"Windforce 2012" in Bremen
Ende Juni 2012 war die Öffentlichkeit zur Messe Windforce in Bremen eingeladen. Mehr als 100 Hersteller und Zulieferer von Windkraft-Anlagen präsentierten ihre Produkte. Thema war die Lage der Windkraft-Branche. Dabei ging es unter anderem um die problematische Finanzierung von Windparks auf hoher See, um rechtliche und um Haftungsfragen. Mehr als 800 Teilnehmer waren dabei.
Eines der drängendsten Probleme für die Offshore-Branche ist immer noch der unzureichende Netzanschluss, um den Strom der Windkraft-Anlagen auch nach Süddeutschland zu leiten.
WAB-Geschäftsführer Ronny Meyer.
Die Bremer Konferenz wolle in dieser Frage "Signale in Richtung Bundesregierung setzen", kündigte die Windenergie-Agentur WAB auf der Konferenz an. Schließlich könne die geplante Energiewende ohne neue Windparks nicht funktionieren, so WAB-Geschäftsführer Ronny Meyer. Wenn das Problem mit dem Anschluss der Anlagen auf hoher See nicht gelöst werde, seien die Ziele der Bundesregierung nur zur Hälfte zu erreichen, betonte Meyer.
Die Windforce fand zum ersten Mal in Bremen statt. Neu ist auch die Fachmesse, die das Konferenzprogramm begleitet – und damit Deutschlands erste Messe für Offshore-Windenergie ist, so die Veranstalter. In den Messehallen stellen neben Herstellern und Zulieferern von Windkraft-Anlagen auch Vertreter der maritimen Industrien aus: Werften, die Spezialschiffe bauen, ebenso wie Anbieter von Dienstleistungen der Logistik und Ausbildung.
Rundgang:
"Windforce 2012" in Bremen, [3:12]
Ein Messerundgang
Reportage:
Rauher Wind: Konkurrenz der Windenergie-Standorte im Norden, [3:14]
Internationale Offshore-Konferenz startet in Bremen
Längst ist die Windenergie auch Hoffnungsträgerin für den Arbeitsmarkt in ganz Norddeutschland geworden. Das zeigt sich allein schon an der wachsenden Zahl von Messen zum Thema:
Da ist die beispielsweise die "Hannover Messe Wind", die "Husum Wind-Energy" und ab 2014 auch die "Wind-Energy Hamburg". Letztere sorgte für politischen Streit, weil die Hamburger ihre Messe zeitgleich zu der der Kollegen in Husum ansetzten. Man sieht: Längst ist an der Küste eine echte Konkurrenz – auch um Ansiedlungen und Arbeitsplätze – ausgebrochen. Denn jeder will ein Stück vom Kuchen haben.
Trotzdem bleibe genug Platz für die "Windforce", meint der Bremer CDU-Politiker Jens Eckhoff, Präsident der Deutschen Stiftung zur Förderung der Offshore-Windenergie: "Was fehlte in einem Gesamt-Messekampf zwischen Husum und Hamburg, ist die Spezialmesse für den Offshore-Bereich", so Eckhoff.
"Und wir glauben, dass Offshore etwas ganz anderes ist als Onshore-Wind. Es würde ja auch keiner auf die Idee kommen, den Bereich Onshore-Wind in die 'Intersolar'-Messe integrieren zu wollen", erklärte der ehemalige Geschäftsführer der Windforce-Veranstalter-Firma "Windenergie-Agentur Bremerhaven/Bremen", kurz WAB, Radio Bremen.
Die Windforce sei gut gebucht vom Fachpublikum wie den Ausstellern, sagte Eckhoff. Der Wettbewerb der Messen drücke nicht aus, dass in der Branche das große Hauen und Stechen unter den norddeutschen Standorten ausgebrochen sei. Denn, so Eckhoff: Die Konkurrenten um Unternehmens-Ansiedlungen kämen aus dem Ausland, und nicht aus der Region:
Video: Windforce 2012: Wann kommt der Netzanschluss?
Einstellungen, Infos und Kommentare
"Wenn eine Firma, die das global macht, sich fragt, ob sie einen weiteren Standort im Nordwesten Deutschlands oder eher in Großbritannien oder in Frankreich aufbaut, dann würde es den norddeutschen Küstenländern gut zu Gesicht stehen, besser zusammen zu arbeiten", meint Eckhoff. Dann sei es zwar – wegen der Gewerbesteuer – für die einzelnen Standorte entscheidend, wohin genau der Konzern sich wende. Die Arbeitsplätze dienten aber der gesamten Region, glaubt er.
Und doch bleiben gerade die Arbeitsplätze ein hochsensibles Thema. Das zeigen die Reaktionen auf Pläne der Firma Siemens, bis zu 280 Jobs seiner Windsparte von Bremen nach Hamburg zu verlagern. Noch deutlicher wurde es am Beispiel der "Jade Werke". Der Investor aus China suchte einen Standort, um vor Ort Komponenten für deutsche Windparks herzustellen. Die Chinesen entschieden sich für Wilhelmshaven. Investitionsvolumen: 50 Millionen Euro und bis zu neue 230 Jobs!
In Bremerhaven gab es lange Gesichter. Die Reaktion von Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) fiel angesichts der neuen Konkurrenz wenig diplomatisch aus: "Zwischen Bremen und Niedersachsen ist abgesprochen, dass es drei Hafenstandorte geben soll: Emden, Bremerhaven und Cuxhaven. Ich empfinde sie nicht als Konkurrenz. Aber es zerfranst eben, wenn man jetzt zusätzlich Wilhelmshaven in den Chor aufnimmt", erklärte Grantz nach der Entscheidung für Wilhemshaven.
Ähnliche Kritik wurde in Cuxhaven laut. Dabei ist der Kuchen groß, und er wird größer. Prognosen sehen allein in Bremerhaven in den kommenden Jahren mindestens eine Verdoppelung der 3.000 Offshore-Jobs – allen Verzögerungen beim Bau der Windparks zum Trotz. Die Unternehmen kämen zum Markt, und der liege in der Nordsee. So sieht es Ronny Meyer von der Windenergie-Agentur WAB, die 300 Firmen und Institutionen der Branche vertritt – über alle Förder- oder Standortgrenzen hinaus.
"Nur zusammen können wir den Markt erschließen", sagt er. Man könne aus der Region einen gesamten Offshore-Windpark anbieten, vom Schiff bis hin zur Finanzierung und Versicherung. Aber ein Standort allein könne das nicht abdecken. "Bremerhaven alleine – da fehlen Teile der Wertschöpfungskette. Das gilt auch für Cuxhaven, Bremen. Das gilt für Hamburg", sagt der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur. Wettbewerb unter Nachbarn sei gut – aber Zusammenarbeit sei besser.
Die Hoffnungen in die Windindustrie im Nordwesten sind gewaltig. Strukturschwache Regionen wie Bremerhaven, die unter der Werftenkrise und der Abwanderung der Fischerei gelitten haben, versprechen sich hunderte Arbeitsplätze. Doch kann die Windenergie allein diese Strukturprobleme an der Küste auffangen? Wird der Boom der Branche halten, oder platzt da bald eine riesige Blase, weil soviel Wind im Nordwesten doch nicht zu machen ist?
Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW in Berlin, sagt, es sei richtig, sich große Ziele zu stecken. Der große Ausbau der Windenergie werde kommen. Die Frage sein nur, ob man es bis 2020 schaffe. Gerade beim Netzausbau müssten große technische Probleme überwunden und zeitgleich Naturschutz berücksichtigt werden.
Die Planer hätten sich dabei bisher zeitlich, finanziell und technisch überschätzt, so Kemfert im Nordwestradio. Doch das Potenzial der Zukunftstechnologie sei groß.
Hintergrund:
Kann die Windenergie die Erwartungen erfüllen? , [5:28]
Gespräch Claudia Kemfert, Energie-Expertin
Die Windkraft-Branche fordert von der Politik Regeln für den Strom-Anschluss von Windparks auf See. Das teilten die Teilnehmer der Offshore-Messe beim Auftakt ihres Treffens mit. Anderenfalls sei die Energiewende gefährdet. Das Energieunternehmen RWE rechnet wegen der Anschluss-Probleme des Windparks Nordsee-Ost vor Helgoland inzwischen mit einem Schaden im dreistelligen Millionenbereich. Bremens Wrtschaftssenator Günthner kündigte im Rahmen der Messe an, dass Bremen weitere 30 Millionen Euro in die Erschließung des Offshore-Hafens Bremerhaven investieren will.
Bremerhaven ist einer der wichtigsten Standorte für den Anlagenbau für Offshore-Windenergie: Gerade hat das Land Bremen weitere 30 Millionen Euro für den Ausbau des Offshore-Standortes Bremerhaven investiert – in Bauprojekte rund um den Fischereihafen, die Unternehmen bessere Zugangswege zum künftigen Offshore-Terminal am Weserufer gewähren sollen.
Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung "BIS", setzt sich seit vielen Jahren für den Ausbau des Windenergie-Standortes Bremerhaven ein. Er sei jetzt gut aufgestellt, ist er überzeugt. Seit einigen Jahren begännen sich die Investitionen des Landes auszuzahlen, erklärte er im Radio-Bremen-Interview:
3.000 Arbeitskräfte seien bislang in Bremerhaven in diesem Sektor beschäftigt. Die meisten davon entstanden bei den vier großen Herstellern von Windrad-Komponenten: Areva Wind, Repower, Powerblade und Weserwind. Dienstleister, Zulieferer, Forschungseinrichtungen, Ingenieurbüros, Qualifizierungs- und Weiterbildungseinrichtungen seien gefolgt. Die gesamte Wertschöpfungskette zur Schaffung von Offshore-Energieanlagen haben sich in den vergangenen Jahren in der einst strukturschwachen Region niedergelassen. Nun gelte es, die Rahmenbedinungen weiterhin so zu gestalten, dass sich die Unternehmen vor Ort positiv entwickeln können.
Zwischen 7.000 und 14.000 potenzielle neue Arbeitsplätze für Bremerhaven hätten wissenschaftliche Prognosen langfristig vorhergesagt. Die ersten Auswirkungen seien bereits jetzt auf dem Bremerhaven Arbeitsmarkt zu spüren. Das beeinflusse auch das einstige "Armenhaus"-Image, das Bremerhaven noch vor einigen Jahren in der überregionalen Berichterstattung ausgezeichnet habe. Nun profitiere Bremerhaven auch von den positiven Zuschreibungen Neuer Energien. Nur: Der Netzausbau müsse eben noch schneller gehen, beklagt auch der BIS-Geschäftsführer.
Interview:
Die Zukunft der Windenergie in Bremerhaven, [5:27]
Nils Schnorrenberger im Gespräch mit Nordwestradio-Moderator Tom Grote
Weitere Informationen zur Windforce:
Homepage der Windforce 2012
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