Weniger Förderung
Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister will Förderung von Bioenergie zurückfahren. Denn Studien haben gezeigt, dass Biomasse bei der Energiewende kontraproduktiv sein kann.
Biogasanlagen: Fluch oder Segen für Niedersachsen?
Eine soeben vorgestellte Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina kommt zu ernüchternden Ergebnissen: Im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie verbrauche Bioenergie mehr Fläche und sei häufig mit höheren Treibhausgasemissionen und Umweltbeeinträchtigungen verbunden.
Zwar stimme es, dass bei der Bildung von Biomasse prinzipiell so viel klimaschädliches Kohlendioxid aufgenommen wie später bei der Verbrennung wieder freigesetzt werde. Damit die Pflanzen aber gediehen, müssten sie gedüngt werden. "Düngung führt allerdings zu Emissionen von Stickstoff-basierten Treibhausgasen", heißt es in der Studie.
Einen weiteren Minuspunkt sehen die Autoren der Studie im umfangreichen Import vor allem von Futtermitteln. Dabei wird die Rechnung aufgemacht, dass auf mehr deutschen Feldern Futtermittel angebaut würden, wenn dort nicht Energiepflanzen kultiviert würden. Durch die Importe von Futtermitteln und anderer Biomasse würden aber die Risiken einer intensiven Landwirtschaft exportiert.
Und schließlich würden die Monokulturen etwa von Mais – der energiereichsten Nutzpflanze – die Artenvielfalt auf dem Land bedrohen, mit negativen Folgen für den Umweltschutz insgesamt. Viele Landwirte in Niedersachsen haben in Biogasanlagen investiert. Die meisten der kleinen Kraftwerke stehen im Landkreis Cloppenburg. Nordwestradio-Moderatorin Gaby Schuylenburg sprach darüber mit Renate Geuter, Landtagsabgeordnete der SPD im niedersächsischen Landtag und Kreisvorsitzende des SPD-Verbands Cloppenburg.
Das Gespräch zum Anhören:
Biomasse: Ein energiepolitischer Irrweg? , [5:08]
Gespräch mit Renate Geuter (MdL SPD)
Strom aus Biogas wird nicht im klassischen Sinne durch Bundesmittel gefördert. Der Verbraucher zahlt einfach einen etwas höhreren Strompreis, der den Erzeugern zugute kommt. Die Ankündigung McAllisters betreffe also zunächst einmal diejenigen, die im großen Stil Biogas produzieren, "also die Rwes und Eons", sagte Werner Hilse, dem Präsidenten des niedersächsischen Bauernverbandes, im Gespräch mit dem Nordwestradio. Zwar gebe es in der Biogasproduktion inzwischen große Konkurrenz, er sehe aber noch eine Zukunft in dem Bereich, in dem Reststoffe verwertet werden, so Hilse weiter. Den Anlagen beispielsweise, die Gülle verwerteten, sollten weiterhin eine entsprechende Einspeisevergütung zugute kommen, schlägt er vor. Alles andere sei sicherlich zu hinterfragen.
Ein grundsätzlicher Wegfall der Einspeisevergütung sei nicht hinnehmbar: "Wir brauchen für die bestehenden Anlagen den geltenden Vertrauensschutz von 20 Jahren", so Hilse. Für neue Anlagen sei der Einspeisesatz inzwischen ohnehin so weit abgesenkt worden, dass es Landwirte nicht mehr interessant sein, in Biogasanlagen einzusteigen. Was das tatsächliche Potential von Biogas bei der Energiewende angehe, solle man "nicht zu euphorisch" sein. Zum ursprünglichen Plan der Bundesregierung, bis 2050 ein Viertel des Energiebedarfs durch Biomasse zu decken, sagte Hilse: "Wir wissen alle, dass die Anbauflächen auch für Nahrungsmitte gebraucht werden".
Bezüglich der Schädlichkeit der Biogasproduktion ist Hilse überzeugt, dass konsequentes Energiesparen der Umwlet mehr nützt, als die Produktion von Biogas einzustellen. Es gebe zunehmend mehr Reststoffe in der Landwirtschaft. In Rinderzuchtbertrieben könnten die Landwirte 30 bis 50 Prozent Gülle in ihre Anlagen einspeisen – das sei eine positive Bilanz. Dass den Bauern das nicht erlaubt sein solle, könne nicht sein.
Das Gespräch zum Anhören:
Biogasanlagen nicht mehr fördern?, [5:37]
Gespräch Werner Ilse, niedersächsischer Bauernverband
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