1952 bis 1972
Zu Beginn der 50er Jahre waren die Einwanderungsverbote für Deutsche fast überall wieder aufgehoben. Deshalb stellte sich Bremerhaven auf eine neue Auswanderungswelle ein, und begann mit dem Bau eines neuen Bahnhofs am Meer. An der Columbuskaje sollte wieder ein repräsentatives Abfertigungsgebäude entstehen.
Abschied am Bahnsteig mit "Muss i denn zum Städele hinaus"
Am 1. Mai 1952, zum 125jährigen Stadtjubiläum, ist es soweit: der Columbusbahnhof wird eröffnet. Radio-Bremen-Reporter Gerd Wöhlecke berichtet von der neuen Anlage an der Columbus-Kaje: Die Bauarbeiten am Columbusbahnhof sind abgeschlossen. Unter lautem Tuten der Dampfer erklärt der Reporter alle Einzelheiten dieses Moments und der Stimmung an der Pier:
Columbusbahnhof ist fertig, Reportage von 1952, [7:11]
Die Schiffe, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges an den Bremerhavener Kajen anlegten, gehörten amerikanischen, griechischen, schwedischen und italienischen Reedereien. Deutschen Reedereien war die Überseeschifffahrt verboten. Erst 1951 fielen die letzten alliierten Beschränkungen weg. Doch schon vorher hatten sich Bremen und Bremerhaven bemüht, möglichst viele Schifffahrtslinien nach Bremerhaven zu ziehen. Um 1955 gab es sechs Reedereien, die insgesamt dreizehn Schiffe auf der Nordatlantikroute einsetzten. Ab 1954 war auch der Norddeutsche Lloyd wieder mit von der Partie. Gemeinsam mit der schwedischen Reederei Svenska Amerika Linjen gründete der NDL die Bremen-Amerika Linie. Zum Einsatz kam die "Gripsholm", die als erster Nordatlantikliner nach dem Krieg wieder die deutsche Flagge führte.
Die Fahrgastanlage I an der Bremerhavener Columbuskaje wurde 1950 bis 1952 erbaut, musste jedoch 1974 einem Stückgutterminal weichen.
Trotz der wachsenden Konkurrenz durch das Flugzeug setzten Bremen und Bremerhaven weiter auf den Schiffspassagierverkehr und das Auswanderergeschäft. Es herrschte die Ansicht, dass sich Schiff und Flugzeug noch eine ganze Weile nebeneinander behaupten würden. Neue Reedereien wurden gegründet und zwischen 1953 und 1957 lag der Anteil der bremischen Häfen am Auswanderungsverkehr insgesamt bei über 80 Prozent. Fast eine halbe Million Menschen verließen in den 50er Jahren von der Columbuskaje aus das Land. Zum letzten Mal hatte Bremerhaven die Rolle des führenden Auswandererhafens übernommen.
Zu Beginn der sechziger Jahre waren Schiffsplätze für eine Überseeauswanderung nicht mehr sonderlich gefragt. Das billigere und schnellere Flugzeug übernahm die Rolle der Passagierschiffe im Auswandererverkehr. Dennoch setzten die Hafenplaner in Bremerhaven unbeirrt auf die Passagierschifffahrt. Der Bremer Senat beschloss ein gigantisches Erweiterungsprogramm. 1962, als gerade noch 7.265 Auswanderer in Bremerhaven gezählt wurden, war der neue Columbusbahnhof fertig. 10.000 Quadratmeter Fläche auf vier Etagen, ausgelegt für die Abfertigung von mehreren tausend Passagieren täglich. Die Anlage war nie ausgelastet. 1972 endete der Passagier-Liniendienst auf der Strecke Bremerhaven - New York. Zwei Jahre später legte das letzte Schiff mit Auswanderern von der Columbuskaje ab. Die griechische "Britanis" hatte 153 Passagiere aus Deutschland an Bord genommen und verließ Bremerhaven mit dem Ziel Australien.
Migration in Deutschland
Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven ist seit 2005 das Museum zum Thema Auswanderung. Seit dem 22. April zeigt es auch die Einwanderung nach Deutschland. Anhand von Biografien und persönlichen Erinnerungsstücken können Besucher nachempfinden, wie sich die Veränderung für die Familien anfühlt haben muss. Hintergründe und Berichte finden Sie hier in unserem Online-Dossier. Mehr...
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