Energiewende Osterholz
Eine Energiewende im Kleinformat – das hat sich der Landkreis Osterholz vorgenommen. Bis 2030 möchte die Region unabhängig von den großen Energieversorgern sein und ihren eigenen Strom erzeugen und das mit ausschließlich regenerativen Energien. Mit Biogas, Windkraft, Solarenergie und Umweltwärme will sich der Landkreis künftig selbst versorgen.
Windräder dort, wo Strom gebraucht wird: Stromnetz in Osterholz dezentral.
Die "Energiewende OHZ 2030" setzt dabei auf einen Mischung aus allen erneuerbarer Energiequellen. Parallel dazu soll durch Sanierungsmaßnahmen und energiesparendes Bauen ebenfalls zum Klimaschutz beigetragen werden. Seit das Projekt 2009 mit einer Anschubfinanzierung auf den Weg gebracht geht wurde, hat sich einiges getan.
"Wir rechnen damit, unseren Strombedarf vielleicht schon 2014 selbst decken zu können", erzählt Ulrich Müller. Er ist Projektkoordinator der Energiewende Osterholz. Hauptsächlich sei das den Photovoltaikanlagen im Landkreis zu verdanken.
Aber auch die beiden Windparks, die sich aktuell noch im Bau befinden, werden erheblich dazu beitragen, dass sich die Region in naher Zukunft unabhängig von den großen Unternehmen machen kann. Etwas schwieriger als die Stromversorgung ist die Wärmeversorgung, aber auch das sei bis 2030 machbar, ist Müller überzeugt.
Die Energiewende in Osterholz scheint zu funktionieren und schnell voran zu kommen. Was also läuft bei den Osterholzern anders bei der Umstrukturierung auf Bundesebene?
"Wir haben unsere Energiewende als Top-Down-Prinzip initiiert", erklärt Ulrich Müller. Das heißt, die Interessenten aus Politk, Verwaltung und dem Energiesektor im Landkreis Osterholz haben sich zusammen gesetzt und gemeinsam die Planung übernommen.
Trotz guter Koordination, sei es aber auch besonders wichtig, dass ein solcher Prozess von der Bevölkerung mitgetragen wird. Und das scheint in Osterholz der Fall zu sein. "Die Stimmung in der Bevölkerung ist sehr positiv", so Müller. Das mache sich auch auf politischer Ebene bemerkbar. Parteiübergreifend habe es immer einen Konsens gegeben, was das Thema Energiewende angehe.
Am 29. März 2012 hatte die Bundesregierung eine Neuauflage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen, die erneute Kürzungen der Subventionen, vor allem in der Photovoltaikbranche, vorsieht. Zum weiten Mal in diesem Jahr sollen hier die Fördermittel gekürzt werden.
Eine Herausforderung für die gesamte Branche, doch auch diese Einschränkung scheint für die Energiewende in Osterholz nur ein kurzfristiges Problem zu sein. Müller rechnet mit weiterhin steigenden Kosten für die Stromkunden, wodurch die Betreiber der Photovoltaikanlangen die staatlichen Kürzungen kompensieren könnten. "Ich halte das EEG für ein Auslaufmodell, das auf Erzeugerseite gar nicht mehr so sehr benötigt wird", so Müller weiter.
Natürlich ist eine solch umfangreiche Umstrukturierung des Energiesektors auf kleiner Ebene wesentlich unkomplizierter als die Energiewende in der gesamten Bundesrepublik. Dennoch kann der Rest der Republik vielleicht einiges lernen von der Energiewende im Kleinformat.
"Letztendlich kommt es darauf an, die Bevölkerung von einer solchen Idee zu überzeugen", sagt Müller, "eine gewisse ideelle Motivation ist natürlich schön, aber es müssen sich auch individuelle Vorteile ergeben." Die Bewohner des Landkreises Osterholz bezahlen im Jahr große Summen an Energieunternehmen aus anderen Regionen oder anderen Ländern. Mit der "Energiewende Osterholz" lässt sich die Wirtschaftskraft in der eigenen Umgebung fördern.
"Wichtig ist es aber auch, die Energieversorgung zu dezentralisieren", betont Müller. Viel Energie gehe durch die langen Transportwege verloren. Koppele man also Stromerzeugung und Bedarf nah aneinander, wie in Osterholz, so spare man sich die Transportwege und Energieverluste und kann zusätzlich die wirtschaftlichen Strukturen in der eigenen Region fördern.
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