Norddeutschland
Sie galt als Hoffnungsschimmer für die strukturschwache Nordsee-Region: Die Windenergie, speziell die Offshore-Branche. Doch allmählich ist Flaute aufgekommen, was für Unruhe in der Branche sorgt. Dazu zählt nicht nur die Insolvenz des Fundamentherstellers Siag-Nordseewerke Emden. Auch der Firma CSC in Cuxhaven geht die Luft aus.
Repower beschäftigt ab August 2013 keine Leiharbeiter mehr.
Offshore-Pionier Bard suchte vergeblich nach Investoren für seine Tochter Cuxhaven Steel Construction (CSC), einem Unternehmen, das Trägerkonstruktionen für Offshore-Windräder herstellt. Die Folge: Der Betrieb wird am 30. April 2013 eingestellt. 25 der 120 Mitarbeiter sollen in andere Bard-Gesellschaften wechseln. Die ergebnislose Suche nach einem Investor ist letzlich auch ein Abbild der gegenwärtigen Situation in der Offshore-Windindustrie, teilte Bard mit. Beklagt wird eine seit geraumer Zeit anhaltende Verunsicherung, bedingt durch unklare politische Rahmenbedingungen. In der Folge würden Aufträge zurückgehalten.
Beim Rotorblatthersteller Powerblades im Bremerhavener Fischereihafen stehen 400 Leiharbeiter vor dem Ende ihrer Beschäftigung. Wie Repower-Unternehmenssprecherin Verena Puth Radio Bremen bestätigte, sollen die Mitarbeiter bis Mitte 2013 nicht weiter beschäftigt werden. Für die 300 festangestellten Beschäftigten ändert sich bislang noch nichts. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die schwache Auftragslage. Nach derzeitiger Planung werden die Leiharbeitsverhältnisse in zwei Etappen beendet. Die ersten 120 Leiharbeiter verlassen Powerblades bis Anfang März 2013, die übrigen müssen Anfang August bei Powerblades ausscheiden.
Offshore
Bei der Offshore-Windenergie entsteht Strom durch Windräder, die im Meer aufgestellt werden. Weil dort stärkere Winde wehen, sind die Windräder leistungsstärker. Bisher sind auf See etwa 50 Anlagen mit zusammen etwa 200 Megawatt Leistung aufgestellt.
Powerblades' Konzernmutter Repower macht fehlende Investitionen in Offshoreprojekte für den Entschluss verantwortlich: Der Ausbau der Offshore-Windparks in der Nordsee stockt, fertige Windparks werden mit großen Verzögerungen ans Netz angeschlossen - in der Folge halten sich Investoren zurück, weil sie nicht planen können, wann die Parks Geld einbringen. Der Stadtwerkeverbund Tübingen ist deshalb vom Kauf des Windparks "Bard I" zurückgetreten. Auch der EnBW-Konzern hatte seine Pläne für den Nordsee-Windpark "Hohe See" Mitte November 2012 auf Eis gelegt.
Die Folgen des gebremsten Booms sind bis ins Umfeld der Offshore-Industrie, wie etwa bei den Werften, zu merken. Nachdem zum Beispiel auf der insolventen Hamburger Sietas-Werft ein Errichterschiff für Offshorfe-Windparks vom Stapel gelaufen ist, gibt es dort keine Arbeit mehr. Für etwa 400 Mitarbeiter steht nun ein Wechsel in eine Transfergesellschaft an. Bis Ende September 2013 werden sie dort weitergebildet, um anschließend in anderen Bereichen arbeiten zu können. Der Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), Michael Behrendt, sieht die Offshore-Industrie trotzdem als Lichtblick für die Werftbranche. Wenn es mit dem Ausbau der Windparks endlich losginge, wäre sie für einige Zeit gewappnet. Immerhin mussten in den vergangenen fünf Jahren acht Werften und viele Zulieferbetriebe schließen, denn Containerschiffe werden in Deutschland nicht mehr gebaut.
Bericht von buten un binnen vom 12. Februar 2013:
Schlechte Zeiten für die Offshore-Branche, [3:26]
Repower beklagt Verzögerungen in der Offshore-Entwicklung.
Für 2013 erwarten die Hersteller von Windkraftanlagen einen weiteren dramatischen Rückgang. Im April 2013 teilte der Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) mit, dass dafür die Entwicklung in den USA verantwortlich sei. Dort werde mittels der so genannten Fracking-Technologie eine gigantische Menge Erdgas erschlossen. In der Folge sind die Strompreise dort so stark gesunken, dass sich der Bau von Windenergie-Anlagen nicht mehr lohnt. Für Deutschland blickt der VDMA aber optimistisch in die Zukunft. 2012 wurden Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2.415 Megawatt neu installiert. 2013 könnten weitere 3.200 Megawatt dazukommen - davon 400 durch Windparks in der Nordsee.
Vor diesem Hintergrund gerät die Entscheidung des Bremer Senats, einen speziellen Offshore-Terminal bauen zu lassen, zusätzlich in den Blickpunkt. Mit dem Terminal soll der Branche und den Arbeitsplätzen im Land neuer Schwung verliehen werden. Der Bau verzögerte sich allerdings erheblich, weil der Terminal zunächst rein privat finanziert werden sollte, sich aber trotz längerer Suche keine Investoren fanden. Erst anschließend beschloss Bremen, den Terminal ausschließlich mit Steuergeldern zu bezahlen. Ein weiterer Kraftakt für das Haushaltsnotlageland.
Im Energiekonzept der Bundesregierung ist das Ziel festgelegt, bis 2020 rund 10.000 Megawatt und bis 2030 etwa 25.000 Megawatt Strom durch Windkraft zu erzeugen. Verzögerungen beim Netzanschluss, stockende Investitionen und lange Genehmigungsverfahren haben aber bereits 2012 zu der Erkenntnis geführt, dass das erste Ziel nicht erreich werden kann – und die Verzögerungen sind auch nicht aufzuholen.
Mehr Informationen bei Radio Bremen Online, beim Deutschlandradio und beim Nordwestradio:
Die Erste Flaute, [3:11]
180 Millionen Euro für neuen Schwerlasthafen
Netzausbau gerät ins Stocken
Offshore-Windenergie in der Krise? , [4:46]
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