Norddeutscher Lloyd
Dass der Norddeutsche Lloyd in Bremen einmal eine Institution war, lässt das Stadtbild heute nicht mehr erahnen. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war das noch ganz anders: Da kündeten große und mitunter herrschaftliche Gebäude im Herzen Bremens vom Ruhm der Reederei. Das Auffälligste war das Verwaltungshaus: ein gewaltiges Neorenaissance-Gebäude in der Papenstraße. Das steht heute nicht mehr – wie fast alle Häuser des Norddeutschen Lloyd verschwunden sind. Bis auf eines: Am Bremer Bahnhof, direkt neben dem Nordausgang gibt es noch ein großes Backstein-Gebäude.
Der dunkelrote Backsteinbau war nur ein kleiner Teil der Hallen und Gleisanlagen des Norddeutschen Lloyd hinter dem Bremer Hauptbahnhof.
Von außen sieht das Haus aus wie ein altehrwürdiger, schlafender Riese. Die meisten Passanten die daran vorbeikommen, scheinen es kaum wahrzunehmen, wie es hinter einer Reihe von Linden steht: Dunkelroter Klinker, weiße Fenster und nur noch ein paar Löcher in der Wand über dem Eingang verraten, dass hier einmal ein Schild mit der Aufschrift "Norddeutscher Lloyd" hing. Und doch – wer näher tritt und den Kopf hebt, der entdeckt in den zahlreichen Fensterbrüstungen noch die Verbindung zum Meer: Meerjungfrauen sind dort zu sehen, Seepferdchen und Schiffe. Und in einem Rundbogen über dem Nebeneingang: ein prunkvolles Wappen aus Stein, mit Schlüssel, Anker und Dreizack.
Viel unspektakulärer sein Inneres: Wer durch den Haupteingang und am schlichten Empfangstresen vorbei gegangen ist, findet sich in ausgeräumten Büros wieder. Sie tragen noch das verblasste Flair der 60er Jahre: graublauer Teppich, heruntergezogene Decken mit klobigen Lampen daran. Nichts lässt mehr ahnen, was hier einmal los war, kurz nachdem das Haus gebaut worden war - im Jahr 1913.
Es diente damals als zentrale Gepäckabfertigung und zum Teil auch als Wartehalle für die Zwischendeckspassagiere.
Heinz-Gerd Hofschen, Kurator des Focke-Museums in Bremen, erzählt die Geschichte des Lloyd-Hauses am Bahnhof: "Die Passagiere kamen mit ihrem Gepäck nach Bremen, auch die Auswanderer. Das wurde dann hier gesammelt und in den Bahnhof gebracht. Deshalb ist das Gebäude direkt neben dem Bahnhof errichtet worden, damit das Gepäck von hier aus nach Bremerhaven gebracht und dort in die Schiffe verladen werden kann." Die Schiffe des Norddeutschen Lloyd brachten Millionen von Passagieren mit ihrem meist üppigen Gepäck nach Übersee – eine logistische Herausforderung, die gut organisiert sein wollte.
Heinz-Gerd Hofschen: "Der Service des NDL war außerordentlich berühmt. Er sorgte dafür, dass den Passagieren der 1. Und 2. Klasse, die nun wirklich alle Bequemlichkeiten hatten, alle Unannehmlichkeiten abgenommen wurden. Auf der anderen Seite hatte es natürlich auch einen praktischen Grund. Man musste mit diesen Massen von Gepäck umgehen können. Und das wäre in Bremerhaven außerordentlich schwierig gewesen. Weil die Schiffe wöchentlich abfuhren und beim Einchecken wäre gar nicht die Zeit gewesen, das Gepäck mitzunehmen. Das passierte dann also vorher."
In der alten Wäscherei des Lloyd in Bremerhaven sitzt heute die Verwaltung der Lloydwerft.
Die Menschen, denen die vielen Koffer, Kisten,Taschen und Säcke gehörten, warteten in den selben Gebäude auf ihre Züge, die sie nach Bremerhaven bringen sollten. Das waren teilweise Sonderzüge des Norddeutschen Lloyd, nach denen die Eisenbahn ihre Fahrpläne ausrichtete. Zuvor hatten die Passagiere oft schon mehrere Tage in Bremen verbracht.
"Am Bahnhof gab es ein ganzes Ensemble von Gebäuden des Norddeutschen Lloyd. Einmal Hallen für die Auswanderer. Dann gab es ein Lloyd-Hotel, wo auch Passagiere auf die Abfertigung nach Bremerhaven warten konnten. Dies Hotel ist übrigens erst 1988 abgerissen worden."
Hier logierten die Passagiere der gehobenen Klassen. Die meisten, die mit dem Norddeutschen Lloyd abreisten, waren aber Auswanderer – und Zwischendeck-Passagiere. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein saßen Menschen im Lloyd-Gebäude neben dem Bahnhof und warteten: Sie wollten den Zug und dann eines der mächtigen Lloyd-Schiffe besteigen – um ihr altes Leben hinter sich zu lassen.
Nach dem Krieg veränderte sich das Leben in dem Backsteingebäude schlagartig. Eine Bombe hatte das Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd – das so groß gewesen war, wie ein ganzes Stadtviertel - schwer beschädigt. Die Verwaltung musste in das viel kleinere Haus neben dem Bahnhof umziehen.
Büroräume wurden eingerichtet und ein Magazin. Die gesamte Schiffahrt des Lloyd wurde fortan von hier verwaltet. Daran erinnert sich bei einem Gang durch das Haus Michael Müller-Larrey. Er hat hier 1964 seine Arbeit als Schiffskaufmann-Lehrling begonnen. "Hier oben waren die Frachtabteilungen und unten war die Buchhaltung, 'Kontrolle' hieß das damals, heute (lacht) würde man 'Controlling' sagen".
Außerdem gab es zu dieser Zeit schon ein Reisebüro. Michael Müller-Larrey: "Die Reisebürozentrale war hier. Die hatten schon damals einen Firmendienst, weil die Geschäftskunden ja im Prinzip gleich waren für Schiffahrt und für Leute, die reisten. Das "Flugzeug nach’m Krieg" brachte dann auch das Reisebüro ins Geschäft und die Zentrale war ebenfalls in diesem Haus".
Die Abteilung "Reise" harrte am längsten im Lloyd-Gebäude beim Bremer Bahnhof aus: Nachdem 1970 der Norddeutsche Lloyd mit der Hapag fusioniert war, zogen die einzelnen Abteilungen der Verwaltung peu à peu von Bremen nach Hamburg. Das Reisebüro blieb dort - bis Hapag-Lloyd 2005 das Gebäude aufgab. Dann stand es leer, wurde verkauft, umgebaut und im Jahr 2010 als Hotel wieder eröffnet.
Geschichte des Norddeutschen Lloyd
![Menschen schauen am Hafen auf die "Bremen" und klettern teilweise auf Mäste um einen besseren Überblick zu haben. [Quelle: Radio Bremen] Menschen schauen am Hafen auf die "Bremen" und klettern teilweise auf Mäste um einen besseren Überblick zu haben. [Quelle: Radio Bremen]](/wissen/dossiers/ndl/ndl160_v-mediateaser.jpg)
Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten Bremer Kaufleute eine Schifffahrtsgesellschaft, um den Schiffsverkehr über den Atlantik zu betreiben. Der Norddeutsche Lloyd von 1857 wurde zur größten deutschen Reederei mit Ozeanriesen, die aus Bremerhaven in die ganze Welt reisten. Für das Land Bremen in der Vor- und Nachkriegszeit war die Reederei von hoher wirtschaftlicher Bedeutung.
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