Solarenergie
Die Solarenergie galt noch zu Beginn des neuen Jahrtausends als Vorreiterin für die Umstellung auf regenerative Energien. Doch mehr und mehr wird der Solarboom gehemmt – sei es durch den stetigen Preisverfall der Anlagen oder den Kürzungen der Fördermittel. Neue Firmen aus Fernost drängen in den Markt, deutsche Hersteller rutschen in die Insolvenz. Ein Überblick.
Jahrelang hat das Geschäft mit den Sonnenstrahlen geboomt. Wie geht es nun weiter?
Die jüngsten milliardenweren Einschnitte stießen auf massiven Widerstand der Solarbranche und der Bundesländer. Da letztere ihre Zustimmung im Bundesrat verweigerten, einigte man sich im Juni 2012 auf weniger massive Einschnitte. In einem Kompromiss einigten sich Bund und Länder auf weniger massive Kürzungen in der Solarförderung.
Privatpersonen, die auf ihren Dächern eine Solaranlage installiert haben, erhalten nun 18,5 statt den geplanten 16,5 Cent. Weiterhin besonders betroffen von Kürzungen sind hingegen die Betreiber von großen Solarparks. Diese müssen weiterhin mit Einschnitten bis zu 30 Prozent rechnen. Solarfarmen, die über 10 Megawatt Strom produzieren werden künftig überhaupt nicht mehr gefördert.
Außerdem wurde eine Deckelung der Solarförderung beschlossen: Übersteigt die durch Sonnenstrahlen produzierte Leistung 52.000 Megawatt, läuft die Förderung aus. Derzeit werden etwa 28.000 Megawatt Solarstrom produziert. Dieser Wert könnte sich allerdings in naher Zukunft extrem erhöhen, denn nicht ausgeschlossen ist, dass gerade jetzt massiv in Photovoltaik investiert wird, um noch die für 20 Jahre garantierten Fördergelder zu kassieren. Somit könnte der Boom der Solarindustrie trotz Einschnitte neu aufflammen.
Vom Boom in den Bankrott
2004 begann der Boom der Solarenergie. Ganze Regionen setzten auf einen wirtschaftlichen Aufschwung durch das Geschäft mit den Sonnenstrahlen. Zahlreiche Solarfirmen bauten Fabriken in Deutschland und auch Privatpersonen ließen sich Photovoltaik-Anlagen aufs Dach montieren. Wer in Solartechnik investierte konnte mit hohen Subventionen rechnen: Mit 99 Cent wurde die Kilowattstunde Solarstom vergütet. Umgelegt wurde diese Solarförderung auf den Strompreis aller Verbraucher. So trieb der rasante Solar-Zubau die Stromkosten der gesamten Bevölkerung in die Höhe. Auf der anderen Seite verbilligten sich die Solarmodule drastisch: Konkurrenten aus China waren in der Lage, Solarzellen weitaus günstiger zu produzieren als in Deutschland.
Seit 2006 hat sich der Preis von Solaranlagen mehr als halbiert. Mittlerweile stammen rund 80 Prozent der Solarmodule aus China. Rund 500 chinesische Solarfirmen drängeln sich derzeit auf dem Markt. Massive Überkapazitäten drücken auf die Preise. Es gibt zu viele Hersteller von Solaranlagen, das Angebot liegt über der Nachfrage. Immer mehr Firmen werden Opfer eines desaströsen Preisverfalls, in Deutschland, den USA, aber auch in China selbst.
Schuldzuweisungen angesichts zahlreicher Firmenpleiten
Als krisensicher gilt die Solarbranche längst nicht mehr. Im April 2012 musste der weltweit führende Photovoltaikhersteller Q-Cells Insolvenz anmelden. Es war bereits die vierte größere Pleite in der deutschen Solarindustrie innerhalb kurzer Zeit. Für die Pleitewelle macht die Opposition die Bundesregierung verantwortlich.
Bereits zum 1. Januar 2012 war die Förderung von Solarstom auf ein Drittel gekürzt worden, Ende Februar 2012 beschloss die Bundesregierung erneut überraschend milliardenschwere Einschnitte. Demnach sollte der Sonnenstrom künftig nur noch mit 19,5 statt mit 24,43 Cent je Kilowattstunde gefördert werden – ein Rückgang um 20 bis 30 Prozent.
Ihre Entscheidung begründete die Bundesregierung damit, dass die Solaranlagen durch die günstigeren Module aus Asien deutlich erschwinglicher geworden seien. Außerdem gebe es mittlerweile viel mehr Solarstrom, als zuvor kalkuliert worden war. "Derzeit erhält die Solarenergie 50 Prozent der Ökostromumlage, kann aber nur drei Prozent des Strombedarfs in Deutschland decken", sagte der umweltpolitische Sprecher der Niedersächsischen FDP-Fraktion Gero Hocker.
Von den Grünen hagelte es unterdessen Kritik: "Die Maßnahmen sind zu drastisch", sagte Christian Meyer (Grüne), "die Pleite der Solarunternehmen zeigt doch, dass es so nicht funktioniert". Die Solarbranche werde irgendwann in der Lage sein auf eigenen Füßen zu stehen, aber man dürfe nicht den Fehler machen, die Entwicklung jetzt zu behindern, betonte Meyer weiter.
Während die Fördergelder für Solarstrom mehr und mehr gekürzt werden, soll auch ein neues Förderprogramm aufgelegt werden. Dieses soll Zinsvergünstigungen bieten für Investitionen in Anlagen zur Stromspeicherung. Da die Stromleistung von Solaranlagen wetterbedingt schwankt, gewinnen Stromspeichertechnologien immer mehr Wichtigkeit.
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