Bremer Rundfunk-Chronik
Die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs beschert den Deutschen das Fernsehen. Auch in Bremen will man wortwörtlich "mitmischen" und richtet im Funkhaus in der Vahr provisorische Produktionsräume und Studios ein. Doch bald ist klar: Um den eigenen Ambitionen und den Verpflichtungen innerhalb des Ersten Deutschen Fernsehens gerecht zu werden, ist mehr Platz erforderlich. In den Studios an der Heinrich-Hertz-Straße wird es zu eng. Deshalb schreibt Radio Bremen 1960 einen Architekten-Wettbewerb für einen Neubau aus. An der Autobahn-Abfahrt Sebaldsbrück, im Ortsteil Osterholz, erwirbt der Sender ein 70.000 Quadratmeter großes Grundstück. Nach drei Jahren Bauzeit ist der neue Studiokomplex 1967 fertig.
Galerie: Das Fernsehen kommt zu Radio Bremen
Schon bevor die neuen Fernsehstudios in Osterholz betriebsfertig sind, hat Radio Bremen über 40 Filme produziert: zunächst kleine Probefilme und Beiträge für das Regionalprogramm zusammen mit den Hamburger Kollegen. 1955 begleitete der Sender den "Tag des Bremer Rundfunks" filmisch. Aus dem Radioformat "Hafenkonzert" entwickelt man kurzerhand die Fernsehsendung "Die Hafenmelodie", moderiert von Hans Robert Helms. Seine große ARD-Fernsehpremiere feiert Radio Bremen am 26. Januar 1958 mit einem theatralisch angelegten Interview mit Dichter Rudolf Alexander Schröder. Reporter Lutz Besch befragt den 80-Jährigen mit äußerster Vorsicht und Respekt.
Die erste Radio-Bremen-Filmproduktion für die ARD, 1958, [3:13]
Ein Stück Bremer Fernsehgeschichte.
Als die neuen Studios fertig sind, steigen der Produktionsdruck und die Anzahl der Beiträge rasch. Schnell werden "Kameratrupps" gebildet sowie Cutter, Regisseure und Reporter eingestellt. Magnetaufzeichnung, Ton-Synchronsierung und Beleuchtung stehen für die Fernsehmitarbeiter auf dem Lehrplan. Alles ist neu. Nach und nach bilden sich die Redaktionen Unterhaltung, Musik und Aktuelles. Das Ziel: drei Prozent des ARD Programms zuliefern. Die "Nordschau", Beiträge für die "Tagesschau" und Sendereihen wie der "Bremer Bilderbogen" werden fortan regelmäßig produziert. Stetig kommen neue Sendungen dazu. Die internationalen Schwimm-Meisterschaften im Bremer Zantralbad 1962 werden zum Beispiel ebenso zum Fernsehereignis wie die Wissenschaftsserie "Perspektiven".
Das moderne Studio von Radio Bremen Ende der 60er bietet viel Raum für Kreativität: Hier beginnt auch Rudi Carrell seine Fernseh-Karriere.
Von Beginn an zählt Radio Bremen nicht zu den Rundfunkanstalten mit großen Budgets. Aber die Bremer zeigen sich experimentierfreudig und damit konkurrenzfähig. Das Medium TV ist neu, die Zuschauer neugierig, und es beginnt eine Art "Entdeckungsreise". Ein erster "Publikumsvolltreffer" gelingt 1963 mit einem Dokumentarfilm über ein Hilfsprojekt in Peru. In den 70er Jahren beginnt dann die Zeit großer Radio-Bremen-Produktionen. Der kleine norddeutsche Sender zieht Nachwuchstalente an wie ein Magnet: Vicco von Bülow alias Loriot, Rudi Carrell, Harald Schmidt und Hape Kerkeling - sie alle stehen in Osterholz vor der Kamera und werden schnell zu Publikumslieblingen. In Sendungen wie "Am laufenden Band" oder "Total normal" können die Entertainer ihre Kreativität voll ausleben.
Showmaster Rudi Carrell zu seinem Karrierestart bei Radio Bremen, [0:27]
Zitat aus seiner Dankesrede zum Deutschen Fernsehpreis, 2003
Radio Bremen punktet mit starken Persönlichkeiten und neuen Formaten bei den Zuschauern: Die erste Musiksendung und die erste deutsche Talkshow werden hier konzipiert und aufgenommen. Außerdem zeigt der Sender das erste Regionalmagazin. "buten un binnen" gilt in den 80ern als Vorreiter des kritischen und geistreichen Lokal-Fernsehjournalismus.
Heute noch Kult: Moderatorin Uschi Nerke im Beat-Club Web-Channel
Tatort aus Bremen: Rückblick auf alle Bremer Kriminalfälle
3nach9: eine Jahrzehnte übergreifende Talkshow-Geschichte
Radio Bremen - Eine Zeitreise (Teil 1), [5:55]
Radio Bremen - Eine Zeitreise (Teil 2), [11:46]
Info: Bremer Rundfunk-Chronik
![Mikrofon [Quelle: Radio Bremen] Mikrofon [Quelle: Radio Bremen]](/unternehmen/chronik/bild2150_v-mediateaser.jpg)
Rundfunk gibt es in Bremen seit 1924. Am Anfang hieß der Sender Norag und war ein Ableger des Hamburger Muttersenders. 1945 ging dann Radio Bremen an den Start. Die Geschichte von Radio Bremen ist eine Geschichte von Rundfunk-Pionieren, finanziellen Nöten, Wandlungsfähigkeit und herausragenden programmlichen Höhepunkten.
Suche
Durchsuchen Sie den Bereich Unternehmen nach Ihrem Stichwort:
Recherche-Redaktion
Wo sollen wir nachhaken? Informieren Sie unsere Recherche-Redaktion! Mehr...
Radio Bremen empfangen
Wie bekommen Sie Mitschnitte unserer Sendungen? Wo finden Sie einen bestimmten Beitrag auf unseren Internetseiten? Wieso funktioniert das Abspielen eines Audios oder Videos nicht? Diese und andere Fragen, hier beantwortet. Mehr...
Webservices
Wir bieten Ihnen verschiedene Wege, das Programm von Radio Bremen zu empfangen und Möglichkeiten für Sie, mitzumachen: über Podcast, Apps, Soziale Netzwerke, Kommentarfunktionen und mehr. Mehr...
Informationsbesuch
Im Laufe der zweistündigen Besichtigung des Funkhauses können Sie die multimediale Redaktionsarbeit von Radio, Fernsehen und Internet kennen lernen. Die Teilnahme an einem Informationsbesuch ist kostenlos. Mehr...
Interaktiver Rundgang
Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen eines der modernsten Funkhäuser in Europa. Und machen Sie sich ein eigenes Bild davon, wie Ihr Radio-Bremen-Programm entsteht. Mehr...
Auszeichnungen und Nominierungen
Preise, Auszeichnungen und Nominierungen von Radio-Bremen-Produktionen und -Mitarbeitern. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Werder Bremen: Neuer Trainer Dutt wird heute vorgestellt
Streit um Beratungsstelle: SPD-Fraktionschef will Rat und Tat-Zentrum erhalten
Gesetzesinitiative aus Bremerhaven: Hauseigentümer müssen Schrottimmobilien abreißen
Böhrnsens Türkei-Reise: "Wichtig, sich mal sehen zu lassen"