Die Böttcherstraße
Am 6. Oktober 1954 – genau zehn Jahre nach dem verheerenden Luftangriff – eröffnete Bürgermeister Wilhelm Kaisen die wiederhergestellte Böttcherstraße. Er tat es mit eher zurückhaltenden Worten:
"Es ist schon schwierig, einen Bogen zu mauern, wer es mal versucht hat, der weiß, was dazu gehört, den Bogen herauszubekommen. Diese ganzen Ornamente und so weiter, alles das in Stein zum Ausdruck bringen, das ist eine großartige Leistung. Wenn ich das sehe, empfinde ich immer wieder Bewunderung, trotzdem ich den Stil, das muss ich ganz offen sagen, einen anderen gewünscht hätte. Aber immerhin, die ganze Leistung, die darin zum Ausdruck kommt, ist eine Bewertung der Arbeit und des schöpferischen Willens, der auch den letzten Handwerker beseelt haben muss, der an dieser Arbeit mitgewirkt haben muss, und das geweckt zu haben, das getan zu haben, das ist das, was groß an Ludwig Roselius ist. Das ist viel mehr wert als Geld und alle anderen Dinge. Sondern das ist das Zeichen, der Beweis, das Beispiel dafür, wo man die Lebensborne wecken kann, dass sie Leben geben. Und das spricht aus dieser Straße, neben der großartigen Freundschaft und Treue, die in dem ganzen Werke zum Ausdruck kommt."
Audio: Wiedereröffnung der Bremer Böttcherstraße 1954
Einstellungen, Infos und Kommentare
Die Böttcherstraße ist wieder da. Aber sie trägt ein neues Etikett: Die Straße der Freundschaft und der Treue. Vom deutschtümelnden Geist des Ludwig Roselius ist im Nachkriegsdeutschland keine Rede mehr. An der Spitze der HAG-AG steht nun ein unbescholtener Mann, der – mit Unterbrechungen – dem Unternehmen seit 1928 verbunden ist: Wilhelm Nolting-Hauff. Als so genannten "jüdischen Mischling 1. Grades" hatte man den Juristen 1933 zwar aus der bremischen Rechtsanwaltskammer geworfen. Ludwig Roselius aber behielt Nolting-Hauff als Syndikus und Finanzexperten. Der Gründer der Böttcherstraße mochte ein tümelnder Völkischer, Hitler-Anhänger und esoterischer Atlantisschwärmer sein – ein Judenhasser war er persönlich nicht.
In großen Teilen originalgetreu wurde die Böttcherstraße wieder aufgebaut. Zwar waren die Inneneinrichtungen – Holzvertäfelungen, Türen, Treppen – unwiederbringlich zerstört. Aber die Backsteinfassaden wurden sorgsam restauriert.
Auch einige Korrekturen wurden vorgenommen: vor allem in Hoetgers Paula-Becker-Modersohn-Haus und der Fassade des Hauses Atlantis.
1979 verkaufte Ludwig Roselius junior, der Sohn des Firmengründers, die Firma Kaffee HAG für rund 100 Millionen Mark an den amerikanischen Lebensmittelkonzern General Foods. Zwei Jahre später erwarb Roselius als Privatmann die mitverkaufte Böttcherstraße von General Foods. Eine nur scheinbar ideale Lösung. Als die HAG-Erben Geld brauchten, verkaufte Roselius 1988 das Haus Atlantis an einen schwedischen Hotelkonzern. Dass die Böttcherstraße damals nicht wie eine Salami zerteilt und meistbietend verhökert wurde, ist der Sparkasse in Bremen zu danken. Das Geldinstitut kaufte den Rest des Ensembles. Mäzenatentum hat in der Hansestadt eben doch Tradition.
Man würde der Böttcherstraße nicht gerecht, wollte man zwischen den Backsteinfronten nur auf das Raunen der Vergangenheit lauschen. Die Straße erzählt auch eine Erfolgsgeschichte: Von der begehbaren Weltanschauung wandelte sie sich zur demokratischen Kulturmeile. Hier hob sich bereits 1946 der Vorhang der "Kammerspiele", hier debütierte 1985 die "Bremer Shakespeare Company". Das "Atlantis"-Filmtheater bietet seit vielen Jahren ein anspruchsvolles Filmprogramm. Seit 1954 wird alljährlich der "Kunstpreis der Böttcherstraße" für zeitgenössische Kunst verliehen. Das alles, dicht gedrängt, auf gerade einmal 110 Metern. Nicht zu vergessen Kunsthandwerk, Gastronomie und ein Casino, das die Spielleidenschaft seines Publikums in ansehnliche Einnahmen für die gemeinnützige Stiftung "Wohnliche Stadt" verwandelt.
Die Böttcherstraße
![Böttcherstraße um 1926 [Quelle: Böttcherstrassen-Archiv, Stickelmann] Böttcherstraße um 1926 [Quelle: Böttcherstrassen-Archiv, Stickelmann]](/wissen/dossiers/boettcherstrasse/boettcherstrasse120_v-mediateaser.jpg)
Die Bremer "Böttcherstraße" ist eine ehemalige Handwerkerstraße von gerade mal 110 Metern Länge, die der Bremer Unternehmer und Mäzen Ludwig Roselius in den Jahren 1922 bis 1931 in ein einzigartiges Architekturensemble aus expressionistischen Bauformen und mythologischen Versatzstücken umwandeln ließ.
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