"Engel von Bremen" tötet mit arsenhaltiger "Mäusebutter"
"Arsenik und Ratzekraut wächst in Mutters Garten und Gesina ist die Braut, kann nicht länger warten." (D. Hirschbach)
Das von Gesche mit Vorliebe benutzte Gift ist im 19. Jahrhundert als "Mäusebutter" bekannt. Schmalz, mit Arsen versetzt, wird einfach auf Brot geschmiert, um Mäuse im Haus anzulocken und zu töten. Probleme mit Mäusen hatte auch Gesche. Ihre Mutter bringt sie mit einem Topf Gift und einer unbedachten Bemerkung darauf, die Wirkung von Mäusebutter an Menschen zu "testen".
Das erste Opfer von Gesche ist ihr Ehemann Johann Gerhard Miltenberg. Der leidet zwar schon an Syphilis, aber plötzlich stirbt er am 1. Oktober 1813 an anderen Beschwerden: Krämpfe, Erbrechen und starke Bauchschmerzen. Gesche und Miltenberg sind zu dem Zeitpunkt seit siebeneinhalb Jahren verheiratet. 1815 sterben in Gesche Gottfrieds Umfeld gleich fünf Menschen: ihre drei Kinder und ihre Eltern. Am 2. Mai stirbt die Mutter, am 10. Mai die dreijährige Tochter Johanna, am 18. Mai die sechsjährige Adelheid, am 28. Juni der Vater und am 22. September Gesches fünfjähriger Sohn Heinrich.
Alle Opfer leiden an Bauchkrämpfen und Erbrechen. Sie werden von Gesche bis zu ihrem endgültigen Tod gepflegt und umsorgt. In der Bremer Gesellschaft ist sie deshalb als "Engel von Bremen" und als "große Dulderin" bekannt. Es werden zwar immer wieder Gerüchte laut, dass die Häufung von Todesfällen doch etwas ungewöhnlich sei, aber dass Gesche ihre ganze Familie tötete, ahnt niemand. Gesche veröffentlicht sogar rührende Todesanzeigen in den "Bremer Nachrichten" wohl wissend, dass sie für das Sterben in ihrer Familie selbst verantwortlich ist.
Todesanzeige für Johann Gerhard Miltenberg:
Am ersten dieses Monats endigte mein geliebter mit unvergesslicher Mann Johann Gerhard Miltenberg nach kaum vollbrachten 33. Lebensjahre und im achten Jahre unserer vergnügt geführten Ehe, die mit vier Kindern gesegnet wurde, wovon ihm zwei vorangingen seine irdische Laufbahn an einem hitzigen Gallenfieber. Überzeugt auch ohne Beleidsbezeugung, dass jeder, der ihn kannte, den Schmerz und die Tränen gerecht finden wird, die ich mit denen, die sich seines näheren Umgangs erfreuten, an seinem Sarge zolle, füge ich nur noch die Anzeige hinzu, dass die Geschäfte des Verewigten durch ein tüchtiges Subjekt fortgeführt und ich mich bestreben werde, dem Zutrauen derjenigen zu entsprechen, die mich mit ihren gütigen Aufträgen beehren werden.
Gesche Margarethe Miltenberg, geborene Timm
Todesanzeige Heinrich:
Am 22. diesen Monats wurde ich durch den an den folgen einer Verschleimung der Gedärme erfolgten Tod meines geliebten Sohnes Heinrich im sechsten Jahre seines Alters zur kinderlosen Mutter. Verwandte und Freunde, die gerührten Anteil an den mich kürzlich getroffenen harten Schlägen des Schicksals nehmen, werden mich auch jetzt ihres stillen Mitleids würdig finden und mir ihr ferneres Wohlwollen erhalten.
Johann Gerhard Miltenbergs Witwe.
Todesanzeige Gottfried:
Kaum sind die Wundes geheilt, welche mir das Schicksal seit drei Jahren auf so mancherlei Weise bereitete, und der Schmerz überwältigt mich aufs Neue. Meinen mir seit wenigen Tagen angetrauten Gatten, Michael Christoph Gottfried aus Regensburg entriss mir der Tod am 5. dieses Monats durch eine Lungenentzündung. Und meine Hoffnungen auf irdisches Glück gehen damit verloren. Verwandte und Freunde, welche das Maß meiner vielfachen Leiden kennen, werden mir eine stille Träne des Mitleids nicht versagen.
Michael Christoph Gottfrieds Witwe, verwitwete Miltenberg
1816 taucht Gesches Bruder Johann wieder auf. Der ehemalige Soldat galt lange als vermisst. Abgerissen und schwerkrank verlangt Johann seinen Anteil vom elterlichen Erbe. Den hat Gesche jedoch längst ausgegeben. Dies ist für sie Grund genug, auch Johann zu beseitigen. Am 1. Juni 1816 kocht sie ihm eine Portion Schellfisch, den sie vorher mit Arsen "gewürzt" hat. Johann stirbt noch am selben Tag.
Bald nach dem Tod ihres ersten Ehemanns kann Gesche ihre Affäre mit dem Weinhändler Michael Christoph Gottfried voll ausleben. Die Folge: Gesche wird schwanger. Gottfried lässt sich allerdings nicht so einfach überzeugen, die Witwe zu heiraten. So erhält auch er mehrere Male Gift und stirbt am 5. Juli 1817. Vorher hat er Gesche auf dem Totenbett doch noch geheiratet. Ihr gemeinsames Kind wird drei Monate später tot geboren.
In den nächsten Jahren bleibt es ruhig im Leben der Gesche Gottfried. Mittlerweile hat sie einen neuen Verehrer: den Bremer Modewarenhändler Paul Thomas Zimmermann. 1823 macht er Gesche einen Heiratsantrag. Sie willigt ein und die beiden verloben sich. Doch Gesche wartet nicht lange, bis sie wieder zum Gift greift. Am 1. Juni 1823 stirbt auch Zimmermann, das mittlerweile neunte Opfer von Gesche Gottfried. Gesche bleibt nicht mittellos zurück: Der Modehändler hat sie in seinem Testament bedacht.
Rathaus und Marktplatz in Bremen um 1820. Links ist der Krämerladen "Grasmarkt", wo Gesche durch ihre Dienstmagd über Jahre die so genannte Mäusebutter holen ließ.
Was nun geschah, ist von Historikern bis heute nicht zu erklären: Gesche Gottfried geht dazu über, fast schon wahllos in ihrer Umgebung mit kleinen, nicht tödlichen Portionen Gift zu hantieren. Nach weiteren zwei Jahren findet Gesche ein nächstes Todes-Opfer: Anna Lucia Meyerholz, Klavierlehrerin und langjährige Freundin von Gesche Gottfried stirbt am 21. März 1825. Opfer Nummer elf ist Gesches Nachbar Johann Mosees. Nachdem er sich ein Jahr lang mit fürchterlichen Schmerzen gequält hat, stirbt er am 5. Dezember 1825. Die erste Portion Gift bekam er bereits im September 1824.
Im Juli 1826 verkauft Gesche Gottfried ihr Haus in der Pelzerstraße. Der neue Eigentümer heißt Johann Christoph Rumpff. Gesche darf in dem Haus weiter wohnen und arbeitet als Haushälterin für die Familie. Nachdem einige Kindermädchen, Lehrer und Dienstmädchen von Gesche hin und wieder kleine Dosen Gift bekommen, stirbt am 22. Dezember 1826 Rumpffs Ehefrau Wilhelmine. Wenige Tage zuvor hatte sie ein Kind geboren.
Im Mai 1827 vergiftet Gesche die dreijährige Tochter ihrer Dienstmagd Berta Schmidt. Zwei Tage später stirbt auch Berta.
Für den 15. Mord fährt Gesche mit dem Zug nach Hannover, wo der Beschlagmeister Friedrich Kleine wohnt. Bei ihm hat sich Gesche Geld geliehen, das er im Juli 1827 zurückfordert. Das Gift nimmt Friedrich Kleine auf einem Schinkenbrot zu sich. Am 24. Juli 1827 stirbt er. Seine Kinder und das Dienstmädchen haben ebenfalls von den Broten gegessen, sie überleben knapp.
Wieder zurück in Bremen versucht Gesche nun endgültig, den neuen Besitzer ihres Hauses zu beseitigen. Johann Christoph Rumpff entdeckt allerdings im März 1828 "seltsame weiße Substanzen" in seinem Essen. Er zeigt diese Krümel seinem Hausarzt Dr. Luce. Der stellt sofort fest: Im Essen ist Arsen.
Liste ihrer Morde:
Giftmörderin Gesche Gottfried
Anfang des 19. Jahrhunderts tötete sie 15 Menschen, unter anderem ihre Eltern, ihre Kinder und ihre Ehemänner. Mindestens 19 weitere Bekannte haben ihre Attacken nur knapp überlebt. Ganz Deutschland und sogar Europa war geschockt über diese beispiellosen Taten.
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