Klima zum Begreifen
Einmal die Welt umrunden, durch Gletscher-, Wüsten-, und Unterwasserwelten wandern und dabei verstehen, wie unser Klima funktioniert. Dafür muss man kein Weltreisender, Tiefseetaucher oder Polarforscher mehr sein. Es genügt ein Ausflug nach Bremerhaven: ins Klimahaus. Dort kann der Besucher auf einer simulierten Reise entlang dem achten Längengrad die unterschiedlichsten Klimazonen der Welt begreifen; und zwar buchstäblich.
Das Klimahaus Bremerhaven
Bei sengender Hitze durchquert er eine steinige Geröllwüste, marschiert durch Eislandschaften, während ihm arktische Kälte ins Gesicht bläst und wandert unter der Wasseroberfläche durch eine Aquarienlandschaft, die das vielfältige Leben in einem Korallenriff zeigt - Wissen zum Anfassen.
Das Klimahaus Bremerhaven hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Es will informieren und unterhalten zugleich. Die komplexen Zusammenhänge im Klimageschehen werden nicht bloß auf spröden Info-Tafeln erläutert, sondern durch interaktive Exponate erfahrbar gemacht. Der Besucher soll zum Forscher werden: Mit Zutaten wie Feuer, Erde, Wasser und Luft kann er Stürme oder einen Vulkanausbruch verursachen. In der Themenkammer kann er herausfinden, wie sich im Alltag der persönliche CO2-Ausstoß verringern lässt.
Das Bewusstsein für den Klimawandel soll bei der Ausstellung spielerisch geschärft werden. Arne Dunker, Geschäftsführer des Klimahauses, stellt sich das so vor: "Die Reise macht eindrucksvoll deutlich, wie das Leben der Menschen auf unserem Planeten vom Klima beeinflusst wird und welche Veränderungen uns bevorstehen. Das sensibilisiert unsere Besucher für gezielten Umwelt- und Klimaschutz."
Aber auch die Qualität soll stimmen. In der Ausstellung möchte man nur wissenschaftlich fundierte Daten, Fakten und Phänomene zeigen, auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis. Um das zu gewährleisten, hat sich das Klimahaus namhafte Partner gesucht, wie das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, das Max-Planck-Institut für Meteorologie oder den Deutschen Wetterdienst.
11.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche und acht völlig verschiedene Klimazonen von feucht-heiß bis eisig-trocken. Das Klimahaus selbst verschlingt eine Menge Energie. Damit es nicht selbst zum Klimakiller wird, wurden in den Bau verschiedene Technologien integriert. Eine Betonkernaktivierung, eine Kraft-Wärme-Kopplung und eine natürliche Belüftung verbessern die Energie-Bilanz. Ein Null-Energie-Haus ist es trotzdem nicht geworden.
Radio Bremen testet: Wie klimafreundlich ist das Klimahaus?
Das Klimahaus ist ein Baustein der so genannten "Havenwelten". Damit wird ein Teil Bremerhavens auf dem Gebiet des Alten und Neuen Hafens bezeichnet, der derzeit vollständig umgestaltet wird. Durch die umfassenden baulichen Veränderungen will Bremerhaven Touristen in die Stadt locken. Neben dem Klimahaus gehören das Atlantic-Hotel "Sail-City" mit seiner Aussichtsplattform, das Einkaufszentrum "Mediterraneo", das "Deutsche Auswandererhaus", das "Deutsche Schiffahrtsmuseum" und der "Zoo am Meer" zu den "Havenwelten". An dem Ausbau sind private und öffentliche Geldgeber beteiligt. Die staatlichen Zuschüsse betragen mehrere hundert Millionen Euro.
Auch in architektonischer Hinsicht fügt sich das Klimahaus in die futuristisch anmutenden "Havenwelten" ein. Von außen erinnert die so genannte "Wissens- und Erlebniswelt" mit ihrer geschwungenen Glasfassade an eine Wolke, ein Schiff oder einen Kokon. Die Glashaut setzt sich aus etwa 4.700 einzelnen Scheiben zusammen - Jede ein handgefertigtes Unikat. Unter der gläsernen Hülle verbirgt sich eine 1.200 Tonnen schwere Stahlkonstruktion als Fassadenträger.
Der Weg zum Klimahaus war steinig und lang. Ursprünglich sollte es 2005 eröffnet werden. Doch es gab immer wieder Verzögerungen: erst wegen der langwierigen Vertragsverhandlungen, dann weil ein Stahlunternehmer klagte, der die Rechtmäßigkeit der Vergabe an die Konkurrenz bestritt. Auch die Stahllieferungen ließen auf sich warten. Am Ende verschob sich die Eröffnung bis zum Juni 2009.
Verzögerung an den Havenwelten, [3:23]
Die Verzögerungen führten auch zu einer Kostenexplosion. Im welchem Umfang ist zur Eröffnung des Klimahauses noch nicht genau bekannt. Zwischen 20 und 50 Millionen Euro soll der Bau zusätzlich gekostet haben. Ursprünglich waren rund 70 Millionen Euro veranschlagt. Bauherrin des Klimahauses ist die BEAN, eine Tochtergesellschaft der Stadt Bremerhaven, für die die Kommune nun neue Schulden machen muss, damit die letzten Arbeiten überhaupt bezahlt werden können.
Klimahaus Bremerhaven - Nach uns die Sintflut , [2:36]
Das Klimahaus wächst
Historie mit Bildern und Filmen
Backstage im Klimahaus Bremerhaven, [3:08]
Besichtigung vor der offiziellen Eröffnung
23. Juni 2009
Dossier: Wetter und Klima
![Eine Windhose bildet sich [Quelle: DPA] Eine Windhose bildet sich [Quelle: DPA]](/wissen/dossiers/klima/themen/tornado102_v-mediateaser.jpg)
Wie wird sich die Welt und unsere Region verändern, was kann jeder einzelne gegen den Klimawandel tun und wie funktioniert überhaupt unser Klima? Fragen auf die auch Radio Bremen Antworten sucht.
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