Widerstand in Niedersachsen
Seit der Fukushima-Katastrophe ist klar, dass der Atomausstieg in Deutschland bis 2022 vollzogen sein soll. Doch der Netzausbau stockt und die Stromkosten steigen. Zudem regt sich Widerstand gegen geplante Freileitungen. Wie lässt sich die Energiewende dennoch voranbringen? Darüber haben wir in "Nordwestradio unterwegs" live in Harpstedt diskutiert.
Video: Erdkabel oder Strommasten?
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An Niedersachsens Küsten entsteht Strom aus erneuerbaren Energien. Um den sauberen Strom ins Landesinnere transportieren zu können, müssen in den kommenden Jahren, laut der Deutschen Energie Agentur (dena), 3.600 Kilometer neue Höchstspannungsleitungen gebaut werden.
Allein in Niedersachsen sollen in den nächsten Jahren sechs Stromtrassen mit fast 400 Kilometern Länge entstehen – und zwar auf folgenden Strecken: Wahle – Mecklar, Ganderkesee – Sankt Hülfe, Wehrendorf – Sankt Hülfe, Diele – Niederrhein, Stade – Dollern und Wilhelmshaven.
Gegen die von Netzbetreibern geplanten Freileitungen gibt es überall in der Region erbitterten Widerstand. Freileitungen sind im Augenblick zwar überall Standard und schnell und günstig aufzubauen. Nachteile sind allerdings, nach Angaben der Niedersächsischen Staatskanzlei der hohe Stromverlust und die elektromagnetische Strahlung. Die Grenzwerte hierfür sind gesetzlich geregelt. Allerdings kommen verschiedene Studien zu verschiedenen Ergebnissen, ob und in welchem Ausmaß sich der Elektrosmog der Leitungen auf Menschen auswirkt.
Die meisten Bürgerinitiativen fordern daher eine Erdverkabelung. Der Vorteil: kein Elektrosmog. Allerdings ist diese Variante viermal teurer und relativ unerforscht. Auch gegen den Netzausbau von Ganderkesee nach Sankt Hülfe bei Diepholz wird erbittert gekämpft. "Unsere seit rund neun Jahren stehende Forderung, dass umweltfreundlich erzeugte Energie auch umweltfreundlich transportiert werden muss, ist vor dem Hintergrund der Energiewende hochaktuell", sagt Hiltraud Lindemann von der Bürgerinitiative In der kommenden Woche endet die Frist für das laufende Planfeststellungsverfahren in Sankt Hülfe.
Entlang der Küste wartet man auf den zügigen Ausbau der Netze. In Bremerhaven hofft man besonders, vom Ausbau der Offshore-Windenergie profitieren zu können. Viele Firmen haben sich bereits in der wirtschaftlich schwachen Küstenregion angesiedelt, doch der Ausbau der Windenergie-Branche geht nur schleppend voran. Viele Firmen klagen auch über bürokratische Hemmnisse, über die fehlende Anbindung an das Stromnetz und über die zögernde Haltung von Investoren und Banken sowie über mangelnde finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand. Die Windenergieagentur Bremerhaven/Bremen (WAB) spricht von insgesamt schlechten Rahmenbedingungen für den Ausbau der Hochseewindkraft.
Wie steht es um die Energiewende?
Welchen Anteil an der Entwicklung hat die deutsche Energiepolitik?
Warum kommt der Netzausbau nur zögernd voran?
Sind Erdkabel die schnelle, aber teure Lösung?
Gesprächsrunde (v.l.:) Horst-Lutz Schäfer, Tom Wagner, Jörg Lüning, Otmar Willi Weber, Rolf Rockitt, Hiltraud Lindemann und Hanso Janssen
Die Live-Diskussion fand statt im Hotel "Zur Wasserburg" in Harpstedt.
Moderation: Otmar Willi Weber, Redaktion: Hilke Theessen
Erdkabel oder Strommasten? , [44:11]
Dossier: Energiewende
Bis 2022 sollen alle deutschen Atommeiler vom Netz genommen und durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Doch die Umstellung ist nicht leicht. Wie es jetzt um die Energiewende steht, erfahren Sie hier. Mehr...
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