Pressemitteilungen: Radio
Nordwestradio unterwegs
Mittwoch, 11. Juli 2012, 15.05-16.00 Uhr
Live-Sendung aus dem "Forum im Dom", Domhof 12 in Osnabrück
Die Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück: Leuchtturm der Integration oder Elitenbildung durch die Kirchentür?
In Osnabrück startet in diesem Jahr ein bundesweit einmaliges Projekt: die erste konfessionelle Drei-Religionen-Grundschule. Die Schule wird sowohl christlichen als auch jüdischen und muslimischen Religionsunterricht erteilen und steht in Trägerschaft des Bistums Osnabrück, das auch das multikonfessionelle Konzept entwickelt hat. Die sogenannte trialogische Schule ist ein gemeinsames Projekt des Bistums Osnabrück, der Jüdischen Gemeinde Osnabrück und des Verbandes der Muslime (Schura) in Niedersachsen.
An der Schule sollen die Schüler der drei Religionen gemeinsam in allen nicht-religiösen Fächern unterrichtet werden. Der Religionsunterricht soll aber getrennt abgehalten, die religiösen Feste hingegen gemeinsam gefeiert werden. Schulbeginn ist am 1. August 2012. Das Schulkonzept wurde bereits im September 2009 von Vertretern der drei Religionen vorgestellt. Damals hieß es, die Einrichtung der Schule sei eine Reaktion auf den demografischen Wandel.
Der Leiter einer katholischen Bekenntnisschule in Osnabrück wandte sich vor vier Jahren verzweifelt an die Stadt. Bei mehr als 60 Anmeldungen für das neue Schuljahr waren weniger als 50 Prozent der Kinder katholischer Konfession, vorgeschrieben waren aber 80 Prozent. Um die Grundschule vor der Schließung zu bewahren, übernimmt nun das Bistum die Trägerschaft und ermöglicht Christen, Muslimen und Juden ab September das gemeinsame Lernen.
Für die Lehrer der alten Bekenntnisschule hängt der Haussegen damit schief. Alle 13 Lehrer der Johannisschule lehnen die Drei-Religionen-Grundschule ab. „Das ist für uns nicht Integration, sondern Exklusion“, erklärt die aktuelle kommissarische Schulleiterin Silvia Bielefeld. Entgegen der Empfehlungen von Religionswissenschaftlern, die einen eigenen Unterricht auch für Muslime oder Juden fordern, sieht sie keine Notwendigkeit für das neue Schulkonzept. Statt nämlich die Kinder gemeinsam in Religion zu unterrichten, werden sie in der neuen Schule fein säuberlich nach Religion und Konfession getrennt, es gibt eben keine gemeinsame religiöse Unterweisung. Den Lehrern wäre es ohnehin lieber gewesen, wenn die Schule als öffentliche Schule weitergeführt worden wäre: „Wir unterstützen das öffentliche Schulsystem und sind grundsätzlich gegen private Träger“.
Starten wird die Drei-Religionen-Grundschule in diesem Jahr mit 18 Grundschulkindern. Und für das Schuljahr 2013/2014 haben interessierte Eltern bereits jetzt 38 Kinder angemeldet. Für Bistumssprecher Hermann Haarmann ein „hoher Vertrauensbeweis“, weil bisher keine einzige Unterrichtsstunde erteilt worden sei.
Ist die Drei-Religionen-Grundschule eine der Zukunft? Wo liegen die Chancen, aber auch die Risiken? Ist Multireligiosität nicht ohnehin schon Alltag in den Schulen? Warum wurde aus einer Schule in öffentlicher Trägerschaft eine Privatschule? Über diese Fragen diskutiert „Nordwestradio unterwegs“ am Mittwoch, 11. Juli 2012, 15.05-16.00 Uhr, in einer Live-Sendung aus dem "Forum im Dom", Domhof 12 in Osnabrück.
Teilnehmer der Gesprächsrunde mit Nordwestradio-Moderator Stefan Pulß sind:
Die Veranstaltung ist öffentlich. Gäste sind herzlich willkommen.
Nordwestradio:
Ein Programm von Radio Bremen und dem NDR
UKW Bremen 88,3 und Bremerhaven 95,4 MHz,
Via Satellit, im Kabel, als Podcast und Live-Stream
auf www.radiobremen.de/nordwestradio
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