Als die Autobahn in den Norden kam
Auf Dachböden und in Kellern fand er Historisches: Alte Dokumente und Fotos aus der Zeit des Autobahnbaus fielen Klaus Bischoff bei seiner alten Arbeitsstelle in die Hände. Er recherchierte und archivierte alles sorgsam. Entstanden ist eine Chronik über die Ursprünge der A1.
Klaus Bischoff vom Heimatverein Achim in seinem Archiv.
Klaus Bischoff ist Mitbegründer des Heimatvereins in Achim. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich unter anderem mit der Geschichte der Autobahn. Mit Radio Bremen spricht er über die Entstehung der Hansalinie.
Radio Bremen: Sie haben in einer Veröffentlichung des Heimatvereins Achim die Planung und den Bau der A1 zwischen Sittensen und Oyten dokumentiert. Wie sind Sie an all die historischen Dokumente gelangt?
Klaus Bischoff: Ich bin 1977 zur Straßenbauverwaltung gekommen. Zuständig war ich für die Planung: für die Autobahn, aber auch für Radwege, Bushaltebuchten, alles. Dadurch bin ich überall hingekommen und konnte öfter mal Akten einsehen, an die andere vielleicht gar nicht rangekommen wären.
Was genau haben Sie da gefunden?
Da standen Ordner von 1934. Viele kannten die gar nicht. Wenn ich Mittagspause hatte, bin ich eben auf den Dachboden gegangen oder in den Keller und hab mal geguckt, was da so ist. Meine Chefs waren damit einverstanden. Auch nach der Arbeit bin ich noch geblieben und habe recherchiert. Früher gab es ja noch viel mehr Autobahnmeistereien als heute, da hat man dann gestöbert. Und auch in Hannover, in unserer Hauptdienststelle, durfte ich mich umgucken.
Woher kommt denn ihre Leidenschaft für das Sammeln alter Dokumente?
Manche Leute sagen: "Du hast ja sonst nichts zu tun". Aber irgendwann hatte ich soviel Material, dass man was darüber schreiben konnte. Und ich muss dann was schreiben, weil ich es viel zu schade finde, dass das bei mir hier rumliegt. Ich erlebe auch immer wieder mit Kindern, wie sie sich für Geschichte interessieren, wenn man erstmal anfängt, ihnen Dinge zu zeigen oder ihnen zu erklären, wie das früher war.
Sie haben also alles archiviert und dokumentiert. Aber wie konnten Sie das, was Sie da gefunden hatten, bestimmten Orten und Personen zuordnen?
Der Autobahnmeister von damals hatte neben viele Bilder Notizen gemacht, teilweise sogar mit genauer Kilometerangabe, und so konnte ich die Bilder zuordnen. Außerdem muss man immer viel mit anderen Leuten reden. Je mehr Leute mitarbeiten, umso genauer wird das Ergebnis.
Zum Beispiel gehe ich oft zu meinem Chef und frage ihn, ob er das auch so einschätzt, wie ich. Man muss natürlich auch oft sagen: "Vermutlich war es so". Aber die Fotografen früher sind ja auch nicht so weit gefahren, um Fotos zu machen. Deshalb kann man eingrenzen, wo ein Foto entstanden ist.
Auf ihren Bildern sieht man die Arbeiter fast immer mit Schippe in der Hand! Wie waren die Arbeitsbedingungen damals?
Viele glauben, dass die alles mit Hand und Schaufel gemacht haben. Aber die haben einige hundert Meter am Tag betoniert, mit großem Gerät. Natürlich war die Betondecke nicht so dick wie heute, aber dafür musste ja auch alles mit Loren rangebracht werden. Dafür wurden immer als erstes Bahngleise verlegt, um den schlechten Boden abzutransportieren und den guten wieder einzubringen.
In der nationalsozialistischen Propaganda hieß es: Der Autobahnbau schaffe Arbeitsplätze. Wie sah das denn in der Realität aus?
Nach dem, was ich in den Unterlagen gesehen habe, waren zuerst alle froh, dass sie Arbeit hatten. Aber nachher ist Unfrieden aufgekommen. Und es wurden auch einige abtransportiert, weil sie gestreikt hatten. In Berlin nahm sie die Gestapo in Empfang. Was aus ihnen geworden ist, weiß man nicht.
Wie man mittlerweile weiß, waren die Autobahnen ursprünglich gar nicht die Idee der Nazis, wie es oft heißt. Kaufleute hatten bereits viel früher eine Verbindung zwischen Handelsstädten geplant!
Das stimmt. In den 20er Jahren gründeten sie einen Verein, der eine Verbindung zwischen Hamburg und Basel entwickelte. Vom Verlauf entsprach das in etwa der heutigen A7. Und parallel zur Autobahnplanung gab es Pläne für ein Kanalnetz durch ganz Deutschland. Auf einer alten Karte ist zum Beispiel der Hansakanal zu sehen. Der kreuzte bei Achim die Weser. Dieser Kanal sollte eigentlich von Stade bis nach Osnabrück gehen. Die Pläne wurden in den 20er Jahren aber eingestellt, weil man sich dann für die Autobahnen entschieden hatte.
Und was sind Ihre ersten eigenen Erinnerungen an die Autobahn?
Meine ersten Erinnerungen beginnen mit Kriegsende. 1945 war ich sieben Jahre alt, da sind wir von Bomben getroffen worden. Ich will nicht sagen, ich bin traumatisiert, aber manchmal denkt man schon noch, man hört einen Bomber. Und die ersten Tage nach dem Krieg standen die ganzen Kriegsfahrzeuge der Amerikaner auf der Autobahn: In langen Ketten vom Panzer bis zum Jeep. Von dort wurden sie weiter nach Bremerhaven gebracht und von da zurück nach Amerika verschifft.
Heimatverein Achim
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Heimatverein Oyten
Internetseite des Heimatvereins
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