Fraunhofer Institut Bremerhaven
Es ist 83,5 Meter lang und vor sieben Wochen per Schiff nach Bremerhaven gekommen: Das größte Rotorblatt der Welt wird jetzt beim Fraunhofer Institut für Windenergie untersucht. Hier wird getestet, welche Belastungen es aushält, und ob in Zukunft vielleicht noch größere Rotorblätter gebaut werden können. Denn Größe spielt bei Rotoren eine entscheidende Rolle.
Mit einer Länge von 83,5 Metern, ist das Blatt, das in Bremerhaven getestet wird, das Längste der Welt.
Der Test ist für das Institut eine echte Herausforderung. Eigentlich werden hier Flügel von maximal 60 Metern Länge getestet. "Da muss man jeden Arbeitsschritt genau überdenken und zum Teil neue Verfahren wählen, um den Test überhaupt durchführen zu können", sagt Prüfstandsleiter Falko Bürkner.
In den vergangenen Wochen hat mehr als ein Dutzend Techniker und Ingenieure den grünlich schimmernden Prüfling aus Glasfasern, Schaum und Holz mit 200 Sensoren versorgt. Spanngurte halten die armdicken Kabelpakete am Rotorblatt, das in acht Metern Höhe am Prüfblock festgeschraubt wurde. Geschraubt wird auch am Hallenboden, mit Pressluftschrauber, Drehmomentschlüssel und einer gehörigen Portion Ehrfurcht vor dem Riesen-Rotorblatt.
Bei einem Extremlasten-Versuch ziehen Seile etwa eine halbe Stunde lang mithilfe von Hydraulikzylindern am Rotorblatt. Das Blatt biegt sich dabei etwa 20 Meter weit durch. "Es sieht aus wie ein riesengroßer Flitzebogen, und sowohl der Kunde als auch der Zertifizierer, als auch wir sind natürlich extrem angespannt, wie das abläuft", erzählt Bürkner. Dabei kann es kann nämlich passieren, dass das Blatt schlagartig bricht – nicht gerade der Sinn der Übung.
15 Monate Entwicklung hat der Hersteller aus Dänemark in das bislang größte Rotorblatt der Welt gesteckt. Bis zum Sommer 2013 sollen in Bremerhaven monatelange Dauerbelastungstests durchgeführt werden. Ob danach ein noch größeres Blatt kommt? Falko Bürkner rechnet damit, dass Blätter um 90 bis 100 Meter Länge in naher Zukunft noch kommen werden. Denn je länger die Rotorblätter sind, desto weniger Wind ist nötig, um die Turbine zur Stromerzeugung voll auszulasten.
"Das passt dann irgendwann nicht mehr in unsere Halle", sagt Bürkner. "Dann muss man eben die Blätter abschneiden. Das beschleunigt den Ermüdungsversuch und meistens ist die Blattspitze nicht relevant für die Zertifizierung", meint er. So kann in Bremerhaven noch weiter getestet werden, ohne gleich anbauen zu müssen.
Die Serienmodelle dieses Prototyps sollen offenbar vor Englands Küste zum Einsatz kommen. Wenn alle Tests gut verlaufen schon ab 2015. Falko Bürkner vom Fraunhofer Institut in Bremerhaven ist optimistisch: "Als das Blatt zu uns kam, hat man schon gesehen, dass da eine sehr hohe Fertigungsqualität umgesetzt wurde. Das kommt sicherlich aus der Erfahrung der Firma und dementsprechend zuversichtlich sind wir auch, dass das Blatt die Tests besteht", sagt der Experte.
Das größte Rotorblatt der Welt im Härtetest, [2:51]
Ein Beitrag von Mario Neumann
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