Auf Spurensuche
Wenn Touristen in Bremen nach Gesche Gottfried fragen, werden sie erst mal zum "Spuckstein" geschickt. Man muss allerdings ziemlich genau hingucken, um die unscheinbare Stelle neben dem Bremer Dom zu finden. Der Basaltstein mit dem Kreuz in der Mitte liegt genau 18 Meter vor der Nordwand des Doms, gegenüber vom Brautportal.
Welche Stelle hier genau gekennzeichnet wird, darüber gibt es unterschiedliche Versionen: Die eine besagt, dass hier 1831 das Schafott stand, auf dem Gesche geköpft wurde. Oder aber an dieser Stelle blieb der heruntergefallene und rollende Kopf der Giftmischerin liegen. Alles in allem eine blutige Angelegenheit. Seinen skurrilen Namen hat der Stein von der Tatsache, dass seitdem immer wieder Bremerinnen und Bremer voller Verachtung über die Taten der Gesche Gottfried zielgerichtet "ausspuckten".
Nach der Enthauptung wurde Gesche Gottfrieds Kopf in Spiritus eingelegt und im Museum am Domshof ausgestellt. Die Erlöse aus den Eintrittsgelder wurden zugunsten an einer Taubstummenanstalt gespendet. Im "Bremischen Unterhaltungsblatt" stand am 24. April 1831: "Sehr interessant ist der Anblick des Kopfes. Die Gutmüthigkeit schauet auch im Tode noch aus allen Augen. Mit Mühe sucht jeder die Züge der Bosheit, der Arglist und der Mordsucht zu entdecken, weil jeder sie finden will. Aber jene Züge des Edlen stellen sich überall dar."
Sterbliche Überreste durch Brand vernichtet
Der übrige Körper von Gesche Gottfried wurde skelettiert und in einem Schrank aufbewahrt. Noch 1912 fanden Wissenschaftler das Skelett im Pathologischen Institut der Bremer Krankenanstalten (heute Klinikum Bremen-Mitte). Daneben soll auch ein Schädel gelegen haben - jedoch ohne Namensetikett, so dass niemand mit Gewissheit sagen konnte, ob er von Gesche stammte. Während des ersten Weltkrieges brannte das Pathologische Institut aus und damit waren die sterblichen Überreste von Gesche Gottfried nach über 100 Jahren endgültig vernichtet.
Gipsabguss wieder aufgetaucht
Allerdings entdeckten die Forscher ein Foto aus dem Jahre 1912, auf dem der Gipsabguss von Gesches Kopf abgebildet ist. Einer dieser Abgüsse fand sich in der Sammlung eines englischen Gefängnisarztes wieder, die in Winchester ausgestellt werden sollte. Deshalb gab es eine Anfrage beim Bremer Focke-Museum nach Gesches Lebensgeschichte. Seit Ende April 2005 findet sich nun auch wieder in Bremen ein Abguss von Gesches Totenmaske in einer Vitrine des Focke-Museums - eine Kopie des englischen Originals.
Gesches Totenmaske wieder aufgetaucht, [2:36]
26. April 2005 | Radio Bremen TV
Einen Straßennamen hat sich Gesche Gottfried in Bremen bisher noch nicht verdient. Es gibt Menschen, die dies auch ganz in Ordnung finden. Schließlich wohne man nicht gerne in einer Straße, die nach einer Serienmörderin benannt wurde. Aber: es gibt einen kleinen, beschaulichen Weg in einer Kleingartensiedlung in Gröpelingen. Der ist nach Gesche Gottfried benannt und wird eingereiht von ähnlich bekannten Bremer Persönlichkeiten: dem Ottjen-Alldag-Weg, dem Mudder-Cordes-Weg und dem Stadtmusikanten-Weg.
Die Kleingärtner aus dem Verein "Waller Marsch" scheinen mit der Bremer Vergangenheit keinerlei Berührungsängste zu haben. Ob die Namensgebung nach Gesche Gottfried jedoch etwas mit der nahe gelegenen JVA Oslebshausen zu tun haben könnte, das mag dahingestellt sein...
1828 wurde im Bremer Ostertor ein neues Gefängnis fertig gestellt. Das Detentionshaus gegenüber der Ostertorwache. Heute würde man dieses als Untersuchungsgefängnis beschreiben. Die erste Insassin war Gesche Gottfried. Nach über einem Monat täglicher Verhöre wurde Gesche am 13. Mai 1828 in das Detentionshaus überführt. Drei Jahre blieb sie dort - in der Zelle mit der Nummer 38.
Das Detentionshaus diente über 150 Jahre lang als Gefangenenhaus, Gestapogefängnis, Polizeigewahrsam und schließlich als Abschiebehaftanstalt. Heute ist den Bremern das Haus als Wilhelm-Wagenfeld-Haus bekannt. Der in seiner Ursprünglichkeit bewahrte Zellentrakt im rechten Seitenflügel ist zu einer Dokumentationsstätte umgestaltet worden. Sie ist regelmäßig jeden ersten Sonnabend im Monat von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Für Gruppen können zusätzliche Termine vereinbart werden. Kontakt: doku@erinnernfuerdiezukunft.de
Wer genügend Zeit und Muße hat, kann sich in der Bremer Innenstadt auf eine Gesche Gottfried-Zeitreise begeben. Der Anfang liegt in der Pelzerstraße, in der Gesche gewohnt hat. Danach geht es weiter zum Bremer Ratskeller mit seinen über 650 verschiedenen Weinsorten, denn dort Gesches zweiter Ehemann und achtes Giftopfer, der Weinhändler Michael Christoph Gottfried, oft anzutreffen. In der Nähe des Ratskellers befindet sich die Raths-Apotheke. Dort hat Gesche ihre Vorräte an Mäusebutter gekauft. Geht man ein Stückchen weiter, so kommt man in die Obernstraße. Auch hier hat Gesche Gottfried von 1823 bis 1825 gewohnt.
Wieder zurück auf dem Domshof warten gleich mehrere historische Orte: Der Dom, an dessen Nordseite das Schafott zur Hinrichtung stand und wo heute der Spuckstein an Gesche erinnert. Gegenüber vom Dom stand das ehemalige Stadthaus - Sitz des Bremer Criminalgerichts und der Polizei-Direktion. Hier wurde Gesche bis zu ihrer Überführung in das neue Gefangenenhaus, dem Detentionshaus am Ostertor, verhört. Am Ostertor endet auch die Gesche Gottfried Zeitreise: Im heutigen Wilhelm-Wagenfeld-Haus verbrachte Bremens bekannteste Giftmörderin ihre dreijährige Haftzeit.
Giftmörderin Gesche Gottfried
Anfang des 19. Jahrhunderts tötete sie 15 Menschen, unter anderem ihre Eltern, ihre Kinder und ihre Ehemänner. Mindestens 19 weitere Bekannte haben ihre Attacken nur knapp überlebt. Ganz Deutschland und sogar Europa war geschockt über diese beispiellosen Taten.
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