Klimakonferenz in Bremerhaven
Trockenere und heißere Sommer, Starkregen und höhere Sturmfluten: Das alles sind Folgen des Klimawandels, auf die sich die Menschheit einstellen muss. Entlang der niedersächsischen Nordseeküste oder an der Wesermündung werden zum Beispiel die Deiche erhöht, damit sie künftigen Sturmfluten trotzen. Doch wie müssen sie ausgelegt sein, um auch kommende Generationen schützen?
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Und wie geht man mit der zunehmenden Hitze in den Städten um, wie mit Starkregen und Überflutungen? Nur eines von vielen Themen der "2. Regionalkonferenz des Bundes und der norddeutschen Küstenländer zur Klimaanpassung", die am 8. und 9. November im Bremerhavener Klimahaus stattfand. Mehr als 350 Fachleute nahmen daran Teil.
Der Weserdeich, der vor dem Klimahaus verläuft, ist gerade rechtzeitig zur laufenden Sturmflut-Saison fertig geworden. Der knapp einen Kilometer lange Deich-Abschnitt wurde auf 8,50 Meter erhöht, weitere Deichkilometer in Bremerhaven werden folgen.
"Allein das Land Bremen gibt bis zum Jahr 2025 rund 240 Millionen Euro für diese Küstenschutzmaßnahmen aus", sagte Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) im Rahmen der Konferenz.
"Die Maßnahmen, die wir jetzt angehen, legen wir so an, dass wir später – wenn wir mit weiter steigenden Meeresspiegel rechnen müssen – die Schutzbauwerke weiter aufstocken können. Denn das ist die Entwicklung, auf die wir uns einrichten müssen", ist Lohse überzeugt.
Deiche mit weiterem Ausbaupotential, darauf setzt man nicht nur in Bremen, sondern auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Küstenschutz kostet sehr viel Geld genau wie alle andere Maßnahmen, die Bund, Länder und Kommunen ergreifen müssen, um den Folgen des Klimawandels bzw. um dem Klimawandel selbst zu begegnen – Stichwort Energiewende.
Aber dies ist aus Sicht des Bremer Umweltsenators gut angelegtes Geld. Denn: "Die Kosten der Vermeidungs-Maßnahmen sind ein Bruchteil dessen, was die Anpassungsmaßnahmen kosten, und die sind wiederum viel billiger, als wenn die Schäden ausgebessert werden müssten. Das konnten wir zuletzt in New York beim Hurricane Sandy besichtigen", sagt Lohse. Insofern sei der Ausbau der Erneuerbaren Energien die günstigste Strategie, die Deutschland bemühen könne.
Das sieht man auch in Mecklenburg-Vorpommern so. Das ostdeutsche Bundesland ist Vorbild bei der Energiewende. Es wird die Ziele der europäischen Klimapolitik nach Angaben von Energie- und Infrastrukturminister Volker Schlotmann schon in acht Jahren erreichen und sich dann komplett aus erneuerbaren Energien versorgen. Doch Mecklenburg-Vorpommern muss sich auch mit konkreten Folgen des Klimawandels beschäftigten:
"Wir haben vor gut einem Jahr einen schrecklichen Unfall bei uns auf der Autobahn gehabt, der durch Staubstürme entstanden ist", erinnert Schlotmann. "Wir haben also Erosionen von Böden, die bei lang anhaltender Hitze und starker Nutzung durch Fahrzeuge Staubfahnen entwickeln, mit denen wir noch schwierig umgehen können". Das Bundesland hat nun ein Kataster der betroffenen Strecken angelegt und versucht mit Bepflanzungen eine Wiederholung des Vorfalls zu verhindern. "Ob uns das immer gelingt, sei dahingestellt. Da ist langer Atem gefordert", prophezeit Schlotmann.
Im Stadtstaat Hamburg hat man sich nicht nur den Küstenschutz, sondern auch den Kampf gegen Starkregen und Überhitzung der Stadt auf die Fahnen geschrieben. Hamburg setzt dabei in erster Linie auf seine Grünflächen und Parks und auf das neue, so genannte "Risa-Programm": "Das steht für 'Regen-Infra-Struktur-Anspassung' und bedeutet, dass wir in Modellquartieren die Versiegelung aufbrechen", führt Hamburgs Umweltsenatorin Jutta Blankau aus. Was das bringt, ist noch nicht klar: "Das sind Erfahrungen, die wir im Moment sammeln. Wir probieren das aus und wollen die Ergebnisse irgendwann im nächsten Jahr präsentieren", so Blankau weiter.
Probleme und Lösungsansätze wie diese wurden in Bremerhaven diskutiert werden. Bei dem Treffen im Klimahaus am Weserdeich stand vor allem der Erfahrungsaustausch im Vordergrund, das betont auch der Vertreter des Bundesumweltministeriums, Fritz Holzwart. Denn es sei allen klar, "dass wir nur erfolgreich sein werden mit einer Anpassungsstrategie, die aufeinander abgestimmt ist", so Holzwart.
Deshalb werde die Regionalkonferenz des Bundes und der Küstenländer in Bremerhaven zur Klimaanpassung der Küstenregion auch nicht die letzte dieser Art gewesen sein.
Regionalkonferenz "Klimaanpassung" in Bremerhaven, [3:23]
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