Interview mit Energie-Experten
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz soll reformiert werden, um die Energiewende doch noch zu schaffen. Der Strompreis soll nicht mehr so stark steigen – dafür sollen die Zuschüsse für erneuerbare Energien sinken. Ist das der richtige Weg? Radio Bremen stellt Fragen an den Energie-Experten Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.
Radio Bremen: Herr Krawinkel was halten Sie denn von den Reformplänen?
Holger Krawinkel: Da hält sich Licht und Schatten die Waage. Das ist sicher richtig, dass es problematisch ist in Bestandsanlagen einzugreifen, also im Nachhinein die Vergütung zu kürzen. Das haben wir auch abgelehnt, aber ansonsten sind da 'ne Menge gute Vorschläge, um eben tatsächlich einen weiteren Anstieg der EEG-Umlage zu verhindern. Also zum Beispiel eine stärkere Beteiligung der Industrie, aber auch Absenkungen von Vergütungen bei Windkraftanlagen im Norden, Streichung von Boni für Biogasanlagen. Das ist alles sehr sehr sinnvoll und von daher hoffe ich ja sehr, dass beim Kanzlergipfel auch tatsächlich was rauskommt.
Radio Bremen: Was erwarten Sie denn was rauskommt bei dem Kanzlertreffen? Da wird ja auch die Bundeskanzlerin und der Bundesumweltminister da sein. Und das ist ja auch nicht das erste Treffen zu dem Thema.
Holger Krawinkel: Das ist natürlich die andere Frage. Hoffnung ist die eine Sache, realistische Erwartungen die andere. Was man so hört: Von den 1,8 Milliarden als Einsparung, die ursprünglich mal geplant waren, sind wohl nur 200 Millionen konsensfähig. Das liegt daran, dass die Bundesländer sehr unterchiedliche Interessen haben. Dort wo es viel Biogasanlagen gibt, will man natürlich nicht dort kürzen. Wo es Windkraftanlagen gibt, im Binnenland, die mehr Geld brauchen, will man auch keine Kürzungen. Dort wo es Industrie gibt, energieintensive Industrie, sollen die nicht mehr bezahlen...da kann man schon sehen, dass das ein sehr schwieriges Unterfangen ist.
Radio Bremen: Also dreht es sich im Grunde wieder im Kreis.
Holger Krawinkel: Ja, das ist richtig. Es fehlt einfach an verlässlichen Verfahren, hier Kompromisse zu finden. Das reicht natürlich nicht, sich ein-, zwei Mal bei der Kanzlerin zu treffen, sondern es muss verbindliche Verfahren geben, bei denen Kompromisse zwischen den Ländern untereinander und zwischen Bund und Ländern dann ausgehandelt werden können.
Radio Bremen: Müssen denn die Strompreise steigen?
Holger Krawinkel: Natürlich ginge es günstiger und es geht auch in der Zukunft günstiger. Ein Land wie Dänemark, 40 Prozent erneuerbare Energien in der Stromerzeugung, hat eine EEG-Umlage von 1,5 cent. Herr Habeck, der Energieminister von Schleswig-Holstein, rechnet vor, wenn es in Deutschland so liefe wie in Schleswig-Holstein, wäre die EEG-Umlage nur bei 2,3 cent. Das liegt an der Technologiewahl. Wir haben zu viele teure Technologien in unserem erneuerbaren Energiemix. Biomassennutzung zum Beispiel, früher Solarenergie, das ist jetzt günstiger geworden - und künftig vor allem Offshore-Windenergie. Das ist viel viel teurer als Windenergie an Land und geht natürlich dann in die Strompreise ein.
Radio Bremen: Hier in Bremen wird ja eben alles in das Thema Offshore gesteckt. Allein 180 Millionen Euro fließen aus Bremen in den neuen Offshore-Terminal....lohnt sich die Mühe? Das klingt ja gerade nicht so.
Holger Krawinkel: Das ist genau das Problem: Länder wie Thüringen haben ein hohes Interesse an der Solarenergie. Biomasse in Bayern hatte ich schon erwähnt. Und so ist es natürlich auch in Bremen mit der Offshore-Windenergie. Wenn jedes Land jetzt seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt, wird es nie zu einem Gemeinschaftswerk. Sondern irgendeiner, ein Schiedsrichter, muss natürlich auch mal sagen: "So, wir gehen jetzt den kostengünstigsten Pfad für die Verbraucher, für die Wirtschaft" - und der würde natürlich bedeuten, dass zum Beispiel Offshore-Windenergie zumindest deutlich langsamer ausgebaut wird als bisher geplant.
Radio Bremen: Es gibt aber auch viele gute Gründe für Offshore: Es gibt keine Bürgerinitiativen, die dagegen klagen können, denn die Windräder sind weit genug weg. Wind weht immer, also eigentlich müsste Offshore doch eine gewisse Versorgungssicherheit bieten.
Holger Krawinkel: Da gibt es sicher Vorteile, aber das Problem in Deutschland ist eben, dass wir diese Anlagen so weit ins Meer hinaus stellen. Andere Länder wie Großbritannien, Dänemark machen das küstennah. Da sind die technischen Risiken deutlich geringer und natürlich auch die Kosten. Ich glaube, da haben wir ein Stück weit aufs falsche Pferd gesetzt.
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