Interview zu Strompreisen
Rekordverdächtig: So stark sind die Strompreise noch nie gestiegen wie zum anstehenden Jahreswechsel. 190 Versorger ziehen die Preise an. darunter auch die Bremer SWB und die Oldenburger EWE. Sie rechtfertigen das mit der Ökostrom-Umlage. Das allein kann nicht der Grund sein, kritisiert Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Radio-Bremen-Interview.
Claudia Kemfert.
Radio Bremen: Was wir gerade erleben ist der größte Anstieg bei Strompreisen, der je registriert wurde. Woran liegt das?
Claudia Kemfert: In erster Linie liegt es daran, dass der Anteil der erneuerbaren Energien auf den Strompreis umgelegt wird, die sogenannte EEG-Umlage, die im Moment steigt. Allerdings muss man deutlich sagen, dass es auch preissenkende Faktoren gibt
Prof. Claudia Kemfert
Seit April 2004 leitet sie die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Außerdem lehrt sie seit drei Jahren als Professorin für Energieökonomie an der Hertie School of Governance.
Nämlich welche?
Der Preis, den die Versorger an der Börse zahlen, sinkt deutlich im Moment. Er ist in der Vergangenheit schon um mindestens ein Cent pro Kilowattstunde gesunken.
Das hört sich erstmal wenig an, aber das ist an der Börse wirklich viel. Nur das wird an die Verbraucher leider im Moment nicht weiter gegeben.
Aber die Energieversorger begründen steigende Preise mit der Ökostrom-Umlage – heißt das: zu unrecht?
Es ist so, dass die Versorger im Moment die Gunst der Stunde nutzen, weil die Energiewende in aller Munde ist, zu behaupten, dass die Energiewende zu riesengroßen Preissprüngen führt. Die Ökostrom-Umlage steigt zwar, aber das kann nicht der alleinige Grund sein.
Große, energie-intensive Unternehmen sind von der Umlage befreit. Was bedeutet das für die Privatkunden?
Das bedeutet, dass diejenigen, die das noch zahlen müssen, immer weniger werden und dadurch einen immer größeren Anteil schultern müssen. Hier ist auch eine politische Antwort nötig. Denn viele Unternehmen sind in diese Außnahmeregelung mit reingekommen, obwohl sie diese Kriterien gar nicht erfüllen. Und damit werden die privaten Haushalte zusätzlich belastet.
Ein anderes Argument der Versorger für den Preissprung sind die steigenden Netzentgelte, das heißt die Gebühren für die Nutzung der Stromnetze. Was sagen Sie dazu?
Die Netzentgelte können es gar nicht sein, weil die Bundesregierung noch nicht mal beschlossen hat, dass die Konzerne das umleiten dürfen. Das ist ein bisschen erstaunlich, dass da was eingepreist wird, was es noch nicht mal gibt.
Hat der Kunde denn ein Sonderkündigungsrecht?
Sie haben sowieso immer die Möglichkeit zu wechseln. Und jeder Kunde sollte jetzt auch seine gewisse Macht nutzen und sich über einen Wechsel informieren und anschauen, wo es preisgünstigere Angebote gibt. Denn das kann sich wirklich lohnen. Und ein Wechsel ist ganz problemlos möglich.
Übersicht: Welche Anbieter ihre Preise erhöhen
Übersicht über die Stromversorger im Nordwesten
Auch SWB erhöht die Preise
Strom und Gas in Bremen werden teurer
Dossier: Energiewende
Bis 2022 sollen alle deutschen Atommeiler vom Netz genommen und durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Doch die Umstellung ist nicht leicht. Wie es jetzt um die Energiewende steht, erfahren Sie hier. Mehr...
Weitere Artikel zum Thema
Mediathek
Das Thema "Energie" im Radio und Fernsehen
Jetzt auf radiobremen.de
Titanic sticht wieder in See: Australischer Milliardär will Megadampfer nachbauen
Krise der Gesundheit Nord: SPD fordert Finanzkonzept für städtische Kliniken
Werder Bremen: Sportdirektor plant mit Arnautovic und Elia
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"