Windkraft auf dem Meer
In die Diskussion um den Ausbau der Offshore-Windenergie haben sich Anfang April 2013 auch die Verbraucherschützer eingemischt. Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen warnt vor zu hohen Kosten. Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg widersprach dem im Nordwestradio. Die Nutzung der Windkraft auf dem Meer sei unsere große Ressource bei den erneuerbaren Energien. Photovoltaik sei hingegen immer nur ein "Strohfeuer zur Mittagszeit".
Radio Bremen: In die Diskussion um den Ausbau der Offshore-Windenergie haben sich nun auch die Verbraucherschützer eingemischt. Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherschützer warnt vor zu hohen Kosten. Die Offshore-Windparks seien ein "Irrweg". Haben Sie die rigiden Aussagen von Herrn Krawinkel verblüfft?
Olav Hohmeyer: Ja. Das überrascht sehr. Herr Krawinkel dramatisiert die Situation der Offshore-Energie, nachdem er sehr lange zur Photovoltaik, die wirklich extreme Vergütung bekommen hat, geschwiegen hat. Nun ist das Photovoltaik-Kind in den Brunnen gefallen und jetzt will man plötzlich der Offshore-Energie an den Kragen. Man muss das mal im Zusammenhang sehen. Wir haben bei der Photovoltaik, als sie in einem ähnlichen Entwicklungsstand war wie jetzt die Offshore-Windenergie, pro Kilowattstunde ungefähr 50 Cent Vergütung gezahlt. Das ist mit den Jahren abgesenkt worden, aber im Moment zahlen wir für die Anlage auf dem Hausdach immer noch um die 18 Cent. Offshore-Energie ist ganz am Anfang der Einführung. (…) Offshore bekommt im Moment in den ersten zwölf Jahren 15 Cent und dann für weitere acht Jahre 3,5 Cent. Das heißt im Schnitt vergüten wir den Offshore-Strom mit 10,4 Cent. Das liegt deutlich unter dem, was wir für Photovoltaik zahlen. Und jetzt kommt Herr Krawinkel aus der Deckung und sagt, dass sei alles ganz furchtbar schlimm, obwohl wir dort in Deutschland bessere Bedingungen zur Stromproduktion haben, als mit der Photovoltaik. Offshore ist unsere große Energieressource bei den erneuerbaren Energien und Photovoltaik ist immer nur ein Strohfeuer um die Mittagszeit.
Windparks in der Nordsee vor der Küste Deutschlands: Im Betrieb – im Bau – geplant.
Radio Bremen: Warum ist Herr Krawinkel denn wohl zu dieser Einsicht gekommen?
Olav Hohmeyer: Im Moment gibt es ja ganz viele, die sich furchtbar darüber beschweren, dass die Energiewende zu teuer wird und Herr Krawinkel reiht sich in den Chor dieser Stimmen ein. Natürlich muss er als Verbraucherschützer schauen, dass es für den Verbraucher nicht zu teuer wird, aber er schlägt auf das falsche Opfer ein. Hier hätte er sich sehr viel früher dafür einsetzen sollen, die Vergütung für die Photovoltaik zu begrenzen. Er kommt jetzt viel zu spät, um den eigentlich Kostenauftrieb zu bremsen. Den haben wir uns im letzten Jahr schon mit der Photovoltaik eingefangen. Nun versucht er einen neuen Gegner aufzubauen. Das ist aber insgesamt sehr fatal, weil wir die Offshore-Windenergie für den weiteren Ausbau der regenerativen Energiequellen brauchen werden. Es ist also nicht nur falsch, so etwas zu sagen, sondern schädlich.
Radio Bremen: Die Verbraucher sind nun irritiert und verunsichert. Was kann man dagegen tun?
Olav Hohmeyer: Genau das, was Sie jetzt machen: Experten befragen und die Verbraucher darüber aufklären, warum der Strom teurer wird und das zum Beispiel die Bundesregierung die Lasten ungleich verteilt. Der Wirtschaftsminister etwa beschwert sich einerseits darüber, dass es für die sozial Schwächeren teurer wird, entlastet aber beim Strompreis genau die großen Unternehmen. Der kleine Verbraucher wird belastet. Hier wird dem Verbraucher ganz mächtig Sand in die Augen gestreut und er bekommt kein wirklich reelles Bild darüber, welche Kosten entstehen und notwendig sind und welche Kosten er nur für andere trägt. Darum sollte sich Herr Krawinkel kümmern und nicht darum, die Energiewende selbst zu torpedieren.
Video: Was darf die Energiewende kosten?
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Radio Bremen: Wie steht es denn bei solch turbulenten Diskussionen um die Energiewende?
Olav Hohmeyer: Im Moment steht es schlecht um die Energiewende, weil wir mitten im Wahlkampf sind. Herr Altmeier erzählt hinlänglich viel Unsinn darüber, was notwendig und wichtig wäre. Wenn sie sachlich auf das Problem schauen, schlagen sie sich die Hände über dem Kopf zusammen, aber er versucht, bestimmte Themen für den Wahlkampf zu platzieren. Der Energiewende werden wir uns erst nach der Bundestagswahl wieder wirklich sachlich widmen können.
Radio Bremen: So schlecht scheint es aber um unsere Stromversorgung nicht zu stehen. Das Statistische Bundesamt hat bekannt gegeben, dass wir Strom-Exportmeister sind, etwa in die Niederlande, Österreich oder die Schweiz.
Olav Hohmeyer: Auch nach Frankreich. Wenn Sie sich das anschauen haben wir im zurückliegenden Halbjahr sehr hohe Exportüberschüsse produziert, obwohl wir fünf Atomkraftwerke abgeschaltet haben. Wir stehen mit der Produktion relativ gut da, dürfen uns davon aber nicht von der eigentlichen Aufgabe ablenken lassen. Noch produzieren wir etwa 25 Prozent unseres Stroms aus regenerativen Energiequellen. Wir müssen das aber, um das Klimaproblem zu lösen, auf hundert Prozent bringen. Dafür haben wir vielleicht 40 Jahre Zeit, das komplett umzustellen. Aber es ist schon mal ein gutes Zeichen, dass wir trotz der Abschaltung der Kernkraftwerke keinen Atomstrom aus Tschechien oder Frankreich importieren müssen, sondern nach wie vor exportieren können.
Weiter Informationen:
"Wir müssen die richtige Balance finden"
Rainer Baake im Nordwestradio-Interview.
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