Offshore-Windenergie
Die Zweifel an dem Ausbau der Offshore-Windenergie werden immer lauter. Nun hat sich auch der Bundesverband der deutschen Verbraucherzentralen kritisch geäußert. Sprecher Holger Krawinkel betonte im Nordwestradio, dass die Windenergie an Land deutlich günstiger sei und auch die Kosten des Leitungsausbaus wesentlich geringer wären.
Radio Bremen: Sie warnen vor dem Ausbau der Offshore-Windenergie. Warum?
Holger Krawinkel: Zurzeit gibt es etwa 200 Megawatt Offshore-Windenergie, geplant sind etwa 2.500. In den nächsten zwei, drei Jahren sollen die fertig werden. Was danach wird, ist relativ offen. Der entscheidende Punkt ist, dass wir Alternativen haben: Windenergie an Land ist deutlich billiger. Es gibt jetzt Untersuchungen eines Think Tanks in Berlin, die belegen, dass die Energiewende pro Jahr drei bis vier Milliarden Euro kostengünstiger gemacht werden kann, wenn auf Offshore-Windenergie weitgehend verzichtet wird, und der Strom mit Windenergie an Land erzeugt wird.
Radio Bremen: Sind die Zahlen dieses Think Tanks denn glaubwürdig?
Holger Krawinkel: Die Ergebnisse halte ich für sehr belastbar und sie haben noch gar nicht berücksichtigt, dass die Leitungsanbindungskosten für Windparks auf hoher See noch einmal deutlich teurer geworden sind. Also würde das Ergebnis möglicherweise noch ungünstiger für Offshore ausfallen.
Video: Was darf die Energiewende kosten?
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Radio Bremen: Selbst ohne dieses viel diskutierte Problem mit dem Netzausbau wäre das Ergebnis also gleich schlecht?
Holger Krawinkel: Es zeigt, dass wir sehr viel Windpotenziale an Land haben, nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern auch in südlicheren Bundesländern, und dass das Potenzial zu relativ günstigen Kosten erschlossen werden kann und dass dadurch auch ein Teil der Leitungsausbauten überflüssig werden. Das macht letztendlich den Kostengewinn aus. Und da wir zurzeit über die Strompreisbremse von Altmaier diskutieren, muss es auch darum gehen, wie wir in der Zukunft diese Energiewende kostengünstig hinbekommen. Und da ist eben Offshore ein großer Kostenblock, der sich auf die Strompreise auswirken wird.
Offshore-Windparks in Deutschland - in Betrieb, im Bau und in Planung.
Radio Bremen: Was schlagen Sie denn jetzt vor?
Holger Krawinkel: Wir haben mit Solarenergie, die deutlich günstiger geworden ist, und Windenergie an Land, zwei Energieträger, mit denen wir die Energiewende erreichen können. Es geht jetzt eigentlich nur um die Frage: Nutzen wir stärker die kostengünstigeren Standorte in Norddeutschland mit möglicherweise etwas mehr Bedarf an Leitungszubau oder gelingt es uns auch, die Potenziale in Süddeutschland für Windenergie an Land zu nutzen. Das sind die beiden Fragen. Beide Alternativen sind etwa gleich teuer. Deswegen wird die Energiewende, glaube ich, einen Tod sterben müssen und das könnte auf Offshore hinaus laufen.
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