Drei Jahre in Gefangenschaft: Von der Verhaftung bis zum Urteil
Am 5. März 1828 entdeckt Johann Christoph Rumpff auf einem Stück Speck eine "seltsame weiße Substanz". Zusammen mit einem herbeigerufenen Nachbarn lässt Rumpff den Speck und die weißen Krümel von seinem Hausarzt untersuchen. Hausarzt Dr. Luce analysiert den Stoff als "chemisch und mit Arsenic vermischt". Er benachrichtigt die Polizei.
Gesche selbst erinnert sich später so: "Den Tag kam Herr Doktor Luce vorgefahren und blieb eine geraume Zeit bei Herrn Rumpff. Du bist verraten, sagte mir mein Gewissen; Gott hat dieses so gefügt. Was tust du, gehst du hinunter, fällst Herrn Rumpff und Herrn Doktor Luce zu Füßen, bittest, dass sie dich nicht verraten?"
Gesches Verhaftung, [3:37]
Aus dem Radio-Bremen-Feature "Mäusebutter" von Fritz Tepperwien,1968
Am 6. März 1828 wird Gesche Gottfried in ihrem Haus verhaftet. Es ist ihr 43. Geburtstag. Der damalige Untersuchungsrichter und Senator Franz Friedrich Droste verhört Gesche in ihrem Wohnzimmer. Gesche beginnt mit den Worten: "Es hat mich schon lange danach verlangt, eine genaue Untersuchung über mich ergehen zu lassen. Es ist mir sehr lieb." Scheinbar kommt ihr also der Moment nicht so ungelegen.
Endlich gibt es für Gesche die Möglichkeit, über das, was sie getan hat, zu berichten. Sie wird erst in das Stadthaus am Domshof und später in das neue Detentionshaus am Ostertor gebracht. Gesche Gottfried ist der erste Häftling in der frisch eingerichteten Wache der Bremer "Polizey-Direktion". Drei Jahre verbringt sie dort in einer Zelle mit Blick auf den Innenhof.
Untersuchungsrichter und Senator Dr. Franz Friedrich Droste: Als Präsident des Bremer "Criminalgerichts" leitete er die Verhöre. Rechts ein Porträt um 1820 und links um 1840.
Fast täglich wird sie von den Senatoren Droste und Noltenius verhört. Gesche gesteht Mord für Mord. Droste geht es bei den schrecklichen Geschichten gar nicht gut: Gesches Angstvisionen und die Beschreibungen der einzelnen Taten setzen ihm zu. Er führt während der Ermittlungen ein Tagebuch. Leider ist dieses bis heute verschollen. Droste versucht aber auch, Gesche zu verstehen. Im Laufe der drei Jahre in Haft entwickelt sich zwischen den beiden ein sehr menschliches Verhältnis.
Während der Befragung wird den Kriminalisten in Bremen schnell klar: Sie sind gerade dabei, eines der spektakulärsten Verbrechen aller Zeiten aufzudecken. Nie zuvor ist es jemandem gelungen, solche Taten über mehr als 15 Jahre geheim zu halten.
Nach den Vorschriften des Bremischen Gerichtswesens von 1820 ist es Gesche erst nach den Voruntersuchungen möglich, einen Anwalt zu beauftragen. Ein Bremer übernimmt diese Aufgabe: Friedrich Leopold Voget. Voget versucht durch Fragen über Gesches Leben nach den Gründen für ihre Taten zu suchen. "Wie war ihre Kindheit? Bei wem ging sie zur Schule? Welches Verhältnis hatte Gesche zu ihren Eltern?" Er veröffentlicht seine Berichte 1831 unter dem Titel "Lebensgeschichte der Giftmörderin Gesche Margarethe Gottfried".
Bis zur Wiederentdeckung der Prozessakten 1987 galt dieses Buch als Standardwerk über Gesche Gottfried. Doch nach und nach kommen Zweifel auf: Es lässt sich zum Beispiel belegen, dass Voget aus den Akten und Protokollen der Verhöre absichtlich falsch zitiert hat. Der Expertenstreit um das Leben von Gesche ist also bei heute nicht beendet.
Nach drei Jahren Haft und fast täglichen Verhören spricht das Gericht in Bremen am 17. September 1830 sein Urteil: Tod durch das Schwert. Dieses Urteil wird am 6. April 1831 durch das Oberappellationsgericht in Lübeck bestätigt. Die Hinrichtung wird für den 21. April 1831 festgelegt. Gegen acht Uhr morgens spricht Senator Droste den entscheidenden Satz: "Der Stab ist gebrochen, das Urtheil ist gesprochen, Mensch, du mußt sterben!".
Gesche Gottfried wird enthauptet. Es ist die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen. Mehr als 30.000 Menschen stehen auf dem Domshof und sehen zu. Der Menge wird der abgeschlagene Kopf der Mörderin präsentiert, in Spiritus eingelegt und ausgestellt. Ihr Skelett wird zunächst in einem Schrank aufbewahrt, später dann in das Pathologische Institut der Städtischen Krankenanstalt gebracht. Dort verbrennt es allerdings während des zweiten Weltkrieges.
Urteilsspruch vom 17. September 1830, [2:57]
Aus dem Radio-Bremen-Feature "Mäusebutter" von Fritz Tepperwien,1968
Giftmörderin Gesche Gottfried
Anfang des 19. Jahrhunderts tötete sie 15 Menschen, unter anderem ihre Eltern, ihre Kinder und ihre Ehemänner. Mindestens 19 weitere Bekannte haben ihre Attacken nur knapp überlebt. Ganz Deutschland und sogar Europa war geschockt über diese beispiellosen Taten.
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