Eigener Strom aus Syke
Um die Energiewende voranzutreiben und aktiv etwas gegen Atomstrom zu tun, nehmen inzwischen einige Bürger die Sache selber in die Hand. Dabei setzen sie auf ein uraltes Geschäftsmodell: Die Genossenschaft. In Syke beispielsweise hat die Genossenschaft "Bürger-Energie Syke" gerade ihre dritte neue Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Feuerwehr installiert.
Gerade auch in ländlichen Regionen wachsen Energiegenossenschaften stark
Gegründet wurde "Bürger-Energie Syke" nach dem Börsencrash und der Finanzkrise 2008. Rund 45 Bürgerinnen und Bürger fanden sich damals spontan zusammen. Sie wollten ihr Geld nach der Krise lieber vor Ort, direkt in Syke, anlegen.
Reportage:
Genossenschaftliche Energiewende , [3:11]
Die Energiegenossenschaft in Syke
Die Gewinne der Genossenschaft werden zum Teil an die Mitglieder ausgeschüttet. Der Rest wird wieder investiert. Neue Investitionspläne existieren bereits. Die Syker möchten das Dach des Rathauses nutzen und eine Elektro-Tankstelle installieren. Außerdem wollen sie in Windkraft und Blockheizkraftwerke investieren. "Wir haben einen Investitionsstau", sagt Vorsitzender Ralf Borchers.
Die Vorteile von Energie-Genossenschaften liegen für Professorin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf der Hand. Man könne sein Geld gewinnbringend anlegen, habe eine gewisse Mitbestimmung und die erneuerbaren Energien seien als nachhaltige Energieform attraktiv. Viele Bürger wollen die Energiewende unterstützen, sagt Claudia Kemfert.
Hintergrund:
"Energiewende von unten": Ein Zukunftsmodell?, [4:43]
Gespräch mit Claudia Kemfert, DIW
die Zahl der Energie-Genossenschaften nimmt auch in ländlichen Regionen sehr stark zu. "Die Energiewende wird praktisch zu fast 50 Prozent von solchen Energie-Genossenschaften getragen", sagt Kemfert. Sie seien alles andere als der berühmte "Tropfen auf den heißen Stein". Mehr als 50 Prozent des Geldes für die erneuerbaren Energien komme inzwischen aus Bürgerhand. "Das ist das große Fundament der Energiewende", betont Kemfert
im Radio-Bremen-Interview
Finanziell ist die Genossenschaft "Bürger-Energie Syke" gut aufgestellt. Allerdings fehle es an Unterstützung durch die Politik, beklagt ihr Vorsitzender Ralf Borchers. Diese habe die großen Nordsee-Windparks im Fokus, nicht aber die kleinen lokal verankerten Genossenschaften. Umweltminister Altmaier hat nun angeregt, Bürger auch am Netzausbau zu beteiligen: Wer sein Geld in Hochspannungsleitungen investiert, soll dafür fünf Prozent Rendite bekommen. Für Claudia Kemfert ist dies eine gute Idee, um auch für den Netzausbau Azeptanz zu bekommen.
Der lange Weg zur Energiewende
Das große Radio-Bremen-Dossier zum Thema
"Anbieter nutzen Gunst der Stunde für Preissprünge"
Interview mit Claudia Kemfert zu steigenden Strompreisen
Dossier: Energiewende
Bis 2022 sollen alle deutschen Atommeiler vom Netz genommen und durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Doch die Umstellung ist nicht leicht. Wie es jetzt um die Energiewende steht, erfahren Sie hier. Mehr...
Weitere Artikel zum Thema
Mediathek
Das Thema "Energie" im Radio und Fernsehen
Jetzt auf radiobremen.de
Titanic sticht wieder in See: Australischer Milliardär will Megadampfer nachbauen
Krise der Gesundheit Nord: SPD fordert Finanzkonzept für städtische Kliniken
Werder Bremen: Sportdirektor plant mit Arnautovic und Elia
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"