Als die Autobahn in den Norden kam
Für das Dritte Reich waren die Autobahnen eine riesige Propaganda-Aktion: Der Führer habe eines Tages einige Linien auf ein Blatt Papier gemalt und mitgeteilt, er stelle sich so ein deutsches Fernstraßennetz vor. Tatsächlich jedoch wurden die Autobahnen von Kaufleuten der Weimarer Republik erdacht.
1936 wurde der erste Teilabschnitt der A1 zwischen Oyten und Dibbersen eröffnet. Alle Anwohner waren verpflichtet, die Strecke mit Hakenkreuzfahnen und Girlanden zu schmücken.
Eine bessere Anbindung der Häfen und eine Garantie für wirtschaftlichen Aufschwung, so stellen sich die Kaufleute die Autobahn vor. Professor Robert Otzen, Vorsitzender des ersten Autobahn-Projekts Deutschlands (HaFraBa) schwebte 1926 ein "Mittelding zwischen Eisenbahn und Landstraße" vor. Geplant war eine Autostraße zwischen den Hansestädten Frankfurt und Basel.
HaFraBa
Das Kürzel steht für den "Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte Frankfurt – Basel". Der Verein wurde 1926 gegründet. Ziel war eine Autobahnverbindung zu projektieren, die von Hamburg über Hannover und Frankfurt nach Basel führt. Die HaFraBa gilt als erstes großes Aubahnprojekt Deutschlands.
Im Jahr 1932 weihte Konrad Adenauer eine Strecke zwischen Köln und Bonn ein – die erste "Nur-Autostraße" der Welt. Es folgten Strecken im Ruhrgebiet und in Baden. Hiernach sollte Berlin mit München verbunden werden. Inmitten der Bauarbeiten stoppte die Wirtschaftskrise jedoch alle Bauvorhaben.
"Keine Straße der Reichen!" – Autobahnen passten nicht in das ideologische Weltbild der Nationalsozialisten. Pläne für Schnellstraßen blockierten die Funktionäre der NSDAP in den Parlamenten.
Doch kaum waren sie an der Macht, erkannten die Nazis das propagandistische Potential, das von den Straßen ausging.
Schnell verbreitete sich der Mythos, der Führer habe eines Tages einige Linien auf ein Blatt Papier gemalt und mitgeteilt, er stelle sich so ein deutsches Fernstraßennetz vor.
Video: Die Autorinnen Susanne Brahms und Michaela Herold über das Thema "Mythos"
Einstellungen, Infos und Kommentare
In wie weit die Fahrbahnen Hitlers Kriegsstrategie unterstützen sollten, ist umstritten. Für militärische Schwertransporte waren die Straßen nicht ausgelegt. Trotzdem bevorzugte Hitler kriegsstrategisch wichtige Strecken, wie Berlin – Stettin – Danzig – Königsberg. Andere wirtschaftlich wichtige Strecken wie Bremen – Dortmund wurden zurückgestellt.
Parolen und Propaganda
Der Bevölkerung vermittelte das Regime, dass man durch den Bau der Autobahn massiv die Zahl der Arbeitslosen reduzieren könne. "Nirgends verdrängt die Maschine die menschliche Arbeit", lautete die Parole, weshalb man auf die bereits hochentwickelten Bagger verzichtete. So wurden junge Männer den Strapazen des Straßenbaus ausgesetzt.
Viele von ihnen wohnten in der Gemeinde Reeßum. Für nur 25 Pfennig pro Stunde arbeiteten sie dort unter schwerster körperlicher Belastung. Dass schließlich um 1935 tatsächlich die Zahl der Arbeitslosen sank, ist weniger auf den Straßenbau, als vielmehr auf die allgemeine wirtschaftliche Erholung zurückzuführen.
"Autobahn propagandistisch ausgeschlachtet", [0:55]
Mit dem Wirtschaftswunder im Dritten Reich, konnten sich immer mehr Menschen Autos leisten. Goebbels Propaganda versprach, das ganze Volk an der Motorisierung zu beteiligen. Doch trotz Wachstum waren die Autobahnen baulich überdimensioniert und deshalb während des Dritten Reiches zu keiner Zeit ausgelastet.
Obwohl die Schnellstraßen kaum genutzt wurden, trieb das Regime den zügigen Bau mit aller Härte voran. Tausend Kilometer sollten pro Jahr geschafft werden. Den Preis dafür zahlten die Bauern, die ihres Landes enteignet wurden und die Arbeiter, die gegen ihren Willen zum mühsamen Bau der Autobahnen gezwungen wurden. Um den propagandistischen Effekt zu verstärken, wurden die Straßen nach höchsten Qualitätsstandards gebaut. "Erst wo Deutschland aufhört, darf das erste Schlagloch beginnen", wird Hitler zitiert.
Die Entstehung des ersten Autobahnprojekts (HaFraBa)
Dokumente und Berichte im Bundesarchiv
Dokumente der Nazi-Propaganda
Link zur Internetseite des Bundesarchivs
Dossier: Als die Autobahn in den Norden kam
Die A1 ist eine der ältesten und längsten Autobahnen Deutschlands. Ihren Ursprung hat sie in Oyten nahe Bremen. Dort wurde 1933 der erste Spatenstich gesetzt. Seitdem hat die A1 viel erlebt – und vieles verändert. Radio Bremen blickt auf 75 Jahre Autobahngeschichte zurück. Mehr...
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