Nach Erdbeben und Tsunami
Ein Jahr nach der Erdbebenkatastrophe an der japanischen Ostküste machte sich ein Forschungsteam aus Bremen auf den Weg nach Japan um zu untersuchen, welche Spuren Beben und Tsunami auf dem Meeresboden hinterlassen haben. Mit dabei: Reporter Eike Besuden und Kameramann Lür Wangenheim, die die Reise dokumentiert haben. Eine Ausstrahlung im Fernsehen ist für Anfang 2013 geplant.
Zwei Wochen lang hat das Radio-Bremen-Team die Forscher auf der Sonne begleitet.
Seit dem 25. März ist Besuden zurück von seiner Expedition in Japan. Auf die Frage wie es ihm zurück am Land geht, lacht er: "Es schwankt nicht mehr." Er und sein Kameramann haben die Tage an Bord, trotz starken Wellengangs, gut überstanden. "Es ist trotzdem schön, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben", gesteht er. Er wäre jedoch auch gerne noch länger auf dem Schiff geblieben." Allein schon deswegen, weil wir die meiste Zeit schlechtes Wetter hatten und manche Dinge nicht wie geplant durchgeführt werden konnten. Zum Beispiel kam das ROV (Remotely Operated Vehicle = ferngesteuertes Forschungsfahrzeug) aufgrund der Wetterlage viel zu selten zum Einsatz."
Zwei Wochen auf einem Schiff zu leben war für Besuden spannend: "Auf dem 100 Meter langen Forschungsschiff gab es genug Möglichkeiten sich zurückzuziehen, wenn einem der Betrieb und die Menschen zu viel wurden", erzählt er. Die Türen der Kabinen standen die meiste Zeit des Tages offen, was bedeutet: Eintreten erwünscht. War eine Tür verschlossen wusste jeder, derjenige möchte gerade ein wenig Ruhe haben. "Das damit verbundene Vertrauen innerhalb der Mannschaft hat mich beeindruckt. Angst vor Diebstahl gab es gar nicht."
Vermisst habe er auf dem Schiff gar nichts. Essen, zum Beispiel, gab es reichlich. Gutes, deutsches Essen. Auch die japanischen Kollegen haben kräftig zugegriffen und neugierig die deutschen Speisen probiert. Die Stimmung innerhalb der Crew war meistens gut. Nur das schlechte Wetter hat Sorgen bereitet, weil unsicher war, was am nächsten Tag durchgeführt werden kann oder was Sturm und Strömung scheitern lässt.
An Bord konnte Besuden sich mit japanischen Wissenschaftlern unterhalten und sie zu der Erdbebenkatastrophe befragen. "Sie haben sehr offen über dieses Thema gesprochen, aber auch sehr neutral und ein wenig stoisch. Als Wissenschaftler haben sie damals sehr schnell gemerkt, dass dies ein schweres Beben ist. Fast alle haben so schnell wie möglich den Fernseher angeschaltet, um Informationen zu bekommen. Von einem anschließenden Tsunami sind sie ausgegangen, allerdings haben sie nicht mit so einer riesigen Welle gerechnet", erzählt Eike.
Auch im Zusammenhang mit der radioaktiven Katastrophe von Fukushima äußerten sie sich eher neutral. "Sie sind sich bewusst, dass sie in einem erdbebenreichen Land wohnen und mit Katastrophen rechnen müssen."
Die Zusammenarbeit zwischen den Bremer Wissenschaftlern vom Marum, dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und den japanischen Forschern kam schon vor Jahren zustande. Besuden erzählt, dass Gerold Wefer, Direktor des Instituts, um diese Forschungsreise ein Jahr nach der Erdbebenkatastrophe sehr bemüht war. Es war natürlich sehr interessant für die Bremer Wissenschaftler zu schauen wie es "da unten", ein Jahr nach dem großen Beben, aussieht und wie der Meeresboden sich dort verändert hat.
Ziel der deutschen und japanischen Wissenschaftler für diese Expedition war es neue Daten über die Meeresbodenbeschaffenheit zu bekommen, ihn zu vermessen und zwei japanische Mess-Stationen zu finden, die während des Erdbebens verschollen gegangen waren. Des weiteren wollte man mit dem ROV neue Stellen am Meeresboden erforschen. Dies war allerdings aufgrund des schlechten Wetters nicht möglich. Sturm und Strömungen haben oft verhindert, dass das ROV ins Wasser gelassen werden konnte oder den Meeresgrund erreicht hat. "Das Wetter kann man nicht beeinflussen. Die Wissenschaftler haben improvisiert und einfach mehr vermessen", berichtet Besuden. "Die Vermessungen des Meeresgrundes sind wichtig um Landkarten vom Meeresgrund zu erweitern und zu verbessern."
Antworten auf die Frage, was den Tsunami ausgelöst hat, können auch nach dieser Reise nur durch Vermutungen beantwortet werden. Die Wissenschaftler der Sonne denken widerlegen zu können, dass ein Abrutschen von Sedimente an einem Hang der Auslöser für den Tsunami war. Sie gehen davon aus, dass durch die Spannung des Bebens eine Platte im Meeresgrund hochgehoben worden ist und dadurch der Tsunami ausgelöst wurde..
Als schönstes Erlebnis beschreibt Besuden den Moment, als die Stationen der japanischen Wissenschaftler wiedergefunden worden sind: "Der Vorgang war faszinierend. Auf den Monitoren wurde etwas auf dem Meeresgrund gesichtet, was ürsprünglich nicht dorthin gehört. Daraufhin wurde eine extra dafür ausgerichtete Kamera in die Tiefe des Meeres herunter gelassen. Auf einem Monitor an Bord war alles was dort am Meeresgrund war, deutlich im Licht der Kamera zu sehen. Auch die vermissten Mess-Stationen der Japaner. Es war deutlich zu erkennen wo sie durch das Erdbeben beschädigt worden sind. Die japanischen Wissenschaftler wissen jetzt wo sie liegen und können wieder kommen, um sie zu bergen. Eine der Messstationen wird nach einer Reparatur wieder in Betrieb geonmmen werden können."
Rückblickend sind die Erwartungen der deutschen und japanischen Wissenschaftler an diese Forschungsreise erfüllt worden. Und auch Besuden ist zufrieden mit dem Material, dass er im Kasten hat. "Die Geschichte wird erzählt werden können", lächelt er. Wann die Dokumentation sendebereit ist, steht allerdings noch nicht fest.
Expedition Japan
Ein Jahr nach der Erdbeben- und Atomkatastrophe in Japan begibt sich ein Bremer Forschungsteam ins Epizentrum des Bebens. Das Ziel: Herausfinden, welche Spuren Beben und Tsunami auf dem Meeresboden hinterlassen haben. Mehr...
Die Fernseh-Dokumentation
Im März 2011 brach ein Team von Geologen, Biologen und Ozeanografen auf, um zu ergründen, wie der verheerende Tsunami in entstanden ist. Eine Doukmentation. Mehr...
Expeditions-Blog
Wie gehen die Forschungsarbeiten voran, was passiert auf dem Schiff? Der Radio-Bremen Film-Autor Eike Besuden berichtet aus seiner persönlichen Perspektive. Mehr...
Expeditions-Logbuch
Aufzeichnungen der Wissenschaftler auf dem Forschungsschiff "Sonne" Mehr...
Erdbeben-Übersichtskarte
Echtzeit-Übersicht bebender Regionen in den letzten 14 Tagen Mehr...
Jetzt läuft
Streit ums Grundwasser in Holdorf
Die Brunnen der Gemeinde Holdorf liefern den größten Teil des Wasserbedarfs der Region Vechta. Nun sollen noch mehr Brunnen noch mehr Grundwasser abpumpen. Viele Anwohner beklagen aber schon jetzt, dass ihre Felder vertrocknen und der Wasserspiegel ihres Badesees sinkt. Welche Folgen hat es, wenn immer mehr Grundwasser aus dem Boden gepumpt wird? Wir diskutieren live vor Ort. Mehr...
29. Mai, 15:05 Uhr | Nordwestradio
Was wir wirklich brauchen – oder wollen!
"Weniger ist mehr", heißt es gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise. Also weg mit dem Auto, auf Marken-Klamotten verzichen – und einfach glücklich sein! Ob das mitten in einer Konsumgesellschaft funktioniert? Eine Sendung über den Traum vom einfachen Leben. Mehr...
28. Mai, 19:05 Uhr | Nordwestradio
Zebra Vier
Jeden Sonntag zwischen 8 und 11 Uhr hört ihr bei Bremen Vier unsere Kindersendung "Zebra Vier", mit vielen tollen Experimenten, Infos und Tipps für Kinder und Jugendliche. Mehr...
radiobremen.de nun auch mobil
Seit dem 25. Februar 2013 ist der Radio-Bremen-Web-Auftritt unter der Adresse "m.radiobremen.de" auch mobil abrufbar. Mehr...
Der neue Rundfunkbeitrag
Der neue Rundfunkbeitrag löst die Rundfunkgebühr ab. Informationen zum Start 2013 hier. Mehr...
Rauschfreier Empfang
Am 1. Februar 2013 hat Radio Bremen sein Digitalradio-Angebot gestartet. Mit dem terrestrischen Digitalradio können die Hörfunkprogramme in rauschfreier Qualität empfangen werden. Mehr...
Wissen-Podcasts
Wissen-Beiträge hören – wann und wo Sie wollen: Hier bieten wir Ihnen jeweils die neuesten Podcast-Dateien zum direkten Download an. Mehr...
Webservices
Wir bieten Ihnen verschiedene Wege, das Programm von Radio Bremen zu empfangen und Möglichkeiten für Sie, mitzumachen: über Podcast, Apps, Soziale Netzwerke, Kommentarfunktionen und mehr. Mehr...
Jetzt auf radiobremen.de
Titanic sticht wieder in See: Australischer Milliardär will Megadampfer nachbauen
Krise der Gesundheit Nord: SPD fordert Finanzkonzept für städtische Kliniken
Werder Bremen: Sportdirektor plant mit Arnautovic und Elia
Neuer Trainer vorgestellt: Robin Dutt: "Werder ist Euphorie pur!"