Dumping-Preise
Die Hersteller von Solarzellen in Deutschland sind in Not: Mit Dumping-Preisen der Konkurrenz aus Asien können sie nicht mithalten, namhafte deutsche Unternehmen wurden aus dem Markt gedrängt. Für 2013 sind Prognosen schwierig, Experten rechnen aber mit weiteren Insolvenzen.
Als krisensicher gilt die Solarbranche in Deutschland schon lange nicht mehr. Q-Cells, Solarworld, Centrotherm, Solarwatt, Phoenix Solar, Solon, Solar Millenium, Sovello…die Liste der Solar-Unternehmen, die finanziell in die Knie gegangen sind, will nicht enden. Im März 2013 hatte auch Bosch den Ausstieg aus dem Solargeschäft mitgeteilt, die Beschäftigten kämpften noch im April um ihre Arbeitsplätze – Ausgang offen. Doch nicht nur in Europa und den USA, sondern auch in China ist die Konkurrenz größer geworden: Einer der weltgrößten Hersteller von Solaranlagen, Suntech, hat im März 2013 Insolvenz angemeldet.
Suntech und andere Hersteller Chinas hatten sich in den vergangenen Monaten mit Dumpingvorwürfen auseinanderzusetzen. Europäische Unternehmen werfen den Chinesen vor, ihre Produkte unter Produktionskosten in Europa zu verkaufen. Möglich sei das durch massive Subventionen des Landes. In den USA waren die Solarproduzenten deshalb bereits zu hohen Geldbußen verurteilt worden, zudem verhängten die USA Strafzölle gegen Solarprodukte aus China. Europa ist noch nicht so weit, die EU-Kommission ermittelt noch.
Solarenergie
2004 begann der Boom der Solarenergie. Ganze Regionen setzten auf einen wirtschaftlichen Aufschwung durch das Geschäft mit den Sonnenstrahlen. Zahlreiche Solarfirmen bauten Fabriken in Deutschland, auch Privatpersonen ließen sich Photovoltaik-Anlagen aufs Dach montieren. Wer in Solartechnik investierte, konnte mit hohen Subventionen rechnen.
Noch zu Beginn des neuen Jahrtausends galt Solarenergie als Vorreiterin für die Umstellung auf regenerative Energien. Doch die Insolvenzen und die Novelle des Fördersystems führen zu einem Bremseffekt. Der Preis von Solaranlagen hat sich Deutschland seit 2006 etwa halbiert. Immer mehr Solarmodule stammen aus China, dort drängeln sich etwa 500 Unternehmen auf dem Markt. Überkapazitäten drücken die Preise. Und in Deutschland ist die Förderung von Solarstrom in den vergangenen Monaten gekürzt worden: Laut dem Erneuerbare Energien-Gesetz gibt es für Solaranlagen bis 10 Kilowatt gab es im April 2012 noch 19,50 cent pro Kilowattstunde, seit Anfang des Jahres wurde der Zuschuss auf weniger als 17 cent abgesenkt. Für größere Solaranlagen gab es im April 2012 noch 13,50 cent – und jetzt weniger als 11,78 cent pro Kilowattstunde. Die Opposition hält diese Kürzungen für zu drastisch und schiebt der Bundesregierung die Schuld für die Insolvenzwelle der deutschen Unternehmen zu.
Doch schwarz-gelb kontert, dass die Kürzung sein musste, weil das Fördersystem den Deutschen sonst um die Ohren fliegt. Der Anteil des Solarstroms am Gesamtstromaufkommen liegt nach Angaben des umweltpolitischen Sprechers der FDP Niedersachsen, Gero Hocker, bei nur drei Prozent. Von der Ökostromumlage würden aber 50 Prozent an die Solarbranche gezahlt. Das sei ein Missverhältnis, das korrigiert werden müsse. Gefördert werden soll stattdessen die Stromspeichertechnologie, weil die Stromabgabe von Solaranlagen wetterbedingt schwankt.
Boom-Center für Solarenergie ist aktuell Japan. Dort bekommen Solarstromerzeuger derzeit umgerechnet 29 cent pro Kilowattstunde (37,7 Yen). In Japan ist Regenerative Energie quasi eine nationale Aufgabe. Seit dem Fukushima-Vorfall will man die Energieerzeugung auf möglichst viele Bereiche verteilen. Dank der lukrativen Förderung könnte Japan noch bis Ende 2013 fünf Gigawatt Strom mit Solarzellen erzeugen, das entspricht der Leistung von fünf Atomkraftwerken. Anfang des Monats hat die Politik in Japan auf den Boom reagiert und die Vergütungssätze gekürzt. Möglicherweise, weil sie in Deutschland erlebt hat, was passiert. Aber trotz der Kürzungen liegt die Rendite in Japan für Investoren immer noch bei attraktiven Werten bis zu sechs Prozent.
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