6. Juni 2012, 7:35 Uhr
Steigende Strompreise
Wohlfahrtsverbände warnen vor "Energiearmut" durch steigende Strompreise: Denn in den vergangenen Jahren ist der Strompreis für die Verbraucher um durchschnittlich zehn Prozent gestiegen. Auch durch die Energiewende. Für Hartz-IV-Empfänger eine zunehmende Belastung. Wie kann die Energiewende dennoch bezahlbar gestaltet werden?
Audio: Droht immer mehr Menschen die Stromabschaltung?
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Der Atomausstieg lässt die Preise steigen: Um rund zehn Prozent ist der Strompreis durchschnittlich während der Regierungszeit der schwarz-gelben Koalition jährlich gestiegen. Inzwischen hat nach Angaben des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen jeder zehnte Haushalt Schwierigkeiten, seine Stromrechnung zu bezahlen.
Und künftig drohen den Stromkunden weitere Belastungen: Das Düsseldorfer Oberlandesgericht ordnete am 6. Juni 2012 eine Neuberechnung der Netzentgelte an. Diese sind Teil des Strompreises und werden von den Versorgern an die Netzbetreiber gezahlt. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, könnten die Betreiber höhere Netzentgelte verlangen.
Besonders betroffen sind Hartz-IV-Empfänger. Wohlfahrtverbände warnen bereits vor einer "Energie-Armut". Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat für 2013 bereits weiter steigende Strompreise angekündigt. Eine Familie mit drei Kindern wird pro Jahr mit etwa 175 Euro zusätzlichen Stromkosten rechnen müssen – für
Hartz-IV-Empfänger kaum bezahlbar.
Mehr als 200.000 Hartz-IV-Empfängern wurde im vergangenen Jahr bereits der Strom abgeschaltet, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Für das Kappen und Wiederaufschalten eines Stromanschlusses stellt der Stromanbieter zusätzlich ein Entgelt von 160 Euro in Rechnung.
Strom dürfe nicht zu einem Luxusgut werden, forderte Bundesumweltminister Altmaier von der CDU. Und die FDP sprach sich dafür aus, die Ökosteuer abzuschaffen.
Audio: Jürgen Trittin im Interview: Wer zahlt die Energiewende?
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Jürgen Trittin möchte die gestiegenen Strompreise nicht der Energiewende anlasten. Im Gespräch mit Radio Bremen sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, dass der Strompreis an der Stormbörse kontinuierlich sinke, während er bei den Haushalten weiter steige. Grund dafür sei die Tatsache, dass Strom- und Netzbetreiber ihre Marktmacht missbrauchten. Zudem habe die Bundesregierung die Kosten für die erneuerbaren Energien den Großbetrieben erlassen und auf die privaten Haushalte umgelegt. "Der Hartz-IV-Bezieher subventioniert die bundesdeutschen Großverbraucher", so Trittin gegenüber Radio Bremen.
Der lange Weg zur Energiewende
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