Nach der Katastrophe
Expedition nach Japan
Genau ein Jahr nach der Erdbebenkatastrophe vor der japanischen Küste gibt es für ein Kamerateam von Radio Bremen die einmalige Gelegenheit, ein deutsch-japanisches Forschungsteam zu begleiten. Es gilt herauszufinden, was am 11. März 2011 tatsächlich geschah und welche Konsequenzen für die Zukunft daraus gezogen werden können. Unser Reporter berichtet in einem Blog von der Fahrt und den Untersuchungen auf der MS "Sonne" vor der japanischen Küste.
Glückliche Japaner
Tauchhelm
Eike Besuden
am 23. März 2012, 13:44 Uhr:
Es war ja lange geplant, dass dies eine gemeinsame Expedition japanischer und deutscher Wissenschaftlern werden würde und dass die Ergebnisse am Ende gemeinsam genutzt werden.
Der Erfolg der Expedition sollte ein Erfolg für beide Seiten sein und so scheint es nun, am Ende der Expedition, auch zu sein.
Zwei verloren gegangene Messstationen hat das ROV, der Bremer Tiefseetaucher vom Marum, wiedergefunden. Ausserdem haben die Japaner zusätzlich neue Messstationen auf den Meeresboden gebracht, die "Ocean Bottom Seismometer" vom Earthquake Research Institute der University of Tokyo.
Zusätzlich hat die "Sonne" aus Bremen mit ihren Geräten und Instrumenten kilometerlange Strecken kreuz und quer über dem Epizentrum des Erdbebens neu vermessen. Nun gibt es neue, detailgenaue Karten, die es vorher nicht gab.
Mit ihnen kann auch belegt werden, dass sich der Meeresboden nach dem Erdbeben vor einem Jahran an manchen Stellen in diesem Teil des Pazifiks um bis zu 50 Meter verschoben hat.
"Für uns war diese Expedition auch ein voller Erfolg", sagt Gerold Wefer, der Chef des Marum in Bremen, "und wenn das Wetter hier nicht so verrückt gespielt hätte, dann wären wir noch viel weiter gekommen. Aber wir sind trotzdem völlig zufrieden und werden noch Monate an der Auswertung der großen Menge an neuen Daten arbeiten."
Und das Radio Bremen Team? Tatsächlich sind auch wir bestens drauf: Nicht einmal haben wir über die Reling gelehnt. Der Magen hat die starken Wellengang schadlos überstanden.
Und Käptn Blaubär hätte reichlich neues Garn zu erzählen: "Das will ich ja nochmal sagen, nich, neulich als wir vor Japaaan lagen und dieser Orkaaan mindestens fünf Leute über Deck gespült hat und ich sie alle einzeln festgehalten habe...."
Erster Tauchgang der Expedition
Erster Tauchgang
Eike Besuden
am 19. März 2012, 12:52 Uhr:
Endlich geht das ROV nicht nur ins Wasser, heute ist es auch abgetaucht und zwar auf 2181 Meter. Zum ersten Mal gibt es auf dieser Reise Bilder vom Meeresgrund!
Keine hundert Kilometer vom Epizentrum des Erdbebens entfernt hatten japanische Wissenschaftler eine Messstation auf dem Meeresboden eingerichtet. Seit einem Jahr, also seit dem Erdbeben, sind von dort keine Messungen mehr gemeldet worden. Die Vermutungen sind, dass dies am Erdbeben gelegen hat oder die Batterien ausgefallen sind.
Um das herauszufinden sind japanische und deutsche Wissenschaftler nun gemeinsam hier und mit Ersatzgeräten an Bord.
Als der Tauchroboter (das ROV) unten ankommt ist keine Messstation zu sehen. Nur schlammiger Boden, ab und zu ein Fisch, ein Krebs und Wurmlöcher.
Aber das ROV hat ein Sonar und die Wissenschaftler eine Vermutung. Wenn vage Annahmen stimmen, könnte die Station durch das Erdbeben nach Südosten verrückt sein.
Und siehe da: Eine halbe Stunde Scheinwerferschwenks entlang des Meeresboden kommt die Station tatsächlich in Sicht.
Der Jubel der Japaner ist allerdings schnell gedämpft, denn die Station ist ruiniert. Der obere Teil ist verschoben, Haltestangen verbogen und keine Chance neue Batterien zu installieren.
Das Ergebnis ist: Die japanischen Wissenschaftler erhalten hoch interessante Bilder von ihrer Station, aber es macht keinen Sinn, ein zweites Mal mit dem Gerät zu tauchen.
Trotzdem, dieser Tag ist sensationell erfolgreich für die Expedition.
Alles auf Null
Eike Besuden
am 18. März 2012, 11:23 Uhr:
Das Tief war ja angesagt und nun ist es da. Seit der Nacht geht es wieder gehörig rauf und runter, die Wellen sind drei bis vier Meter hoch und an Arbeit mit irgendeinem wissenschaftlichen Gerät ist an Deck nicht mehr zu denken.
Dann kommt die Sonne durch.
Das bedeutet aber nicht etwa, dass der Wind nachlässt oder die Wellen sich beruhigen. Im Gegenteil. Inzwischen sagen die Geräte: In Böen Windstärke zehn und das heißt dann schlicht Orkan.
Für den Nachmittag ist eine Kursänderung vorgesehen und die macht dem Kapitän zu schaffen: "Wenn's nicht besser wird, kriegen wir dann alles von der Seite und das ist nicht gut."
Es wird nicht besser, im Gegenteil die Wellen steigen auf fünf Meter und um 16 Uhr heißt das Kommando auf der Brücke:
Fahrt rausnehmen, Bug in den Wind und warten bis es sich wenigstens etwas beruhigt. Abwettern nennt der Seemann das. –
Also. Nichts geht mehr. Neptun hat kein Erbarmen.
Der Jahrestag
Kazuya Kitada
Eike Besuden
am 12. März 2012, 22:56 Uhr:
Der Grund der Expedition ist heute genau ein Jahr her. Und das Epizentrum des Bebens ist kaum 20 Seemeilen vom Standort entfernt. Der Jahrestag spielt an Bord kaum ein Rolle, nur die Japaner erzählen, was sie erlebt haben und wo sie gerade waren als die Erde bebte. "Ich war im fünften Stock in meinem Office", sagt Kazuya Kitada von dem Japanischen Jamstec Institut (für Meeresforschung), wo er im Bereich "Disaster Prevention" arbeitet. Und weil er weiß, das Beben in Japan immer unter dem Meer entstehen, weiß er eben auch, dass meistens ein Welle hinterherkommt! Tsunami ist japanisch und heißt ,Hafenwelle'. "Mein erster Gedanke war, in dem Hochhaus nach oben zu gehen, nicht nach unten und dann nach draußen, denn da kommt vielleicht die Welle!"
Und dann ist heute der Tag an dem der Superroboter ROV zum ersten Mal ins Wasser geht.
Zunächst wieder die Blicke auf die Wellen, auf den Wind und von der Brücke kommen die Strömungswerte. Wieder bedenkliche Gesichter, wieder ringen sie mit sich, aber heute kommt die endgültige Entscheidung: "Ins Wasser mit dem Ding, wir müssen endlich mal einen Tauchgang machen und sehen, was da unten ist."
Also Schwimmwesten an, Ölzeug, Sicherheitsstiefel und eine Stunde später sagt es Platsch und ROV ist im Wasser. Trotz der Schaukelei ist alles gut gegangen, nichts angeeckt und das Tauchfahrzeug entfernt sich langsam von Schiff.
Das ist gut, Hauptsache weg von der Schraube, aber so gut nun auch wieder nicht. Denn: Der Versuch zu tauchen scheitert heute an der Strömung. Sie ist so stark, dass ROV nicht in die Tiefe geht. Sie probieren es nochmal und nochmal und nach einer Stunde im Schneeregen auf dem Achterdeck wird die Entscheidung gefällt: "Wieder einholen!"
Es ist wie verhext. Gestern haben die Wellen das Tauchen verhindert, heute die Strömung.
Und morgen ist sowieso nicht ans Tauchen zu denken, für morgen ist Windstärke 9 vorhergesagt, das ist kurz vor Orkan.
Sonne auf 38° 45.154' N und 143° 19.970' E
Kamera klar für den ersten Tauchgang
Eike Besuden
am 12. März 2012, 12:23 Uhr:
ROV heißt der große Tauchroboter, der auf den Meeresgrund geschickt werden soll. Kameras, Licht, Greifarme, Behälter für Bodenproben, alles hochspezialisiert und ausgetüftelt für die Meeresforschung. ROV steht für remotly operated vehicle.
Lür Wangenheim, unser Kameramann darf sich direkt ans Heck stellen, mit bestem Blick auf Kran und Wasser.
Der erste Tauchgang dieser Reise ist für heute morgen 8:30 Uhr angesetzt. Mit Prognosen, obs auch dazu kommt hält sich Lutz Mallon, der Kapitän, seemännisch klug zurück. "Da warten wir mal ab und sehen, was das Wetter sagt, wenn's soweit ist." Die Windvorhersage ist nicht besonders gut: Aufbriesen im Laufe des Tages.
Die Welle ist knapp über zwei Meter aber in relativ kurzen Abständen zwischen 30 Sekunden und einer Minute. Das ist knapp, um das ROV ins Wasser zu setzten.
Der erste Tauchgang auf einer Fahrt ist immer der Schwierigste. Das ROV hat von Bremen hierher eine lange Reise hinter sich, die Zusatzgeräte auch, alles muss hier neu wieder justiert werden und dann getestet, auf dem Schiff und im Wasser. Die Mannschaft muss sich auch erst wieder einspielen, Monate sind sie nicht auf einem Schiff am Gerät gewesen und jeder Fehler kann fatale Folgen haben.
Ab 6 Uhr wird getestet und nebenbei immer wieder der Blick aufs Wasser. Wie ist die Wellenhöhe, wie ist die Wellenlänge? Heute ist es alles an der Grenze.
Die Diskussionen gehen hin und her, die Entscheidung ist schwer. Gerold Wefer, Chef der Expedition, überlässt dem ROV-Chef die letzte Entscheidung.
Nochmal Blick aufs Meer: OK wir machen es und brechen ab, wenn es schlechter wird. Die ersten Laschen werden sofort losgemacht.
Dann noch ein letzter Blick auf die Wellen und gerade in diesem Moment briest es wieder auf. Die Grenze wäre überschritten.
Innerhalb von einer Minute die neue Entscheidung: "Wir gehen doch nicht raus, es ist zu gefährlich!" Breite Zustimmung, das Risiko für Leute und Gerät ist einfach zu groß.
Frust für eine richtige Entscheidung. Gerold Wefer muss sofort umdenken.
"Wenn wir dann also den Tag nicht hier verbringen für den Tauchgang, dann wird der Meeresboden weiter vermessen!"
Also Fahrt zum nächsten Ort, wo das nächste Profil in 3000 Meter Tiefe vom Schiff aus gemessen werden soll. Zum Glück ist es nur ein paar Seemeilen entfernt und der erste Tauchgang erst mal verschoben. Was sagt der Kapitän? "Dann warten wir mal ab, wie das morgen aussieht."
Sonne auf Position 38°41.222N und 143°19.426 E
Ordentliches Geschaukel
Ein kurzer Augenblick freie Sicht, bevor das Bullauge wieder unter Wasser ist.
Eike Besuden
am 9. März 2012, 12:56 Uhr:
Sabine Heuser ist die Ärztin an Bord und meldet viel Arbeit über Nacht! Aber sie scheint auch erfolgreich zu sein. Inzwischen laufen schon wieder viele übers Deck, als ob das Geschaukel sie gar nicht beeindruckt hätte. Draußen immer noch sieben Windstärken und rauhe See.
Die Stimmung ist zwar etwas gedämpft, aber der Stuart fährt auf, was er hat, Rührei zum Frühstück, Fisch aus der Dose und – special servive - er bringt den Kaffee trotz Selbstbedienung selber vorbei: "Ich will ja, dass am Tisch noch was drin ist in der Tasse!"
Neuste Prognose: Nun werden wir in der kommenden Nacht an der Stelle sein, an der ROV, der Superroboter, zum ersten Mal ins Wasser gelassen werden soll. Obs passiert ist weiter fraglich. Bei zu viel Welle ist das Risiko zu groß und dann bleibt das Ding erst mal an Bord und macht keine Bilder vom Meeresgrund. Das wäre Frust für alle!
Sonne auf: 36° 50.570' N und 143° 41.500' E
Nach dem Sicherheitstraining
Eike Besuden am 9. März 2012, 9:07 Uhr:

Der Autor des Blogs in voller Montur
Endlich ablegen!
Blick auf Yokohama
Eike Besuden
am 8. März 2012, 17:44 Uhr:
Das war das Ziel für heute und das ist auch passiert.
Die "Sonne" aus Bremen hat ihre Position 35° 27.090' Nord und 139° 38.810' Ost verlassen.
Yokohama ist achtern raus, die Expedition Tsunami beginnt. Für die 21 Wissenschaftler an Bord ein Arbeitstrip, bei den Sie zwar wissen, was sie vorhaben, aber nicht wirklich wissen, was kommt.
Das gilt natürlich auch für uns! Zwei Wochen unterwegs im Westpazifik mit einer Horde Wissenschaftler, die ihre Messgeräte auf den Meeresboden stellen wollen, was soll das für ein Film werden?
Der erste Akt auf See als nach 3 Stunden kein Land mehr in Sicht ist: Sicherheitstraining für alle! Jeder weiß jetzt, wo seine Schwimmweste liegt, wie er sie anzieht, wie er zum Rettungsboot kommt und wo er sitzen wird, wenn der Alarm kommt. - Costa Concordia lässt grüßen!
Und noch zwei Stunden später? Schiet Wetter war versprochen und Schiet Wetter ist nun auch da. Da ist das Schiff gerade mal richtig auf See und schon stampft die "Sonne" gegen drei Meter hohe Wellen und der Kapitän sagt: "Ja, Windstärke 7 ist das wohl!"
Auf geht's. - Und die ersten Landratten verstecken sich schon in ihren Kajüten.
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