Schrottimmobilien in Bremerhaven
Die Anwohner der Bremerhavener Zeppelinstraße sind leidgeprüft. Im Oktober 2011 wurde ihnen von der SWB AG das Wasser abgestellt. Dabei hatten nicht sie selbst es versäumt, ihre Rechnungen zu begleichen. Vielmehr hatte die Berliner Hausverwalter-Firma "Global Trust" die Gelder nicht weitergeleitet. Mehrere Monate mussten sie ohne Wasser auskommen, gegen die insolvente Hausverwaltung ermittelt das zuständige Landeskriminalamt. Nun werden neue Besitzer für die Häuser gesucht.
Video: Baustadtrat Holm und der Nachlass der Spekulanten
Einstellungen, Infos und Kommentare
Wie es so weit kommen konnte, zeigt unsere Chronik:
Anfang Juni 2011:
Das Leben für die Bewohner der Zeppelinstraße wird zum Albtraum. Tagtäglich leben sie in der ständigen Angst, dass ihnen jederzeit Strom und Wasser abgedreht werden könnte. Zwar haben sie ihre Nebenkostenabrechnung bezahlt, doch die Hausverwaltung hat zu wenig an die SWB AG weitergeben. Die Inhaberin eines Friseursalons bangt um ihre Existenz.
19. Oktober 2011:
Nichts geht mehr – in 13 Wohnungen, einer Anwaltskanzlei und in einem Friseursalon in der Zeppelinstraße fließt kein Wasser mehr. In der vergangenen Woche hat die SWB bereits den Strom im Treppenhaus abgestellt. Die Mieter können jetzt den Vertrag mit dem Hausverwalter außerordentlich kündigen. Viele sitzen schon auf gepackten Koffern. Doch wo bekommt man so schnell eine neue bezahlbare Wohnung her?
Hausverwalter "Global Trust" ließ mehrmals die Zahlungsfristen des Energieversorgers verstreichen und hat bisher nur einen Teil der fünfstelligen Summe gezahlt. Zuletzt hatte die SWB direkt mit den Mietern verhandelt, war aber bei nicht allen erfolgreich. Was bleibt den Mietern auch übrig – sie haben ja schon einmal gezahlt. Die SWB muss reagieren: Nun sitzen die Anwohner ohne Wasser da. Das monatelange Hoffen und Bangen war umsonst. Die Berliner Hausverwalter-Firma "Global Trust Liegenschaften" betreut in Bremerhaven etwa 23 Mietshäuser mit 200 Wohnungen. Die Geschäftsführung ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Das Berliner Landeskriminalamt gibt bekannt, dass nun gegen die Firma ermittelt wird. Den Mietern hilft das nicht. Sie gehen teilweise zum Duschen ins Schwimmbad.
Etliche Bewohner sind bereits aus den betroffenen Wohnungen ausgezogen, andere überbrücken mit gefüllten Badewannen und "Dusch-Ausflügen" die Tage bis zum Auszug am Monatsende. Einige hoffen, dass der Konflikt doch noch zu einem gütlichen Ende kommt: "Zuvor hieß es immer wieder, das Wasser werde abgestellt, dann wieder doch nicht", sagt Mieterin Manuela Kammel. "Man ist psychisch und körperlich am Ende. Wir haben vier Kinder und da ist es unheimlich schwierig, die Situation einigermaßen erträglich zu machen."
Die Anwältin Susanne Benöhr-Laqueur hat versucht, das Abstellen des Wassers zu verhindern. Doch aus juristischer Sicht ist der SWB AG nichts vorzuwerfen, sagt sie. Trotzdem ist sie sauer: "Es kann nicht sein, dass die Mieter kollektiv für etwas in Haftung genommen werden, was sie gar nicht verschuldet haben", sagte die Anwältin und fordert eine Gesetzesänderung.
Der gleichen Meinung ist auch der Mieterverein Bremerhaven. Auch der Deutsche Mieterbund sagte, es sei notwendig, Gesetzeslücken zu schließen und Hauseigentümer schneller zur Rechenschaft zu ziehen. In der Politik habe sich bisher aber noch keine Partei des Problems angenommen, es sei noch keine Gesetzesinitiative unterwegs, so ein Sprecher.
Noch immer haben die Mieter kein Wasser. Das Nordwestradio sendet live aus einer der betroffenen Wohnungen. Inzwischen steht nicht nur die Hausverwaltung, sondern auch die SWB in der Kritik: Der Energieversorger habe nicht alles getan, um mit den Bewohnern rechtzeitig nach Lösungen zu suchen, meinen die Mieter. Auch ob die SWB überhaupt das Recht hatte, das Wasser abzustellen, ist nicht geklärt.
Weihnachten ohne Wasser: Ein wahr gewordener Albtraum für die Mieter in Bremerhaven. "Der Hausverwalter ist schuld", sagt die SWB, und der Hausverwalter schiebt den schwarzen Peter zurück. Viele Mieter sind schon aus den Häusern geflüchtet. Das Radio-Bremen-Magazin "buten un binnen" besucht eine Mieterin, die unter Neurodermitis leidet und das Wasser dringend zum täglichen Baden braucht. Sie und ihr Mann sind mit den Nerven am Ende. Wir sprechen mit Bremerhavens Oberbürgermeister.
Drei Monate dauert das Martyrium der Bremerhavener nun schon . Der Streit zwischen dem Energieversorger SWB, den Mietern und dem Berliner Hausverwalter um die Wasserabrechnung schwelt weiter. Fast zehn Mietshäuser in Bremerhaven-Lehe sind inzwischen betroffen. Viele Bewohner sind bereits ausgezogen.
Endlich – nach mehr als vier Monaten – greift das Amtsgericht durch und setzt einen Zwangsverwalter ein.
Der Anwalt. Er soll nun prüfen, welche Wohnungen vermietet sind und welche noch in so gutem Zustand sind, dass sie vermietet werden können. Das Gericht war auf Antrag eines Gläubigers eingeschaltet worden. Weitere Angaben dazu machte ein Sprecher des Gerichts nicht. Zwanzig Häuser sind jetzt von der Wasserabschaltung betroffen. Einige Mieter harren noch immer in ihren Wohnungen aus.
Stadtrat kämpft für Gesetz gegen Schrottimmobilien
Am Beispiel Schleusenstraße in Bremerhaven
Dossier: Energiewende
Bis 2022 sollen alle deutschen Atommeiler vom Netz genommen und durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Doch die Umstellung ist nicht leicht. Wie es jetzt um die Energiewende steht, erfahren Sie hier. Mehr...