Bremer Rundfunk-Chronik
Zeichnung des Gebäudekomplexes in der Heinrich-Hertz-Straße
Am 1. Juli 1950 nimmt Radio Bremen das neue Funkhaus in der Heinrich-Hertz-Straße in Betrieb. Eine Gedenktafel in diesem Haus dankt dem amerikanischen Volk für eine Spende, die den Bau ermöglicht hat. In Wahrheit hat das Büro des amerikanischen Hochkommissars in Frankfurt etwas mehr als eine Million Mark überwiesen. Der größte Teil der fünfziger Jahre sind bei Radio Bremen von Geld- und Existenzsorgen bestimmt, bis 1959 der Finanzausgleich der ARD verabschiedet wird, der Radio Bremen Zuschüsse von anderen Anstalten sichert.
Übergabe des neuen Funkhauses an Intendant Walter Geerdes, [7:50]
Beitrag vom 26. November 1950.
Als 1949 klar wird, dass Radio Bremen die beschlagnahmten Gebäude wieder räumen muss, ist guter Rat teuer. Der Neubau eines Sendesaals ist notwendig, darf aber nicht viel kosten. Ab 1950 werden die Pläne konkreter und man holt Kostenvoranschläge ein. Hans Storm, der Großneffe des Dichters Theodor Storm, ist der Architekt, der die Pläne umsetzen kann. Dieser hatte schon das im Krieg zerstörte Theater am Goetheplatz wieder aufgebaut. Im Sommer 1952 kann schließlich Richtfest gefeiert werden und am 23. Dezember ist die feierliche Einweihung. Festredner Wilhelm Kaisen lobt bei dieser Gelegenheit die Arbeit Radio Bremens: "Der kleine Sender hat gezeigt, dass man mit wenigen Mitteln "einen guten Funk" machen kann".
Die Geschichte des Sendesaals, [2:53]
Ein Beitrag vom 21. Dezember 2002.
Enklave
Das Wort Enklave stammt aus dem Französichen (enclaver) und bedeutet "umschließen". Eine Enklave ist ein Staatsgebiet, das vom Gebiet eines anderen Staates umschlossen wird. Es existiert keine Grenze zu einem zweiten Staat und es gibt keinen eigenen Zugang zur hohen See.
Bis 1951 erhält Radio Bremen die Teilnehmergebühren aus der amerikanischen Enklave Bremen. Ab 1952 bekommt der Sender nur noch die Gebühren aus dem kleineren Einzugsgebiet "Land Bremen". Diese Tatsache stellt Intendant Walter Geerdes vor schwierige finanzielle Probleme. Die darauffolgenden Jahre sind vom Existenzkampf geprägt. Radio Bremen muss Mitarbeiter entlassen, unter anderem das gesamte Orchester. Der mächtige NWRD, der 1956 zum NDR wird, ist nicht bereit zu helfen. 1957 kapituliert Radio Bremen und schließt mit dem NDR einen Vertrag, der den Verlust der Eigenständigkeit des kleinen Senders besiegeln würde, sollte er unterschrieben werden.
ARD-Finanzausgleich kommt
Rettung kommt in letzter Minute durch den neu gewählten Radio-Bremen-Intendanten Kerneck. Der sagt bei seinem Amtsantritt im Juli 1957: "Ich halte es für meine Aufgabe, dem Haus, das durch die Ereignisse der letzten Jahre offensichtlich sehr deprimiert worden ist, eine gewisse Zuversicht und das Gefühl wiederzugeben, dass sich die Arbeit wieder als lohnend und fruchtbar erweist." Auf einmal klappt auch wieder die Zusammenarbeit mit dem NDR. Dieser bietet Radio Bremen "jede Hilfe" an. Eine endgültige Lösung kommt aber erst im Jahr 1959, als die ARD ein Konzept zum internen Finanzausgleich verabschiedet.
20.000 Menschen nutzen den 1. Tag des Bremer Rundfunks am 30./31. Mai 1953.
Am ersten Tag des Bremer Rundfunks öffnet Radio Bremen seine Pforten. Interessierte können sich im Funkhaus umsehen und selber Radio machen. Paul-Dieter Kümper hat das Geschehen festgehalten und Besucher nach ihren Eindrücken befragt. Manch einer musste feststellen, dass die Arbeit eines Reporters, der aus dem Stehgreif das Geschehen kommentieren muss, nicht einfach ist.
Erster Tag des Bremer Rundfunks, [17:59]
Besucher äußern sich über den Tag der offenen Tür bei Radio Bremen.
Bis 1952 gibt es nur ein Hörfunkprogramm, das sich im Laufe der Jahre immer mal wieder verändert und umbenannt wird, heute aber als Bremen Eins immer noch besteht. Am 14. April 1952 startet ein zweites Hörfunkprogramm mit kulturellen Wortbeiträgen und klassischer und moderner Musik. Dieses wird 1982 zum Vollprogramm, 1992 zum Kulturprogramm und besteht heute in Kooperation mit dem NDR unter dem Namen Nordwestradio. Am 1. November 1964 geht das dritte Hörfunkprogramm zunächst als Gastarbeiterprogramm an den Start. Hier gibt es leichte Musik, später Klassik und schließlich Schlager, bevor es am 30. April 2001 in Bremen Eins aufgeht. Ab 30. August 1998 startet der WDR in Kooperation mit Radio Bremen das Hörfunkprogramm Funkhaus Europa als multikulturellen Sender für ausländische Hörer. Seit dem 1. Dezember 1986 gibt es die Jugendwelle Bremen Vier mit zeitgenössischer Rock- und Popmusik.
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Funkhaus in der Vahr: Eine Chronik in Bildern
Info: Bremer Rundfunk-Chronik
![Mikrofon [Quelle: Radio Bremen] Mikrofon [Quelle: Radio Bremen]](/unternehmen/chronik/bild2150_v-mediateaser.jpg)
Rundfunk gibt es in Bremen seit 1924. Am Anfang hieß der Sender Norag und war ein Ableger des Hamburger Muttersenders. 1945 ging dann Radio Bremen an den Start. Die Geschichte von Radio Bremen ist eine Geschichte von Rundfunk-Pionieren, finanziellen Nöten, Wandlungsfähigkeit und herausragenden programmlichen Höhepunkten.
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