1945 bis 1950
Nach 1945 waren es zunächst die amerikanischen Truppentransporter, die an der Columbuskaje anlegten, um Nachschub für ihre Streitkräfte anzulanden. Auf dem Rückweg nahmen sie so genannte "Displaced Persons" mit: Heimatlose, Vertriebene, Zwangsarbeiter, Überlebende aus den Konzentrations- und Gefangenenlagern der Nazis. Die Alliierten hatten es sich zur Aufgabe gemacht, diese Menschen in ihre Heimatländer zurückzuführen oder in Drittländern neu anzusiedeln.
Einschiffung der ersten Displaced Persons in Bremerhaven.
An einem Tag im Jahr 1946 lag die "Marine Perch" an der Columbus Pier in Bremerhaven - bereit zum Ablegen. An Bord gingen etwa 800 Displaced Persons, um nach Amerika auszuwandern. Radio-Bremen-Reporter Claus-Werner Caro sprach mit ehemaligen Häftlingen, die sich auf ihre neue Heimat freuten:
An Bord der "Marine Perch", [1:40]
Situation der Displaced Persons, [1:34]
Für deutsche Staatsangehörige galten zunächst Auswanderungsbeschränkungen. Nachdem diese aufgehoben wurden, rechnete man allgemein mit einer Auswanderungswelle und 1950 begann an der Kaje der Bau des neuen Columbusbahnhofs. Zwischen 1951 und 1960 wanderten von hier noch einmal rund 468.000 Menschen nach Übersee aus, vor allem in die USA und nach Kanada. Es war die letzte Auswanderungswelle über Bremerhaven.
Am 21. September 1951 stand diesmal der Radio-Bremen-Reporter Paul-Dieter Kümper am Bahnhof am Meer in Bremerhaven. 600 Deutsche machten sich auf den Weg in die USA. Bevor sie an Bord gingen, erzählten sie von ihren Zukunftsplänen. Zudem kam auch der amtierende Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen zu Wort, der selber beinahe einmal ausgewandert wäre:
Auswanderer in die USA, [4:52]
Bei einer Umfrage im Jahr 1950 erklärten mehr als eine halbe Million Deutsche, dass sie gern nach Amerika auswandern würden. Kein Wunder angesichts der tristen Lebensumstände im Nachkriegsdeutschland. Es fehlten 3,7 Millionen Wohnungen, zwei Millionen Menschen waren arbeitslos und fast eine Million lebte von der Fürsorge. Außerdem wuchs bereits Anfang der 50er Jahre wieder die Kriegsangst. Doch das gelobte Land USA hatte die Einwanderung streng kontingentiert. Kanada war etwas großzügiger. Ab 1950 warben die Kanadier um deutsche Einwanderer und schon 1951 gab es die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für die Fahrtkosten zu bekommen ("assisted passage"). Fast eine Viertelmillion Deutsche nutzten die Chance und wanderten zwischen 1950 und 1960 nach Kanada aus.
Am 5. August 1951 stand wieder einmal Radio Bremen-Reporter Paul-Dieter Kümper an der Bremerhavener Columbuskaje. An diesem Tag gingen 925 Auswanderer an Bord eines Schiffes, das sie nach Kanada bringen sollte. Paul-Dieter Kümper unterhielt sich mit einigen von ihnen.
Auswanderer nach Kanada, [9:07]
Es waren nicht nur politische Gründe oder wirtschaftliche Not, die die Menschen bewogen, Deutschland zu verlassen. Eine kanadische Umfrage kam 1961 zu dem Ergebnis, dass in den 50er Jahren besonders viele Deutsche aus Abenteuerlust nach Kanada einwanderten.
Migration in Deutschland
Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven ist seit 2005 das Museum zum Thema Auswanderung. Seit dem 22. April zeigt es auch die Einwanderung nach Deutschland. Anhand von Biografien und persönlichen Erinnerungsstücken können Besucher nachempfinden, wie sich die Veränderung für die Familien anfühlt haben muss. Hintergründe und Berichte finden Sie hier in unserem Online-Dossier. Mehr...
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