Holger Weinert. Die Hessenschau habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verjüngt, der Anteil der Zuschauer unter 50 sei kontinuierlich gestiegen. Das Geheimnis sei schlicht, guten Journalismus zu machen und zu zeigen. Wer "betuliche Stücke ohne Relevanz" sende, müsse sich nicht wundern, wenn sich Zuschauer abwendeten.
Davon, stellte die Vertreterin der Privatsender fest, gebe es ihrer Meinung nach in den dritten Programmen noch viel zu viele. Junge Zuschauer könne man nur mit einer altersgerechten Ansprache und Aufbereitung erreichen. Carina Teutenberg vermisste bei den Öffentlich-Rechtlichen Mut zu innovativen und kreativen Formaten. Auch im Auditorium wurden einmal mehr die späten Sendezeiten von programmlichen Innovationen kritisiert.
Ein düsteres Zukunftsbild für die professionellen Fernsehschaffenden zeichnete Holm Keller: Nach Befragungen der Erstsemester an seiner Uni ginge schon allein der Besitz von Fernsehgeräten dramatisch zurück. "Die jungen Nutzer gucken mehr Bewegtbild als je zuvor. Aber sie wollen nicht mehr nur konsumieren, sie wollen selber mitmachen und teilhaben." Keller sprach von "user generated quality" - darin liege für die öffentlich-rechtlichen Sender ein große Chance. "Sie müssen die Menschen motivieren, Qualitätsinhalte zu erzeugen und sie anzubieten." Wenn das nicht gelinge, so Keller, werde die Akzeptanz für gebührenfinanziertes Fernsehen weiter sinken. "Die Gebühr wird fallen."
Die Journalisten waren sich einig, dass "eine gute Geschichte eine gute Geschichte ist" - für jede Altersgruppe. Qualitätsjournalismus, relevante Informationen, investigative Themen und ein "menschliches und authentisches Programm" seien ein Schlüssel, um auch jüngere Menschen für sich zu gewinnen. Allerdings müsse auch die Präsentation zeitgemäß sein - beklagt wurde, dass es aber gerade dafür in den meisten Regionalredaktionen zu wenig Zeit und Geld gebe.
Bremer Fernsehpreis
Radio Bremen lädt im Auftrag der ARD zum Wettstreit der regionalen Fernsehprogramme ein. Mit dem "Bremer Fernsehpreis – Der Regionalwettbewerb der ARD" werden hervorragende Beiträge und Sendungen aus dem deutschsprachigen Raum gewürdigt.
Die Daten 2012
![Bremer Fernsehpreis 2011 [Quelle: Radio Bremen, Foto: Martin von Minden] Bremer Fernsehpreis 2011 [Quelle: Radio Bremen, Foto: Martin von Minden]](/unternehmen/auszeichnungen/bremerfernsehpreis140_v-mediateaser.jpg)
Preisverleihung:
9. November 2012, im Eventstudio von Radio Bremen
Ausschreibung:
2. Juli bis 14. September 2012 über die ARD-Festivalredaktion
Kontakt Bremer Fernsehpreis
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