30. Dezember 2012, 19:30 Uhr
buten un binnen Magazin
Filmsequenzen in Farbe zeigen Bremen im Jahr 1939 kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges. Zu sehen sind normale Alltagszenen neben Bildern, die den bevorstehenden Krieg ankündigen. Man sieht aufmarschierende SA-Truppen neben spielenden Kindern, dazwischen Farbaufnahmen einer unzerstörten Stadt.
Bremen im Jahr 1939, kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Nur sehr wenige konnten es sich leisten, zu diesem Zeitpunkt Filmaufnahmen zu machen, schon gar nicht in Farbe. Ein Farbfilm kostete damals 250 Reichsmark, ein Industriearbeiter hat gerade mal 150 Reichsmark im Monat verdient. Zwei wohlhabende Unternehmer aus dem Bremer Ostertor, Walter Hachenburg und Franz Böhm, waren Amateurfilmer und haben ihre Filme hinterlassen. Böhm hatte eine Reparaturwerkstatt in der Sonnenstraße, und zusätzlich die Fiat-Vertretung für Norddeutschland. Hachenburg hatte eine Schilderfabrik neben dem Goethetheater. Sein Geld hat er allerdings mit Leuchtreklame gemacht, damals innovativ und in Deutschland einzigartig. Die Firma Hachenburg gibt es heute noch. Allerdings kennt dort niemand mehr den Namensgeber persönlich. Trotzdem erfährt man bei Hachenburg heute noch etwas über ihn und das Geschäft, das er betrieben hat. Es sind sogar noch alte Glasdias vorhanden.
Die Bilder zeigen, wie das ganz normale Leben wohlhabender Bremer verlaufen ist, wie sorglos sie den herannahenden Krieg zu Kenntnis nahmen. Sie zeigen Bilder vom idyllischen Familien-Leben neben Aufmärschen der Nazis. Stück für Stück greifen die Kriegsvorbereitungen in den Alltag der Menschen ein. Ohne dass es sie erkennbar beunruhigt hätte.
Wir haben die alten Aufnahmen unterschiedlichen Menschen gezeigt und gefragt, was sie ihnen heute noch sagen: einem Geschichts-Leistungskurs aus der Schule am Leibnitzplatz, einem sehr alten Ehepaar aus der Bremer Neustadt und dem Filmhistoriker Diethelm Knauf.
Der Film zeigt neben eindrucksvollen Farbaufnahmen aus der Vorkriegszeit schlaglichtartig die Mentalität der Bremer zu der Zeit. Wir neigen dazu, die Geschichte von ihrem Ende her zu betrachten. Aber die Bremer haben ihre Brötchen immer noch beim Bäcker geholt, wie einer der Interview-Partner kommentierte.
Als die Filme entstanden, waren die jüdischen Bremer bereits weitgehend entrechtet, enteignet oder deportiert. In der Pogromnacht haben bis dahin unbescholtene Bürger unschuldige Juden ermordet. Das ist eine Folie, vor der man diese Bilder auch lesen muss, weil eben diese Gräuel darin keine Rolle spielen. "Die Normalität des Alltags von damals zu sehen schärft die Sinne für den eigenen Alltag", sagte einer der Schüler. Wir sehen die Konstituierung eines Alltags, in dem plötzlich etwas als ganz normal galt, was kurz zuvor noch unmenschlich war.
Bremen in Farbe, [28:46]
Eine Dokumentation von Susanne Brahms.
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