Bremer Rundfunk-Chronik
"Mr. Radio Bremen": Hans Günther Oesterreich (unter Kollegen auch "Hännschen" genannt)
Als Mitarbeiter der ersten Stunde baute Hans Günther Oesterreich den Sender Radio Bremen mit auf und gab ihm seinen Namen. Insgesamt arbeitete er gut 40 Jahre für Radio Bremen. Seine populärste Idee war die erste Hörfunk-Familienserie, "Die Familie Meierdierks". Dass Hans Günther Oesterreich so lange und intensiv in Bremen arbeitete, ist erstaunlich. Vor seiner Bremer Zeit führte er das unstete Leben eines Weltreisenden, der selten lange an einem Ort blieb.
Porträt: Hans Günther Oesterreich, [3:30]
Geboren wurde er 1910 in Charlottenburg (heute Berlin). Aber schon im Alter von zwei Jahren zog er mit seiner Familie nach Mönchengladbach, mit 13 Jahren nach Bremen, wo er das traditionsreiche Alte Gymnasium besuchte. Hans Günther Oesterreich betonte sehr gern, dass er damals alles andere als ein vorbildlicher Schüler war.
Mit der "Seeteufel" und Graf Luckner auf Weltreise
Dem Berufswunsch Bühnenmaler zu werden ging er zuerst in Bremen nach, dann in Berlin und schließlich sogar in Paris, wo er Kunstgeschichte studierte. Allerdings nicht sehr lange, Oesterreich interessierte sich bald mehr für die Theaterregie.
Nach bestandener Regieprüfung in Paris sehnte er sich zunächst nach einem ruhigeren Leben und ging in sein damaliges Traumland Schweden. Beruflich brachte ihn das kaum weiter, hier widmete er sich eher seinem großen Hobby, der Malerei, die ihn sein Leben lang begleitete.
Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs stach Hans Günther Oesterreich in See: Mit dem Grafen Luckner macht er eine zweijährige Weltreise auf einem Zweimaster. Zu den Stationen gehörten u.a. die Azoren, Panama, die Galapagos-Inseln, Samoa, Tahiti, Australien und Neuseeland. Von dieser Reise brachte er neben viel Lebenserfahrung auch zahlreiche selbstgedrehte Filmaufnahmen mit.
Mit 21 Jahren musste Hans Günther Oesterreich mit Hitlers Wehrmacht in den Krieg ziehen. Dabei kam er vergleichsweise glimpflich davon und landete beim Soldatensender Belgrad. Mit dem von Lale Andersen gesungenen Lied "Lili Marleen" errang der Sender unter den Soldaten eine große Popularität.
Inmitten seiner Redaktions-Kollegen bei "Radio Belgrad".
In den Nachkriegswirren kam Hans Günther Oesterreich - inzwischen mit Frau und Sohn - wieder nach Bremen, wo sein Elternhaus stand. Hier fand er eine neue Heimat, der er bis zum Ende seines Lebens treu blieb. Entscheidend dafür war, dass in Bremen ein Radiosender gegründet wurde.
Nach der Radio-Erfahrung in Belgrad wollte er einen internationalen Sender gründen und stellte dafür bei den Besatzern einen Antrag. Auf überraschende Weise wurde der Antrag bewilligt.
Gemeinsam mit dem Amerikaner Edward E. Harriman (Rundfunkbeauftragter der amerikanischen Militärregierung) entwarf Hans Günther Oesterreich erste Sendungen, suchte Mitarbeiter und baute das Funkhaus auf. Dazu gehörte auch die Gründung eines Orchesters, weil die Musik live während der Radiosendungen gespielt wurde. Der heute berühmteste Musiker dieses Ensembles war damals der Bassist und hieß Hans Last. Heute heißt er James Last und ist ein internationaler Star.
Hans Günther Oesterreich über James Last (1983), [2:25]
Der neue Sender brauchte natürlich auch einen Namen. Zwischen dem Amerikaner Edward Harriman und Hans Günther Oesterreich gab es darüber eine Meinungsverschiedenheit. Resultat: Der Bremer setzte sich durch.
Multitalent Oesterreich
Im Laufe seines schaffens-reichen Lebens hat er folgende Berufe/Tätigkeiten ausgeübt:
- Journalist
- Schauspieler
- Kameramann
- Redakteur
- Bühnenbildner
- Regisseur
- Hörspiel-Autor
- Karrikaturist
Hans Günther Oesterreich wurde Radio Bremens erster Programmdirektor. Wenige Jahre später gab er diese Funktion allerdings wieder auf, zugunsten der praktischen Arbeit. Oesterreich entwickelte sich zu einem Allroundtalent des Rundfunks: moderierte Hörfunksendungen, führte Regie, drehte Filme für das Fernsehen, komponierte und trat auch als Sänger vor das Mikrophon.Auch im Fernsehen präsentierte sich Hans-Günther Oesterreich mit seinen kreativen Ideen. So inszenierte er z.B. 1976 das Deutschlandportrait "Expedition nach Germanistan" aus einem ganz ungewohnten Blickwinkel. Seine letzten Beiträge für Radio Bremen entstanden Mitte der 80er Jahre. Gestorben ist Hans Günther Oesterreich im Mai 1990 in Bremen.
Auch fürs Fernsehen war Oesterreich kreativ und entwickelte neue Ideen - immer mit einem gewissen Schalk im Nacken.
Hörspielreihe "Familie Meierdierks" 1952, [2:58]
Ein Beitrag vom 15. Februar 2006.
Oesterreich-Ausstellung im Rundfunkmuseum, [3:49]
Oesterreich-Austellung im Rundfunkmuseum, [3:30]
Info: Bremer Rundfunk-Chronik
![Mikrofon [Quelle: Radio Bremen] Mikrofon [Quelle: Radio Bremen]](/unternehmen/chronik/bild2150_v-mediateaser.jpg)
Rundfunk gibt es in Bremen seit 1924. Am Anfang hieß der Sender Norag und war ein Ableger des Hamburger Muttersenders. 1945 ging dann Radio Bremen an den Start. Die Geschichte von Radio Bremen ist eine Geschichte von Rundfunk-Pionieren, finanziellen Nöten, Wandlungsfähigkeit und herausragenden programmlichen Höhepunkten.
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