Extremwetterkongress
Jörg Rapp, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst, beschäftigt sich beim Extremwetterkongress in Bemerhaven mit dem Kältewinter 2009/2010. Im Interview mit Funkhaus Europa-Moderator Oliver Rabieh zieht er eine Bilanz:
Er ist ein kalter Winter gewesen, der kälteste so seit etwa 13 Jahren, mit einer Temperaturabweichung von immerhin 1,3 Grad unter den normalen Werten. Und er war vor allen Dingen auch ein schneereicher Winter mit einigen Rekordschneehöhen im Nordosten Deutschlands. Aber auch, und das ist das besondere, die lange Andauer der Schneedecke. Über 60 und mehr Tage hinweg lag eben in weiten Teilen Norddeutschlands Schnee.
Warum ist der Schnee so lange liegengeblieben?
Das liegt natürlich an den Temperaturen. Alle drei Wintermonate, Dezember, Januar, Februar, waren zu kalt, auch das ist in den letzten Jahren nicht mehr eingetroffen. Und das hängt damit zusammen, dass wir häufig nördliche beziehungsweise östliche Luftströmungen hatten und nicht wie üblicherweise und immer wieder diesen Westwind, der natürlich die milde Luft vom Atlantik hier zu uns nach Deutschland bringt, sondern die kalte Luft aus dem Norden und Osten Europas.
Jetzt hieß es in den letzten Jahren ja immer, wir müssen uns wegen des Klimawandels auf wärmere Winter mit kurzen Frostperioden einstellen. Gilt das denn noch?
Das gilt noch. Wenn Sie sich die letzten Jahre angucken, dann haben wir doch ein relativ hohes Temperaturniveau. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das in den nächsten Jahren nicht auch der Fall sein wird. Also in der Regel relativ milde und schneearme Winter, aber es kann immer mal ein "Ausrutscher" dabei sein, der uns wieder ein solches winterliches Wetter produziert.
Kann man schon absehen, worauf wir uns im kommenden Winter einstellen müssen? Gibt es Serienmäßigkeiten wie "ein kalter Winter kommt nicht allein"?
Nein, das gibt es nicht. Da kann keiner Ihnen eine Auskunft geben. Selbst die Jahreszeitenvorhersagen, die es ja schon gibt, die bisher allerdings nicht so publik werden, können keine Aussage über die nächsten Winter treffen.
Wann wird's denn endlich Frühling?
Meine Hoffnung geht in die zweite Hälfte des März. Die Sonne scheint immer länger und ich hoffe, dass dann der Frühling einsetzen wird. Eins muss man natürlich sagen: durch den kalten Winter sind die Nordsee und die Ostsee kühler als wir das in den vergangenen Jahren gewohnt sind, so dass die Wahrscheinlichkeit ist, dass es ein bisschen länger dauert, bis wir mal eine richtig schöne warme Frühlingswoche bekommen.
Dossier: Wetter und Klima
![Eine Windhose bildet sich [Quelle: DPA] Eine Windhose bildet sich [Quelle: DPA]](/wissen/dossiers/klima/themen/tornado102_v-mediateaser.jpg)
Wie wird sich die Welt und unsere Region verändern, was kann jeder einzelne gegen den Klimawandel tun und wie funktioniert überhaupt unser Klima? Fragen auf die auch Radio Bremen Antworten sucht.
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